Viele Menschen lieben die „Energieoase“ Großer Hau in Rexingen. Die Befürchtung: Windkraft zerstört diese Idylle. (Archivfoto) Foto: Maria Hopp

Die Einspruchsfrist gegen die möglichen Windkraft-Pläne endet am 15. März. Vier Bürger sagen, warum der jetzt vorgeschlagene Windpark im Großen Hau in Rexingen aus ihrer Sicht nicht geht. Hausärztin Sachiko Flaig erzählt, wieso das Waldjuwel so gesund ist.

Die Uhr tickt für die Bürger, um Einwendungen gegen den Teilregionalplan Windenergie einzulegen. Vier Rexinger haben das schon erledigt.

 

Unsere Redaktion sagt, warum Hausärztin Sachiko Flaig, Pferdehofbesitzerin Elke Bouctot sowie Adelheid und Bruno Asprion Einspruch eingelegt haben. Sachiko Flaig ist seit vier Jahren Hausärztin in Rexingen.

Warum ist das Waldgebiet ein „gutes Pflaster“?

Die Hausärztin erzählt: „Die Rexinger erstaunen mich immer wieder. Es gibt außergewöhnlich viele hochbetagte Menschen, die fit und selbstständig leben, sowohl körperlich als auch geistig. Eine Dauermedikation kommt deutlich weniger vor als bei Stadtmenschen. Viele sind nicht passiv, sondern geben sich selbst Mühe, gesund zu bleiben. Und viele gehen regelmäßig spazieren. Sie sind fähig zu laufen. Auch wenn die Straßen zugeschneit sind, kommen die Leute dann zu Fuß. Früher in einer Stadtpraxis kamen nur wenige Leute zum Termin, wenn es mit dem Auto nicht möglich war. Das ist eine Freude, solche Menschen als Hausarzt zu begleiten.“

Sachiko Flaig (links) ist Hausärztin in Rexingen. Sie beobachtet, dass ihre Patienten gesünder als an anderen Orten sind. Foto: Lück

Welche Rolle spielt das sogenannte Waldjuwel – der Große Hau?

Sachiko Flaig: „In der Corona-Zeit habe ich von vielen Kollegen gehört, dass die Menschen psychisch sehr belastet sind und schnell aggressiv werden. Das habe ich überhaupt nicht gespürt. Unsere Patienten konnten auch in der Corona-Zeit im Wald ohne Angst vor einer Menschendichte laufen, da der Wald groß genug ist.“

Gibt es auch medizinische Auswirkungen, die sie als Hausärztin beobachtet hat?

Flaig: „Ich schicke meine Patienten, die nach einer Erkältung mit hartnäckigem Schleim zu kämpfen haben, immer in den Wald zum Spazieren. Oft können sie danach besser abhusten und besser Luft bekommen.“

Ruhe und die frische Luft durch den Wald – was hat das noch für Auswirkungen?

Flaig: „Ich habe einige Patienten, die in der Stadt täglich ein Asthma-Spray gebraucht haben und nun konnten sie es reduzieren oder sogar absetzen, nachdem sie hierhergezogen sind. Sogar ich habe selbst bei mir gemerkt, dass ich nach dem Umzug plötzlich weniger schlafen musste, da meine Schlafqualität hier deutlich besser geworden ist.“

Was sagt die Ärztin zu den Plänen, den Großen Hau als Vorrangfläche für Windkraft auszuweisen?

Flaig: „Meine Eltern leben in Japan. Sie wohnen in einer Großstadt ohne Wald. Im Sommer können sie kaum draußen laufen, das ist gefährlich heiß. Das bedeutet gezwungenermaßen immer eine große Pause mit dem Laufen, die älteren Menschen bauen da schnell ab. Und in der Corona-Zeit konnten sie nur in der Wohnung bleiben. Da denke ich immer, was für ein Glück es ist, hier noch in großen Naturschätzen leben zu dürfen. Hier im Wald ist es sogar im heißesten Sommer angenehm kühl, sodass man gut spazieren gehen kann.“

Was ist ihr Appell an den Gemeinderat Horb, der eine Stellungnahme zu den Plänen abgeben soll?

Flaig: „Man sollte immer denken: Wie lange dauert es, bis solch ein Wald mit umfangreichen Pflanzen und Tieren entsteht. Zerstören geht sehr schnell, aber das kann man nicht mehr rückgängig machen. Nach gut 20 Jahren sind die Windräder alt und müssen wieder abgebaut werden. Wenn man bis dahin eine bessere Möglichkeit zum Energiegewinn entwickelt hat, will keiner mehr neue Windräder dort bauen. Danach bleibt nur der kaputte ehemalige Wald. Unsere Nachfahren müssen es ausbaden.“

Brief höchstpersönlich eingeworfen

Auch Adelheid und Bruno Asprion sagen, was das Waldjuwel für ihr Leben bedeutet und warum sie einen Einwendung eingereicht haben. Bruno Asprion sagt: „Ich bin extra am Sonntag zur Post in Horb gefahren. Ich habe den Brief höchstpersönlich eingeworfen. Damit unsere Einwendungen wirklich pünktlich beim Regionalverband Nordschwarzwald ankommen.“

Der handschriftliche Einwand der Asprions. Foto: Lück

Seine Frau Adelheid legt den handschriftlichen Entwurf für das Veto der Familie auf den Prospekt, den der Nabu Horb verteilt hat. Sie sagt: „Mein Handy kann ich eigentlich gleich Wald-Handy nennen. Da sind fast nur Fotos vom Großen Hau drauf.“

