Für Ralph Munz ist Tee Leidenschaft und Beruf. Über seinen Oasis-Versand in Empfingen handelt er mit Tees aus aller Welt. Foto: Herbert/Oasis-Versand

Strenge Corona-Beschränkungen in Teegärten und kaum noch planbare Lieferungen –­ damit haben Tee-Händler in der Pandemie zu kämpfen. Auch für Tee steigen jetzt die Preise. Ein Gespräch mit Tee-Händler Ralph Munz aus Empfingen über den weltweiten Handel mit Tee, exotische Anbaugebiete und die Bezahlung von Kleinbauern.  

Empfingen - Der Empfinger Tee-Händler Ralph Munz beantwortet die Fragen unserer Redaktion zu den steigenden Preisen für Tee.

 

Die Kaffeepreise steigen aktuell, vor allem wegen schlechter Ernten. Wie geht es dem weltweiten Teehandel derzeit?

Der Teehandel muss ebenfalls zum Teil deutlich höhere Preise verkraften, allerdings nicht primär wegen schlechter Ernten. Teilweise waren die Erntemengen etwas geringer, weil der Tee wegen Corona-Maßnahmen auch in den Teegärten nicht immer mit der vollen Personalstärke geerntet werden konnte. Die Mengen sind per se nicht wirklich das Problem, sondern es ist die Logistik, die nicht immer die benötigten Mengen zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort liefern kann.

Wie fielen im vergangenen Jahr die Ernten in den wichtigen Anbaugebieten Darjeeling und Assam in Indien aus?

Teilweise galten in den Teegärten strenge Corona-Beschränkungen, was die Arbeitskräfte angeht. So durfte in der Hochzeit der Ernte nur jeweils die halbe Belegschaft arbeiten. Dadurch kam es schon in Einzelfällen zu Mindererträgen in Darjeeling und Assam. Zu echten Knappheiten hat das bei uns jedoch bislang noch nicht geführt. Allerdings kann es schon sein, dass mal ein Tee für eine Weile aus ist, weil die neue Ware noch nicht eingetroffen ist.

Sie bieten in Ihrem Sortiment auch Tees aus Ruanda, Südkorea oder Brasilien an – Länder, bei denen man nicht als allererstes an Tee denkt. Welche Anbaugebiete sind noch relativ jung am Markt und aus Ihrer Sicht vielversprechend?

Viele dieser vermeintlich jungen Teeanbaugebiete, wie zum Beispiel Ruanda, sind eigentlich gar nicht so jung. Schon vor langer Zeit wurden von den Briten hier Teeplantagen angelegt. Durch politische und wirtschaftliche Wirren wurden viele davon einfach nicht mehr betrieben, oder waren qualitativ auf einem sehr niedrigen Niveau, so dass wir diese Tees bei uns lange nicht gesehen haben. Es gibt viele exotische Teeanbaugebiete, von denen wir hier einfach wenig mitbekommen. Wie zum Beispiel auf den Azoren, auf Mauritius, oder im Norden von Australien. Auch in der Türkei, am schwarzen Meer, oder in Grusinien (Georgien, Anm. d. Red.) wird Tee angebaut. Nur sehen wir diese Tees nicht als Verbraucher, da sie, wenn sie überhaupt nach Deutschland exportiert werden, in Mischungen gehen.

Auf Sizilien werden mittlerweile aufgrund des Klimawandels schon Bananen und Mangos angebaut. Wie verändert der Klimawandel den weltweiten Tee-Anbau, gerade in Bezug auf bekannte Anbaugebiete? Entstehen derzeit schon neue Anbaugebiete, weil sich das Klima ändert?

Nein, derzeit sind mir keine wirklich neuen Teeanbaugebiete bekannt. Natürlich gibt es hier und da Liebhaberprojekte, wie zum Beispiel einen ganz kleinen Grünteeanbau in Südbaden. Aber das ist Liebhaberei, aktuell ohne kommerzielle Perspektiven. Tee benötigt auch nicht nur das richtige Klima, sondern auch besondere, eher saure Böden, wie sie tropische Verwitterungsböden darstellen. Und diese Art von Böden gibt es ja auch nicht überall. Aber wer weiß, vielleicht sollte ich schon mal in Empfingen Flächen ausgucken und reservieren.

