Etwa 45 Demonstranten kamen zu einer Mahnwache. Foto: Lena Knöller

Zur vermutlich ersten Demonstration gegen Rechtsextremismus im Kreis Calw – im Rahmen der aktuellen Protest-Welle – kamen am Freitag in Calw immerhin 45 Teilnehmer. Und die nächste Aktion lässt nicht lange auf sich warten. Schon jetzt gibt es Pläne für eine weitere Mahnwache.

Einige Menschen haben sich am Freitagabend vor der „Taverna Dionysos“ in der Calwer Badstraße versammelt. Sie halten Schilder, auf denen „Nie wieder ist jetzt“ und „Demokratie verteidigen gegen rechte Hetze“ zu lesen steht.

 

Es ist die wohl erste Demonstration – eher noch eine Mahnwache – im Kreis Calw im Zuge der aktuellen Protest-Welle gegen Rechtsextremismus.

Doch während seit Tagen in zahlreichen Städten Tausende auf die Straßen gehen – so wohl auch an diesem Wochenende wieder, unter anderem in Karlsruhe, Pforzheim und Herrenberg – sind es an diesem Abend „nur“ etwa 45 Teilnehmer.

Ein Protest, der vergleichsweise bescheiden anmutet. Er hätte sogar noch bescheidener ausfallen können – Organisatorin Martina Bühler wäre es egal gewesen. Sie wäre auch allein gegangen. „Ich hatte das Bedürfnis, mich da hinzustellen“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Bühler ist in Calw bekannt – denn sie ist die Geschäftsführerin des Kreisverbands des Kinderschutzbundes.

Der Grund, warum sie an diesem Abend ausgerechnet in der Badstraße demonstrieren wollte, war eine Veranstaltung des AfD-Kreisverbands Calw/Freudenstadt. Jener hatte dort interessierte potenzielle Kandidaten für die Kommunalwahl zu einem Workshop eingeladen.

Ein Vertreter der AfD kam denn auch zu den Teilnehmern heraus, begrüßte sie und fragte, ob Bedarf an einer Diskussion bestehe. Nicht an diesem Tag, das hatte Bühler bereits im Vorfeld erklärt. Sie schloss ein Gespräch aber nicht aus. In einem anderen Rahmen, an einem anderen Ort. An diesem Abend soll gezeigt werden, dass die Demonstranten mit der Politik der AfD nicht einverstanden sind.

Fass zum Überlaufen gebracht

Der Grund, warum Bühler überhaupt demonstrieren wollte, waren die Enthüllungen über jenes Treffen mit Rechtsextremen in Potsdam, an dem auch AfD-Politiker teilgenommen hatten, das dieser Tage in aller Munde ist.

„Es kann nicht unkommentiert bleiben“, unterstrich Bühler. Schon länger sei ihr klar gewesen, „dass sich da was zusammenbraut“. Die Berichte über das Treffen hätten auch bei ihr das Fass zum Überlaufen gebracht. „Wir sehen das wirklich als Gefahr für die Demokratie“, sagt sie. Die Menschen müssten sagen, dass sie damit nicht einverstanden sind, gegen den Rechtsruck protestieren.

Spontane Aktion

Als Leute aus ihrem Umfeld erfuhren, was sie vorhat, sei sie auch plötzlich nicht mehr allein gewesen. Und die Demonstration wuchs an. Eine spontane Aktion, die erst am Donnerstagabend Form angenommen habe.

Für Bühler wäre die Anzahl an Teilnehmern ohnehin nicht allein ausschlaggebend. Sie ist überzeugt: Wie im Großen müsse auch im Kleinen etwas bewegt werden. Oft sei es sogar schwieriger, jemandem direkt gegenüberzustehen, als in einer großen Masse dabei zu sein. Aber: Alle zusammen müssten für Demokratie einstehen.

Weitere Mahnwache

Letzteres scheint gerade auf breiter Front zu geschehen. Etliche Bürgermeister, darunter aus dem Kreis Calw, positionierten sich zuletzt öffentlich gegen rechte Gruppen und Extremismus.

Mit Unterstützung der Kirchen ist zudem am Sonntag, 28. Januar, ab 17 Uhr eine Mahnwache gegen Rechtsextremismus auf dem Calwer Marktplatz geplant.

Auch Calws Oberbürgermeister Florian Kling wurde angefragt, dabei einige Worte zu sprechen.