Der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart ruft zur Nachhaltigkeit auf. Vor Ort nehmen sich die Kirchengemeinden des Umwelt- und Klimaschutzes noch längst nicht mit der gebotenen Inbrunst an, meint die Kolumnistin.
„Bin ich zuständig?“ lautet nicht nur, wie es in einem Witz heißt, die erste Frage von Beamten, die mit einer Aufgabe konfrontiert werden – auch uns von der Lokalzeitung geht es so: Eine neue Zugstrecke in Nordrhein-Westfalen, eine Initiative gegen das Bienensterben in Schleswig-Holstein oder ein Preis für eine Schule in Brandenburg – alles schön und interessant. Aber wir sind die Heimatzeitung für die Schwäbische Alb und die Lokalredaktion für Albstadt und Umgebung – wir berichten von hier.
Das geht uns alle überall an
Da mag uns die jüngste Pressemitteilung der Diözese Rottenburg-Stuttgart nichts angehen. „Kirche müsste beim Thema Nachhaltigkeit lauter sein“ heißt es da, und im Untertitel: „Ordensleute aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart befassen sich mit der Bewahrung der Schöpfung“. Doch das geht uns – wenngleich in Biberach passiert – sehr wohl etwas an: nicht nur uns als Lokalzeitung, sondern uns alle. Denn letztlich ist es egal, wer sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzt, die uns umgibt, für den Erhalt der Lebensgrundlagen, die wir alle brauchen. Hauptsache jemand tut es überhaupt.
Dass die Christen, die sich lange vor der Existenz von Firmen und Hochschulen mit dem Thema „Schöpfung“ beschäftigt haben, nämlich im biblischen Buch „Genesis“, nun von Firmen und Hochschulen erfahren, wie diese das Thema Nachhaltigkeit angehen, ist erfreulich. Genau genommen aber sollten sie vorangehen – und nicht von ihnen lernen müssen, sondern umgekehrt.
Auch Tiere gehören zur Schöpfung – und führen zu oft kein gutes Leben
Es ist schon verwunderlich, wenn bei kirchlichen Festen nur die Rote Wurst und das Steak im Wecken angeboten werden anstatt vegetarischer Gerichte. Ob das Fleisch, das da auf dem Grill schmort, wenigstens ein erträgliches Leben hatte, als es noch einem Hühnchen, einem Rind oder einem Schwein gehörte, ist fraglich. Klar, Bio-Fleisch ist teurer, und nicht wenige der Menschen, für die ein kirchliches Fest die vielleicht einzige Möglichkeit in der Woche ist, mal unter Leute zu kommen, müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Aber ist das wirklich eine hinreichende Begründung dafür, Fleisch aus „herkömmlicher“ Produktion – und oft nur das – anzubieten, wo im Gottesdienst zuvor noch von der Bewahrung der Schöpfung die Rede war?
„Ihr habt alles gewusst“, werden sie sagen
„Die nachfolgende Generation wird fragen: Was habt ihr getan? Und sie wird uns sagen: Ihr habt alles gewusst“, hat Bischof Gebhard Fürst beim diözesanen Ordenstag in Biberach gesagt und auf die Auswirkungen des Klimawandels verwiesen, „die vor allem Menschen in anderen Kontinenten zu spüren bekämen“, wie es in der Pressemitteilung heißt.
Guten Morgen, liebe Diözesanen! Schön, dass Sie schon eintreten in die Runde jener, die gemerkt haben, dass es längst fünf nach zwölf ist, und wir nicht darauf zählen dürfen, dass Gott noch einmal eine Erde für uns erschafft.
Auf anderen Kontinenten sieht die Kirche die Folgen deutlich
Gerade die Kirche, die weltweit tätig ist und sich auf Kontinenten, die schon weit stärker als Europa von der Klima-Krise betroffen sind, in der Hilfe für ärmere Menschen engagiert, hätte längst viel mehr tun müssen, um aufzurütteln – und mit gutem Beispiel vorangehen. Spannende Bibelabende, hübsche Blumenbilder bei Fronleichnamsprozessionen, herrliche Kirchenkonzerte und Möglichkeiten zur Begegnung für Einsame und Ältere: All das sind gute und wichtige Elemente im Kaleidoskop der Angebote, das die christlichen Kirchen machen. Von einem „Arbeitskreis Kirche und Umwelt“ durften wir von der Albstädter Lokalzeitung allerdings noch nie berichten. Dabei wäre es uns ein inneres Missionsfest!
Wir sind gespannt, welche Kirchengemeinde – gleich welcher Konfession – im Raum Albstadt als erste merkt, dass es höchste Zeit ist, den Erhalt der Schöpfung auf die Agenda zu setzen. Fürs Berichten sind wir dann gerne zuständig!