In fünf neuen Vitrinen zeigt Michael Herberger Einzelteile und Baugruppen von legendären Dampflokomotiven, die in Deutschland unterwegs waren – im Maßstab 1:22,5. Foto: Wegner

Mit einer Sonderschau will das Eisenbahnmuseum Schwarzwald in Schramberg zeigen, wie viele und welche Teile für die Herstellung einer Modellbahn-Lokomotive benötigt werden.

Es gibt nicht wirklich viele, die sich an das Genre Eigenbau einer Modelllokomotive heranwagen. Und vor allem nicht im Maßstab der Spur II mit 1:22,5, da hier Metall und Messing gefragt sind – 3D-Druck aufgrund von Größe, Gewicht und Belastung bislang nicht funktioniert.

 

Sechs bis sieben Jahre dauert es im Durchschnitt, so erzählt Museumsleiter Michael Herberger, als Berufstätiger ein solches Lokmodell herzustellen – die entsprechenden Werkzeuge und Maschinen vorausgesetzt. Und so haben es viele der Aktiven der Interessengemeinschaft Spur II lebenslänglich auch auf „nur“ zwei bis drei Modelle gebracht.

„Aber es gibt auch Ausnahmen“, weiß Herberger – da reichen dann auch schon mal drei Jahre, um eine Lok aus rund 3000 Einzelteilen in rund 3000 Arbeitsstunden herzustellen. Aber nicht jede Lok wird auch fertig – und so hat Herberger jetzt aus dem Nachlass zweier Eisenbahnfreunde tausende Teile erwerben können, die er jetzt im Museum zeigen kann.

Fünf neue Vitrinen

Jeden Abend sei er über den Winter dran gesessen, um die Teile zu sortieren, damit diese anschaulich präsentiert werden können, wie er sagt. In fünf neuen Vitrinen im „Hochparterre“ hinter der Anlage „Görlitz“ im Museum in der H.A.U. hat Herberger noch etwas Platz für die Schau gefunden.

In die Höhe gebaut

„Bei mir ist es wie in New York, wenn unten der Platz nicht reicht muss man in die Höhe“, meint er zur Ausstellungssituation – denn eigentlich passt in das Museum nicht mehr viel rein. Aber das Thema „Entstehung einer Lok“ war Herberger dann doch so wichtig, dass er in fünf Fensternischen die Vitrinen einbaute und jetzt eben auch bestückt hat. Gezeigt werden dort Teile für die Baureihen 50, 52, 42, 64, 01, 06, 45, zudem künftig noch Güter und Personenwagen.

Pläne ergänzen

Ergänzt wird dieser Bereich durch Zeichnungen mit den Maßen, deren Originale meist bei Verkehrsmuseen erhältlich sind – und dann passend verkleinert werden müssen.

Wer eine Lok bauen will, der benötigt neben Drehbank, Fräsmaschine und Geräte zur Blechbearbeitung für Schneiden, Biegen, Rollieren, Stanzen auch das Know-how um damit umzugehen.

Rund 80 Prozent der Teile muss jeder Modellbauer selbst herstellen – die IG Spur II besitzt für die rund restlichen 20 Prozent insgesamt 5000 so genannter Urmodelle für Loks und Wagen, die als Vorlage verwendet werden können.

Blech ist „typisch“

Hergestellt werden die Modelle entweder aus Blech oder aus Messing – von der Philosophie her sagten laut Herberger viele, „eine echte Lok ist aus Stahl, also muss es Blech sein. Dieses muss aber aufwendiger hartgelötet werden, Messing kann weichgelötet und von daher einfacher verarbeitet werden. Ist die Lok nachher lackiert, ist der Unterschied für den „normalen“ Betrachter kaum zu sehen.

Info

Zwei Drittel der Besucher des Eisenbahnmuseums Schwarzwald sind Urlauber, rund ein Drittel Eisenbahnfans, die speziell auch von weiter her anreisen.

Die Besucherzahlen liegen mittlerweile wieder auf dem Niveau von vor Corona.