Die Naturschutzverbände warnen vor dem neuen „Teilregionalplan Windkraft“. Es könnte das Ende für das „Waldjuwel“ des Großen Hau von Rexingen bedeuten. Nabu und Bund appellieren: „Jeder sollte Einspruch einlegen.“
Das „Waldjuwel“. So nennen die Rexinger das, was sie nach jahrelangem Kampf gegen einen geplanten Windpark auf dem Großen Hau entwickelt haben: Wanderwege, Führungen, liebevoll gestaltet. Jetzt droht dieses in ehrenamtlicher Arbeit aufgebaute Naturprojekt nieder gemacht zu werden.
Anlass ist die „Offenlage des Teil-Regionalplans Wind“. Im März will der Gemeinderat Horb dazu eine Stellungnahme abgeben. Doch die Naturschutzverbände Nabu und Bund sagen schon jetzt: „Jeder, der kann, sollte ein klares Votum senden, damit das Gebiet aus der Planung herausgenommen wird.“
Bürger können sich beteiligen
Horbs Nabu-Vorstand Lambert Straub sagt: „Wir wollen in Horb die Natur schützen. Jeder hat die Möglichkeit, während der Öffentlichkeitsbeteiligung sein Statement zum großen Hau abzugeben. Je mehr Bürger sich beteiligen, desto machtvoller wird das Bekenntnis zum Erhalt des Waldjuwels auf dem Großen Hau.“
Worum geht es? Der Regionalverband Nordschwarzwald hat eine sogenannte „Suchraumkulisse“ für Windkraft angelegt. Und sogenannte Vorranggebiete ermittelt. In Horb heißen die WF. WF 9 ist im Waldgebiet zwischen Grünmettstetten und Waldachtal. WF 10 und WF 11 sind rund um das Industriegebiet Heiligenfeld. Südlich und nördlich des „Black Forest Terminal.“ WF 3 ist oberhalb von Talheim Richtung Haiterbach. WF 6 im Wald im Dreieck zwischen Talheim, Hochdorf und Eutingen. WF 15 zwischen Betra und Empfingen.
Der Große Hau heißt WF 14. Und – das ist überraschend – auch der Große Hau ist wieder mit dabei. So groß wie nie zuvor. Vor mehr als zehn Jahren kämpfte die Bevölkerung, der Nabu Horb und viele Unterstützer erfolgreich dagegen, dass das „Waldjuwel“ bei Rexingen für einen Windpark fallen sollte. Eine Petition sorgte dafür, dass sich auch der Landtag damit beschäftigt. Das Regierungspräsidium untersagte damals den Flächennutzungsplan.
Gebiet ist größer geworden
Der Große Hau: Nach der ersten Stellungnahme der Naturschützer 85 Hektar. Während der informellen Beteiligung an der Planaufstellung hatten Nabu und Bund ihre Bedenken gegen den Großen Hau als Standort eingelegt. Daraufhin wurde die Fläche bei Rexingen in den alten Steckbriefen mit 85 Hektar eingezeichnet. So, dass nach den alten Plänen von Stadtplaner Peter Klein aus dem Jahr 2012 maximal sechs Windräder drauf passen würden.
Jetzt ist das Gebiet auf einmal 146 Hektar groß. Die letzte Sitzung des Planungsausschuss war am 24. Januar. In der Ergebnisniederschrift heißt es: Der Planungsausschuss beschließt den beigefügten Entwurf (Anlagen 1 und 2) des Teilregionalplans Windenergie, inklusive den vorgetragenen Änderungen in Calw, Horb, Simmersfeld und Wildberg.
Die Änderung in Horb betrifft den Großen Hau. Statt 85 Hektar umfasst die eigentliche Fläche für Windkraft jetzt 146 Hektar und ist fast doppelt so groß. Vergleicht man diesen neuen Plan mit dem Alten von Peter Klein, sieht es so aus, als könnte man sogar noch ein Windrad mehr als damals auf den Großen Hau stellen, wenn man es in die „Spitze“ oder das „Ohr“ des „Hundes“ stellt. Hier befindet sich die Ihlinger Jakobshütte.
Verbandsdirektor Sascha Klein sagt: „Nach der Umweltprüfung wurde die Potenzial-Fläche zunächst verkleinert, dann wieder vergrößert.“
Wo kann jetzt ein Windrad stehen? Klein sagt: „Früher war es so, dass innerhalb der Potenzialfläche das gesamte Windrad mit Rotor stehen musste. Inzwischen wurden die Bedingungen geändert: Jetzt muss nur noch der Mast innerhalb der Potenzialfläche stehen.“
Wie steht es um Klimaneutralität?
Wird Horb nie klimaneutral, wenn jetzt der Kampf um den Großen Hau wieder losgeht? Nabu-Vorstand Lambert Straub sagt: „Nimmt man die gesamten Windkraft-Potenzial-Flächen aus dem jetzigen Vorschlag des Regionalverbands Nordschwarzwald zusammen, so werden 5,2 Prozent der Fläche für Windkraft ausgewiesen. Wenn wir den Großen Hau aus dieser Suchraumkulisse herausnehmen, bleiben immer noch rund vier Prozent übrig. Das sind immer noch mehr als das Doppelte der vom Land geforderten 1,8 Prozent!“