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Endingen/Freiburg Polizei hat Mörder von Carolin G. gefasst

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Polizeipräsident Bernhard Rotzinger beantwortet Fragen bei der Pressekonferenz. Foto: Salzer-Deckert

Endingen - Sieben Monate nach dem Mord an einer Joggerin in Endingen bei Freiburg nimmt die Polizei einen Tatverdächtigen fest. Die entscheidenden Hinweise haben DNA-Tests und Mautdaten erbracht.

Es war "Spur 4334", die die Ermittler der Freiburger Polizei schließlich zum mutmaßlichen Täter führte: Seit Samstag sitzt der Mann, bei dem es sich um einen 40 Jahre alten rumänischen LKW-Fahrer handelt, in U-Haft. Die Taten, die ihm Polizei und Staatsanwaltschaft anlasten, streitet er zwar ab. Doch laut Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer machen ihn die Indizien, die man gegen den Mann gesammelt hat, zum "dringend" Tatverdächtigen.

Der Trucker wird nicht nur beschuldigt, im vergangenen November den brutalen Sexualmord an der 27 Jahre alten Carolin G. aus Endingen begangen zu haben. Ihm wird auch angelastet, für den Mord an der 20 Jahre alten französischen Austauschstudentin Lucille K. im Januar 2014 in Kufstein/Tirol verantwortlich zu sein.

Der Verdächtige war zuletzt bei einer Spedition im Raum Freiburg als LKW-Fahrer beschäftigt. Dort wurde er auch am Freitag gegen 14:00 Uhr verhaftet. Gegen die Festnahme habe der Mann keinen Widerstand geleistet, hieß es am Samstag bei einer Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft in Endingen. Nähere Angaben über den Verdächtigen, sein Leben und seine Familienverhältnisse macht die Polizei derzeit aus taktischen Gründen nicht. Klar ist aber: Er soll nicht vorbestraft sein.

Die Pressekonferenz der Ermittler kam einer Bürgerversammlung gleich: Zahlreiche Endingerinnen und Endinger verfolgten die Veranstaltung vor Ort. Polizeisprecher Walter Roth und SoKo-Leiter Richard Kerber von der Polizei in Emmendingen betonten mehrfach, wie umfassend und vorbehaltlos die Polizei von der Bevölkerung im Ort zunächst bei der Suche nach vermissten Carolin G. und später bei der Fahndungsarbeit unterstützt worden seien.

Endingens Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz, Freiburgs Kripochef Peter Egetemaier und Polizeipräsident Bernhard Rotzinger lobten die akribische, lange und letztlich erfolgreiche Ermittlungsarbeit in dem Fall: Rotzinger sprach von einem "kriminalistischen Meisterstück", das hoffentlich helfe, das angeknackste Sicherheitsgefühl der Menschen in der Region "zu heilen".

Egetemaier unterstrich "die absolute Ausnahmesituation", die die Mordermittlungen parallel zur ebenfalls intensiven Suche nach dem Mörder von Maria L. in Freiburg im vergangenen Herbst für die Polizei gewesen seien. Und Schwarz betonte stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger Endingens, dass die Wunde, die der Tod von Carolin G. in der Stadt verursacht hat, noch lange spürbar sein werde.

Die junge Kaiserstühlerin war am 6. November 2016 beim Joggen verschwunden. Vier Tage später wurde ihre Leiche entdeckt: Die junge Frau war brutal vergewaltigt und mit einer Eisenstange erschlagen worden. Vermutlich, so SoKo-Leiter Richard Keber, war die junge Frau wie auch das Opfer Lucille K. in Kufstein ein Zufallsopfer.

Die Spurensuche in beiden Mordfällen war schwierig: In Endingen waren viele Spuren vom Regen bereits zerstört, als die Tote entdeckt wurde. Trotzdem schafften es die Experten vom Kriminaltechnischen Institut (KTI) am Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart im Januar 2017, DNA-Fragmente des Mörders zu isolieren. Diese passten zu den Ergebnissen der Polizei in Kufstein im Mordfall Lucille K. vom Januar 2014.

Der Tiroler LKA-Präsident Walter Pupp betonte am Samstag: "Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen: Die Eltern der Toten hatten schon nicht mehr geglaubt, dass man den Mörder noch würde fassen können." Übereinstimmend lobten die Ermittler die enge, unkomplizierte Arbeit der deutschen und österreichischen Behörden seit Januar 2017: Richard Kerber schilderte die akribische gemeinsame Analyse der Spurenlage in Zusammenarbeit mit der Polizei in Kufstein.

Mithilfe österreichischer Mautdaten von 50.000 LKW und mit dem Wissen über den Fahrzeugtyp des Täters, der sich anhand der Eisenstange bestimmen ließ, mit der Lucille K. getötet wurde, schafften es die Fahnder, die Schlinge um den Mörder immer enger zu ziehen.

Schließlich brachte eine Anfrage bei Speditionen im Freiburger Raum am vergangenen Mittwoch den Durchbruch. "Spur 4334", die aus der Rückmeldung einer Spedition angelegt wurde, führte zu dem Tatverdächtigen. Der Mann wurde vernommen und eine Speichelprobe ergab einen Treffer mit den bereits vorhandenen Genspuren aus Kufstein und Endingen, so KTI-Leiter Andreas Stenger, der die Arbeit seines Instituts als "sehr komplex" und vor allem extrem langwierig beschrieb.

Weitere Indizien passten schließlich wie Puzzleteile zusammen: Der PKW des 40-jährigen passt zu einer Zeugenaussage aus Endingen. Und das Handy des Mannes hat sich am Tattag am Tatort ins Funknetz eingeloggt. Dazu kommt, dass der Verhaftete den Phantombildern der Freiburger Polizei und der österreichischen Ermittler ähnlich sieht.

Viele Fragen sind jedoch noch völlig offen in den beiden Mordfällen, die nun mit einem Mal geklärt erscheinen: Da ist zunächst einmal die Frage nach dem Mordmotiv: "Welcher Täter macht so etwas?", so Walter Pupp am Samstag. Lucile K. in Kufstein war bei ihrer Ermordung nur in geringem Maße sexuell missbraucht worden, allerdings fehlen bis heute ihre Tasche und ihr Handy.

Carolin G. hingegen wurde nicht beraubt, dafür aber liegt in ihrem Fall laut Polizei eine schwere Vergewaltigung vor. Nur für dieses Delikt wird sich der Verdächtige nun in Freiburg verantworten müssen. Den Mordfall Lucille K. wird eine weitere Verhandlung in Österreich aufrollen müssen.

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