Die öffentlichen Proteste gegen Rechtsextremismus scheinen ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Vergessen sind sie nicht. Auch in der Hesse-Stadt ist nun ein neues Aktionsbündnis entstanden: Calw bleibt bunt. Und einige Aktionen sind bereits geplant.
„Nachdem das Recherchenetzwerk ‚Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH‘ aufgedeckt hat, dass rechtsradikale Kreise Millionen Menschen systematisch aus Deutschland vertreiben wollen, ist vielen klar geworden: Rechtsextremistische und menschenfeindliche Bestrebungen sind eine reale, ernstzunehmende Gefahr für unser Land, für unsere Demokratie, für die innere Sicherheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
So steht es in der „Calwer Erklärung für Vielfalt, Demokratie und Menschenrechte“ des neuen Aktionsbündnisses „Calw bleibt bunt“ zu lesen.
Bisherige Aktionen Hinter der Vereinigung stehen nicht zuletzt zwei bekannte Gesichter: Thomas Allmendinger und Martina Bühler.
Bühler, die viele Menschen auch als Geschäftsführerin des Kreisverbands des Kinderschutzbundes kennen, hatte im Januar die wohl erste, ganz spontane Mahnwache gegen Rechtsextremismus im Kreis Calw abgehalten.
Veranstalter sprachen von 2000 Teilnehmern oder mehr
Zusammen mit mehr als 40 anderen Teilnehmern stand sie damals mit Schildern vor einem Lokal, in dem der AfD-Kreisverband Calw/Freudenstadt eine Veranstaltung abhielt.
Allmendinger initiierte wenig später, Ende Januar, mit etwas mehr Vorlauf ebenfalls eine Mahnwache, diesmal auf dem Calwer Marktplatz – mit überwältigender Resonanz: Die Polizei sprach von rund 1700 Teilnehmern, die Veranstalter sogar von 2000 oder mehr.
Konkretere Pläne
Im Nachgang dieser großen Aktion hatte Allmendinger gegenüber unserer Redaktion bereits angekündigt, das weitere folgen sollen. Inzwischen sind die Pläne konkreter geworden.
Der Hintergrund des Bündnisses Bereits parallel zur Mahnwache sei die Idee zu einem Aktionsbündnis gewachsen, das sich schließlich auch gründete, berichten Bühler und Allmendinger im Gespräch – bestehend aus Menschen, die nicht gegen, sondern für etwas sein wollen: für Demokratie und Menschenrechte etwa. „Das ist der Grundgedanke“, sagt Bühler.
„Wir sehen das einfach als notwendig an angesichts der schon länger andauernden gesellschaftlichen Entwicklung“, bekräftigt Bühler. Auch mit Blick auf die in diesem Jahr anstehenden Wahlen. „Wir sind in einer gefährlichen Umbruchsituation.“ Und: „Wir Calwer können dazu nicht schweigen!“
„Die Leute zu Wachsamkeit aufrufen“
Explizit, das unterstreichen die beiden Sprecher des Bündnisses, sei ihr Bestreben nicht gegen eine spezielle Partei, sondern gegen Rechtsextremismus in allen Formen gerichtet. Es gehe darum, „die Leute zu Wachsamkeit aufzurufen, die Leute zum Nachdenken zu bringen“, fügt Allmendinger hinzu.
Die „Calwer Erklärung“ Drei Aktionen seien derzeit geplant, die erste davon ist dieser Tage bereits angelaufen: Seit Dienstag steht die „Calwer Erklärung“ im Internet, auf der Petitions-Seite „change.org“.
Eigentlich handele es sich dabei aber nicht um eine Petition im klassischen Sinn, bei der Unterschriften gesammelt und die schließlich jemandem übergeben werde. Vielmehr wollen die Initiatoren damit zeigen, wie viele Menschen hinter den getroffenen Aussagen stehen. Insofern freuen sich Allmendinger und Bühler also natürlich trotzdem über Unterschriften.
Alle sind eingeladen
Laut Erklärung trete das Bündnis „den menschenverachtenden Plänen rechtsextremistischer Strömungen entgegen“, bekenne sich zu Menschenwürde, Demokratie, Rechts- und Sozialstaatsprinzip, stehe „an der Seite aller Menschen, die von Hass, Hetze und Gewalt bedroht sind“.
Organisationen, Verbände, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Vereine und Parteien sowie Einzelpersonen seien eingeladen, mitzumachen.
Auch am Stammtisch dagegenhalten
Und: „Im Alltag – am Arbeitsplatz, im Sportverein, am Stammtisch, beim Elternabend oder in der Nachbarschaft – stellen wir uns Diskussionen und Auseinandersetzungen und treten Hass und Hetze überall dort entgegen, wo sie uns begegnen.“
Zwei weitere Aktionen Am Sonntag, 21. April, plant das Bündnis einen Rundgang durch Calw mit verschiedenen Stationen, an denen jeweils an verschiedene Gräuel der Nazi-Zeit erinnert werden soll.
Das einzige bekannte Auschwitz-Opfer aus Calw
Etwa an die Lufag-Zwangsarbeiter, die auf dem heutigen Bauknecht-Gelände arbeiten mussten. An den NS-Widerstandskämpfer Hans Ballmann. An die Jüdin Rosa Kreuzberger, den einzigen bekannten Menschen aus Calw, der in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurde. Und an Erna Brehm, die wegen eines Verhältnisses mit einem polnischen Zwangsarbeiter in Haft kam.
Sternwanderung zu einer Kundgebung
Am Sonntag, 5. Mai, ist darüber hinaus – als dritte Aktion – eine Sternwanderung aus verschiedenen Ortsteilen zum Unteren Ledereck in der Kernstadt in Planung. Dort soll es einen Auftakt mit einem anschließenden Demonstrationszug zum Marktplatz geben, wo verschiedene Sprecher eine Abschluss-Kundgebung gestalten.
Die „Calwer Erklärung“ ist im Internet unter www.change.org/p/calw-bleibt-bunt zu finden.
Nächstes Treffen
Das nächste Treffen des Aktionsbündnisses findet am Montag, 8. April, ab 19 Uhr in der Kultur-Apotheke Calw (Marktplatz 22) statt. Eingeladen ist jeder, der gerne dabei mithelfen möchte, neue Aktivitäten zu organisieren.
Sprecher des Bündnisses sind Thomas Allmendinger und Martina Bühler, die Mailadresse lautet calwbleibtbunt@online.de.