Immerhin steigt die weltweite Nachfrage nach Tee ständig, nicht zuletzt auch durch die stetig steigende Weltbevölkerung. Deshalb wird in den traditionellen Gebieten auch dauernd versucht, weitere Teeflächen anzulegen.

Der Welthandel mit Fracht läuft durch Corona nach wie vor nicht reibungslos. Wie beeinträchtigt sind Sie derzeit als Tee-Händler?

Wir spüren hier schon deutliche Beeinträchtigungen. Einerseits sind die Liefertermine inzwischen in vielen Fällen absolut unverbindlich und kaum noch planbar. So trafen zum Beispiel First-Flush-Darjeelings, welche normalerweise gegen Ende April mit dem Schiff in Deutschland ankommen, erst Ende September ein. Daneben spüren wir natürlich ganz extrem die stark gestiegenen Frachtpreise für Containertransporte. In einen 40-Fuß-Container passen je nach Teesorte 15 bis 23 Tonnen Tee. Wenn sich die Containerfracht dann, von früher circa 4000 US-Dollar, auf jetzt fast 20.000 US-Dollar verteuert, dann verteuert alleine die gestiegene Fracht den Tee schon um circa 1,20 Euro je Kilogramm.

Sie nennen bei der Herkunft Ihrer Tees beispielsweise ein Kleinbauernprojekt in Brasilien oder einen konkreten Teegarten in Darjeeling. Für manche Tees bezahlt man als Kunde dann pro 100 Gramm 10 Euro oder mehr. Wie viel Geld kommt bei den Tee-Erzeugern, also etwa dem Kleinbauernprojekt, an?

Wir bezahlen für unseren Bio-Fair-Mate hier etwa den 2,5-fachen Preis dessen, was sonst auf dem "normalen" Markt üblich wäre. Die Kleinbauern bekommen für ihre Arbeit etwa den doppelten Lohn, den sie sonst vor Ort bekommen würden. Die Differenz zwischen dem 2,5-fachen Preis und dem doppelten Lohn liegt unter anderem an den relativ geringen Produktionsmengen. Viele fixe Kosten, wie zum Beispiel die Kosten für die Biozertifizierung, schlagen sich hier auf die noch relativ kleine Produktionsmenge überproportional drauf. Mit jedem weiteren Kilogramm, welches produziert und verkauft werden kann, verbessert sich jedoch dieses Verhältnis.

In vielen anderen Ländern haben wir leider keinen, oder nur einen sehr geringen Einfluss auf die Löhne, die den Arbeiterinnen und Arbeitern vor Ort bezahlt werden. Unsere Erfahrung ist allerdings, dass die Verhältnisse in den biologisch wirtschaftenden Betrieben in den meisten Fällen besser sind als in den vergleichbaren konventionellen Betrieben. Nicht zuletzt deshalb, weil in den Bioregularien auch soziale Mindeststandards gefordert und von den Biokontrolleuren mit überprüft werden.

Falls Sie Reisen in Tee-Anbaugebiete unternehmen oder planen: Wo soll es als nächstes hingehen und warum?

Ich wäre aktuell gerne mal wieder nach Südafrika geflogen, wo jetzt gerade die Rooibosernte stattfindet. Aber wegen der schwierigen und oft kaum vorhersehbaren Situation verzichte ich gerade lieber darauf und hoffe, dass wir bald wieder normal reisen können. Ein Kollege aus dem Weingeschäft ist zum Beispiel im November für einige Zeit in Südafrika "gestrandet", als die Omikron-Variante ausbrach. Zuhause in Deutschland musste er nach seiner Rückkehr dann gleich für zehn Tage in Quarantäne.

Ihr persönlicher Tee-Favorit: Was trinken Sie gerade am Liebsten?

Das hängt ein wenig von der Tageszeit ab. Morgens trinke ich zum Frühstück gerne einen kräftigen Assam, dem ich ein wenig Darjeeling zugemischt habe. Am liebsten mit einem Schuss Milch. Am Vormittag im Büro dann gerne einen japanischen Grüntee und am Nachmittag darf es dann gerne ein würziger Darjeeling sein. Aber ich probiere ja fast jeden Tag viele verschiedene Tees. Und wenn da einer dabei ist, der mich gerade besonders anspricht, dann spucke ich den nicht wie üblich wieder aus, sondern trinke ihn gleich.