Wenn es in den vergangenen Tagen und Wochen um Namen für Ministerposten ging, dann fiel sehr oft auch seiner: Michael Theurer. Der FDP-Landesvorsitzende und frühere Oberbürgermeister von Horb (Kreis Freudenstadt) geht allerdings leer aus.
Horb/Berlin - Dabei war er für einen der aktuell wichtigsten Ämter im Gespräch. "Wenn die FDP das Gesundheitsministerium bekommen hätte, dann wäre ich als Minister vorgesehen gewesen", verrät er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Gesundheits-Ressort geht an die SPD
Doch daraus wird nun nichts – das Schlüsselressort in der Pandemie fällt an die SPD. Statt Theurer also Karl Lauterbach? Die SPD hält sich da noch bedeckt. Doch dem FDP-Mann ist die Enttäuschung darüber ein wenig anzumerken. Gesundheitsminister – das hätte passen können. Als stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion leitet er den Arbeitskreis II, der unter anderem die Themen Soziales und Gesundheit bearbeitet. In der vergangenen Legislaturperiode war der 54-Jährige zudem Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags. Und was sagt Theurer selbst, dass er leer ausgeht? "Eine Enttäuschung? Ich möchte es positiv formulieren: Ich hätte mich gefreut und war auch bereit – trotz der familiären Situation."
Theurer redet über Familienschicksal im Bundestag
Der Familienvater spricht dabei die schwierigen vergangenen Monate an, in denen seine zu früh auf die Welt gekommene Tochter lange auf der neonatologischen Intensivstation lag. In seiner jüngsten Bundestagsrede in der vergangenen Woche hatte er den wohl emotionalsten Beitrag der Debatte beigesteuert, um sich für die Pflegekräfte im Land starkzumachen. Er sagte: "Diesen kleinen Menschen – zwei Hand voll Leben – im Brutkasten zu erleben, zwingt zu einer völlig veränderten Perspektive. Ich habe die Fragilität des Lebens und damit verbundene eigene Hilflosigkeit noch nie so schonungslos aufgezeigt bekommen." Er sei dem Ärzte- und Pflegeteam sehr dankbar – nicht nur fachlich, sondern weil sie sich auch "mit unbeschreiblicher Hingabe und großem Einfühlungsvermögen" gekümmert hätten. Die gute Nachricht: Theurer und seine Frau Antje Giede-Jeppe konnten ihre Tochter mittlerweile endlich mit nach Hause nehmen.
Bis an die Grenzen der Belastungsfähigkeit
In den vergangenen Monaten sei er an die Grenzen der Belastungsfähigkeit gegangen – zunächst im Wahlkampf, dann in den Koalitionsverhandlungen. Vielleicht auch deshalb kann er der Nicht-Berücksichtigung auf der Regierungsbank auch etwas Positives abgewinnen. "Das Gesundheits-Ressort wäre in Pandemie-Zeiten eine Riesen-Challenge geworden. Irgendwie bin ich jetzt auch froh, dass der Kelch an mir vorbeigegangen ist."
Doch es gibt ja noch weitere Aufgaben in einer Bundesregierung. Ist er dazu bereit? Der FDP-Landesvorsitzende lässt sich hier nichts rauskitzeln. Die Verschwiegenheit der Koalitionsverhandlungen setzt er fort. Er sei stolz, dass er so maßgeblich am Koalitionsvertrag mitgeschrieben habe. In der AG Wirtschaft war er für die FDP Leiter und verhandelte mit Cem Özdemir (Grüne) und Carsten Schneider (SPD): "Einige Sätze im Vertrag sind von mir."
Info: Theurer über die aktuelle Situation in der Pandemie
Zur aktuellen Situation in der Pandemie sagt Michael Theurer: "Es war ein Fehler, die Impfzentren abzubauen. Auch die Impfkampagnen die Impfkampagnen waren mangelhaft. Ich habe im Bundestag gefordert, mehr ›Impfluencer‹ einzusetzen, die junge Menschen erreichen. Außerdem war es ein großer Fehler, die kostenlosen Tests zwischenzeitlich abzuschaffen." Wie er den Weg aus der aktuellen Lage sieht? "Boostern und Testen. Mein Blick geht nach Israel. Da war im Frühjahr eine Inzidenz von über 800. Jetzt liegt die Inzidenz bei rund 30. Das haben sie geschafft trotz etwas geringerer Impfquote als bei uns." Bund und Länder müssten nun die beschlossenen Gesetzesänderung voll ausschöpfen. Und: "Wir bereiten eine Impfnachweispflicht für den Risikobereich vor. Davon war ich immer schon überzeugt und habe diese Linie in der FDP als einer der ersten vertreten." Er sei aber gegen eine generelle Impflicht. "Ein Impfzwang ist mit der Verfassung nicht zu vereinbaren." Er setze lieber auf eine "gescheite Impfkapagne, die den Namen verdient".