Ola Källenius beruft sich auf den schottischen Ökonomen Adam Smith. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Die EU untersucht, ob China mit massiven Staatshilfen für Elektroautos den Wettbewerb verzerrt. Als Gegenmaßnahme werden höhere Zölle diskutiert. Vor Journalisten hat Mercedes-Chef Källenius jetzt seine Haltung dazu erläutert.

Die EU-Kommission untersucht marktverzerrende Staatshilfen für chinesische Autobauer und zieht höhere Zölle für die Konkurrenz aus Fernost in Betracht. Wenn es nach Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius ginge, sollte die Politik in eine andere Richtung denken. Vor Mitgliedern des Wirtschaftspresseclubs Stuttgart hat der Topmanager des Autoherstellers jetzt seine grundsätzliche Haltung erläutert und sich dabei auf den Ökonomen Adam Smith (1723 bis 1790) berufen.

 

Mit dem schottischen Verfechter des freien Marktes verbindet der Deutsch-Schwede Källenius die Auffassung, dass alle Seiten am besten fahren, je kleiner die Hemmnisse im Handel sind. „Die deutsche Industrie ist am stärksten von Exporten abhängig“, sagte Källenius, „wir müssten das größte Interesse daran haben, Handelshemmnisse zu beseitigen und sollten nicht den Protektionismus fördern.“

Mercedes kennt als Smart-Partner auch die andere Seite

Mercedes selbst kennt die Effekte der Zölle von beiden Seiten. Fast jeder dritte Pkw des Stuttgarter Konzerns wurde 2023 in China verkauft. In die entgegengesetzte Richtung agiert Mercedes gemeinsam mit dem Joint-Venture-Partner Geely auch als chinesischer Exporteur und verschifft Zigtausende von Elektroautos der Marke Smart nach Europa. Auch in der Eigentümerstruktur von Mercedes-Benz spielt China eine große Rolle: knapp 20 Prozent der Aktien werden von zwei chinesischen Investoren gehalten.

Derzeit werden für chinesische Hersteller zehn Prozent Zoll bei der Einfuhr von Autos in der EU fällig. In der umgekehrten Richtung erhebt China 15 Prozent. Zwar wird der Zoll mit Produktionsstandorten in China, die alle namhaften deutschen Hersteller betreiben, umgangen. Das lohnt sich aber nicht für jedes Modell. Die besonders margenstarken S-Klasse-Autos von Mercedes etwa werden ausschließlich in Sindelfingen gefertigt. Bei den anfallenden Stückzahlen würde es sich nicht lohnen, mehrere Werke in verschiedenen Weltregionen zu unterhalten, so Källenius. In seiner Idealvorstellung würde die EU mit China über die Senkung des 15-Prozent-Zoll-Einfuhrzolls verhandeln statt über eine Erhöhung der zehn Prozent beim Export nach Europa. Er plädiert dafür, „eine Parität Zehn zu Zehn“ herzustellen, ein faires Spielfeld mit gleichen Handelsbedingungen für alle.

Hintergrund der Debatte ist die Prüfung chinesischer Subventionen für Elektroautos durch die EU, die noch bis Herbst andauern soll. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zum Start der Wettbewerbsuntersuchung im September gesagt: „Der Preis dieser Autos wird durch riesige staatliche Subventionen künstlich gedrückt - das verzerrt unseren Markt.“ Europa dürfe nicht – wie einst bei der Solarindustrie – riskieren, dass ein Zukunftsmarkt verloren gehe.

Die größten US-Exporteure sind deutsche Hersteller

Die deutschen Autohersteller sind aufgrund ihrer globalen Aufstellung immer mitten im Geschehen – nicht nur in China, sondern auch in den USA. Die größten Exporteure von Autos aus den USA nach Europa sind nicht etwa Ford oder Chevrolet, sondern, wie Källenius betonte, „wir und ein anderer großer Autohersteller aus Süddeutschland“. Gemeint ist BMW, das ebenso wie Mercedes bestimmte Modelle ausschließlich in Amerika herstellt. Gegenüber China haben die USA unter Ex-Präsident Donald Trump die Handelshürden erhöht und sie unter Präsident Joe Biden beibehalten: Dort zahlen chinesische Hersteller derzeit einen Einfuhrzoll von 25 Prozent.