In ihrem Probier-Raum zeigen Carolin Raezer-König und John Raezer einige ihrer aktuellen Craftbier-Variationen. Foto: Zoller

"Zauber Craft Bräu" statt traditionellem Klosterbier. Viele Einheimische sind schon begeistert.

Nur wenige Meter von den einstigen Klostermauern entfernt brodelt es wieder in der Stadt, die ihre Ursprünge den Zisterziensern zu verdanken hat. Statt traditionellem Klosterbier wird nun unter dem Label "Zauber Craft Bräu" frischer Gerstensaft in Bad Herrenalb gebraut.

Bad Herrenalb - Zugegeben, der Name klingt mystisch und verheißungsvoll zugleich. Umrahmt von Gersten- und Hopfenpracht wirbt auf dem dunklen Flaschenetikett ein uriger Typ für den "Zaubertrank", der als Craftbier seine Ursprünge in den USA hat. Wörtlich übersetzt ist Craftbier ein "handwerklich gebrautes Bier", das sich allerdings durch seine individuelle Herstellung und besonderen Zutaten von handelsüblichen Bieren absetzt.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass ein gebürtiger Amerikaner seine Eigenkreationen aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe nun in der ehemaligen Forstkammer neben dem alten Forsthaus zum Verkauf anbietet.

Craftbier nach eigenen Rezepten

"Wir machen unser Craftbier nach eigenen Rezepten und verwenden dazu neue Hopfensorten", erläutert John Raezer, der für sein Hobby einen idealen Standort in Bad Herrenalb gefunden hat. Angesprochen auf das Etikett, erklärt er mit seinem angenehm klingenden amerikanischen Akzent: "Ich liebe die Fastnacht in Deutschland. Das sind Feste voller Magie, und das fasziniert mich ebenso wie handwerklich gebrautes Bier."

Getreu dem Motto: "Liquida non frangunt ieunum – Flüssiges bricht das Fasten nicht" war das meist aus Hafer hergestellte, mit oder ohne Honig versetzte Klosterbier bereits im Mittelalter zur Fastenzeit erlaubt. Das einst dünne Gebräu mag vielleicht auch der Grund dafür gewesen sein, warum sich Mönche intensiv dem Bierbrauen widmeten und auch Hildegard von Bingen (1098-1179) das Biertrinken empfiehlt, da es "die Regeneration der Seelenkräfte fördert". Ein magisches Gebräu also, das nun in neuer Vielfalt in der einstigen Klosterstadt gefertigt wird.

Das Etikett ist nach Raezers Vorgaben in den USA entstanden. "Viele Leute trinken gerne Bier, wissen aber gar nicht, welche Vielfalt überhaupt möglich ist", sagt der in Philadelphia geborene Amerikaner, der seit 2018 mit seiner Frau in Ettlingen lebt. Carolin Raezer-König stammt allerdings aus Bad Herrenalb und hat bei ihrem USA-Aufenthalt nicht nur ihren Mann, sondern auch amerikanische Brauereiszene kennengelernt.

"Abseits des Mainstreams"

"In den USA brauen viele kleine Brauereien frisches Bier mit lokalen Zutaten und unterschiedlichen Malz- und Hopfenkombinationen, so dass jedes Bier ein neues Geschmackserlebnis bietet", erklärt die junge Unternehmerin.

"Nach der Hochzeit haben wir in Ettlingen ganz privat für uns Bier gebraut. Das hat dann unseren Freunden geschmeckt und so sind wir auf die Idee gekommen, eine kleine Brauerei für Tastings und Veranstaltungen zu eröffnen." Durch Corona wurden diese Ziele zwar zunichte gemacht, aber da sie ihr Hobby ausbauen wollten, wurde in Bad Herrenalb investiert. "Wir mussten unser Konzept verändern und bieten jetzt frisch gebrautes Bier in Flaschen zum Verkauf." Auf rund 16 Quadratmetern entstehen die verschiedenen Sorten von John Raezer, der seit Jahresbeginn bereits mehrmals 1000 Flaschen seines Gerstensaftes abgefüllt hat.

Für sein Hobby hat er 2020 ein Kleingewerbe angemeldet und braut mittlerweile zwei Mal im Monat. Als Quereinsteiger braucht es für seine kleinen Mengen an gebrautem Bier keine extra Ausbildung, um "abseits des Mainstreams" durch außergewöhnliche Hopfensorten oder spezielle Gärverfahren neue Geschmacksrichtungen für sein Craftbier zu kreieren.

Viele Einheimische sind schon begeistert

"Es kommen viele begeisterte Herrenalber, die sich freuen, dass es hier wieder eine Brauerei gibt", so Raezer-König, die das Sortiment beschreibt: "Es gibt Pils und Dunkelbier, sowie ein India Pale Lager (IPL)." Letzteres ist als moderne Interpretation eines untergärigen Lagerbiers zu verstehen, bei dem der Brauer sein Können unter Beweis stellen kann, weil es geschmacklich eine große Bandbreite ermöglicht.

Raezer verwendet dazu ausgefallene Hopfensorten, wie zum Beispiel die nach Schauspielerin Marilyn Monroe benannte Sorte, die im Geschmack einen süßen Hauch von Himbeeren und Kirschen bietet, oder der aus den USA stammende Chinook Hopfen, der in einer ausgewogenen Zitruswolke einen Hauch von Pfirsich-Aromen verspricht. Für das kommende Wochenende werden wieder drei Sorten zum Verkauf angeboten.

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