Die Asprions wohnen oben am „Großen Augstbaum.“ Adelheid tippt auf ein Bild: „Hier steht das Reh direkt an unserem Zaun.“ Wischt weiter: „Hier hat der Bauer den Boden aufgelockert. Dort sind Kräuter gewachsen. Da äsen die Rehe. Für mich wäre es schlimm, wenn der Große Hau für Windkraft fallen würde.“

„Meine erste Therapie“

Adelheid und Bruno sind jetzt Oma und Opa. Er Ur-Rexinger, sie aus Mitteltal. Sie sagt: „Wenn es mir nicht gut geht, ist meine erste Therapie das Waldjuwel.“ Er sagt: „Schon vor zehn Jahren haben wir gegen Windkraft auf dem Großen Hau gekämpft. Und gedacht: Das kommt nie wieder. Jetzt sind sie schon wieder dran.“

Die sechsjährige Enkelin ist auch da. Adelheid schaut auf sie: „Wir sind fast jeden Tag mit den Enkeln im Wald. Wir treffen Menschen aus Altheim, Grünmettstetten und sogar aus dem Waldachtal. Jetzt hat mir sogar Dr. Schach aus Afrika geschrieben. Er war jeden morgen um 5 Uhr schon im Großen Hau. Das Waldjuwel war sein Leben – ich schicke ihm immer die schönsten Bilder aus seiner Heimat.“

Natur-Erhalt für die Enkel

Die Angst der beiden: Was bleibt vom Waldjuwel, wenn die Windräder riesige Schneisen schlagen? Welche Zukunft bleibt dann noch für ihre Enkel? Adelheid Asprion: „Sie wachsen mit der Natur auf. Wenn im Hof eine Wasserpfütze ist, retten sie alles raus. Die Natur ist wirklich alles für die Enkel!“

Auch Reiterhof-Besitzern kämpft für das Waldjuwel

Vor knapp fünf Jahren verlegte Elke Bouctot ihren Reiterhof von Glatten oben auf die Höhe vor dem Großen Hau in Rexingen. Weil die Firma Schmalz das alte Gelände aufgekauft hat.

Reiterhof-Besitzerin Elke Bouctot zeigt ihren Einspruch gegen die Windkraft-Pläne. Foto: Lück

Jetzt befürchtet sie wieder schwere Zeiten, wenn Windräder im Waldjuwel im Großen Hau gebaut werden. Bouctot sammelt unter ihren Reitschülern schon Unterschriften. Wichtigster Satz: „Bisher konnten wir den Ausblick auf den Hohenzollern und die Erhebungen der Alb bewundern – dann würden sich in Zukunft roboterhafte Windräder über den Baumwipfeln drehen, den Tieren Angst einflößen und das Gleichgewicht zerstören.“

Die Zeit wird knapp

Bouctot: „Ich weiß nicht, ob wir es schaffen, die Unterschriftenliste rechtzeitig zum Abgabeschluss am 15. März dem Regionalverband Nordschwarzwald zu übermitteln.“

Deshalb hat sie ihren Einwand schon vor einer Woche eingereicht. Bouctot schreibt: „Mehr als 100 Kinder und Jugendliche aus Horb und Umgebung besuchen den Unterricht wöchentlich oder verbringen hier glückliche Ferien. Ein Ausreiten in der Nähe der bedrohlichen und geräuschvollen Windrädern wäre nicht mehr möglich und könnte finanzielle Einbußen für unseren Betrieb zur Folge haben.“

Wie störend wären Windräder für ihren Betrieb? Bouctot: „Für die Pferde sind sich drehende Windräder Ungeheuer. Kommt ein Pferd in die Nähe, fangen die Tiere an, zu scheuen. Dann können wir unsere beliebten Ausritte mit den Kindern am Großen Hau gar nicht mehr machen. Drüben in Altheim haben auch die Jungs ihren Hof. Ich befürchte, dass Windräder für alle, die das Pferdeland hier für Ausritte nutzen wollen, Auswirkungen haben werden.“

So können Bürger ihre Einwendungen gegen Windkraftflächen einlegen

Bisherige Bilanz
Auf dem Beteiligungsportal des Regionalverbands Nordschwarzwald können Bürger online oder per Mail bis Freitag, 15. März, ihre Einwendungen gegen den Teilregionalplan Windenergie einlegen. Bisher werden hier 303 Stellungnahmen gezählt (Stand: 14. März, 10.30 Uhr). Der Gemeinderat Horb will am Dienstag, 19. März, seine Stellungnahme abgeben. In Horb schlägt der Regionalverband sechs Flächen vor. Der Große Hau heißt WF 14.

Einwendungen
So können Bürger ihre Bedenken fristgerecht einlegen: Per E-Mail an: stellungnahmen@rvnsw.de. Online: beteiligung-regionalplan.de/nordschwarzwald_wind.

Der Sinn
Peter Seiffert, Vize-Verbandsdirektor des Regionalverbandes Neckar-Alb, hatte es im Gemeinderat Starzach auf den Punkt gebracht: „Der Gesetzgeber hat uns die Möglichkeit gegeben, mit dem Teilregionalplan Windenergie 1,8 Prozent der Fläche für Windkraft festzulegen. Wenn wir dieses Ziel nicht schaffen, dann wären Windkraftanlagen an jeder Stelle möglich. Wenn der Regionalverband diese Steuerungsmöglichkeit verliert, reiben sich die Projektentwickler für Windparks die Hände. Die sind jetzt schon unterwegs auf den Flächen, wo wir Entwürfe haben. Teilweise gibt es auch schon Vorverträge mit privaten Grundstückseigentümern.“