Die Bürger informierten sich bei der Veranstaltung zur möglichen Realisierung eines gemeinsamen Hallenbads für VS. Foto: Marc Eich/Marc Eich

Der Bürgerentscheid zur Entscheidung eines gemeinsamen Hallenbads in Villingen-Schwenningen wirft seine Schatten voraus. In einer ersten Bürgerinfo gaben die Verantwortlichen einen Einblick in die Auswirkungen für die Bäderlandschaft der Doppelstadt.

Rund 70 Bürger nahmen am Mittwochabend das Angebot im Haus der Wirtschaft der IHK wahr, sich umfassend zum Bürgerentscheid zu informieren und sich auszutauschen. Die Interessierten erhielten dabei die Antworten auf die vorerst wichtigsten Fragen und einen Einblick in die derzeitige Situation in der Bäderlandschaft von VS. Unterdessen machte Oberbürgermeister Jürgen Roth deutlich, dass er sich ein solches „großes Bad für eine große Stadt“ wünsche.

 

Warum kommt es überhaupt zum Bürgerentscheid? Die beiden Hallenbäder sind sanierungsbedürftig. Gregor Gülpen, Geschäftsführer der BVS machte deutlich, dass das Villinger Bad (Baujahr 1965) voraussichtlich in zehn Jahren „dicht“ gemacht werden müsste, beim Neckarbad (Baujahr 2003) würden in den kommenden Jahren erste Sanierungsmaßnahmen anstehen. Der Gemeinderat hatte sich in der Folge dafür ausgesprochen, dass die Bürger entscheiden sollen, ob sie ein gemeinsames Hallenbad möchten und die Gewichtung, schätzungsweise 50 Millionen Euro hierfür auszugeben, im Sinne der VSler ist.

Wie läuft der Bürgerentscheid ab? Am 9. Juni, zeitgleich zur Kommunal- und Europawahl, dürfen rund 66 500 VS-Bürger darüber entscheiden, ob die Doppelstadt ein gemeinsames Bad am Klosterhof erhält. Entscheidend ist dabei das Quorum: Erst wenn 20 Prozent der Stimmberechtigten sich mehrheitlich für oder gegen das Bad entschieden haben, ist das Ergebnis bindend. Sollte das Quorum nicht erreicht werden, muss der Gemeinderat über die Angelegenheit entscheiden.

Was passiert, wenn für das neue Bad entschieden wird? Sollte sich die Mehrheit für einen Neubau eines gemeinsamen Bads am Klosterhof entscheiden, hätte dies das Ende der Stadtteilbäder – also des Hallenbads Villingen und des Neckarbads – zur Folge. Im Nachgang müsste der Gemeinderat entscheiden, welche Variante letztlich umgesetzt wird. Während der Bauzeit bleiben die Stadtteilbäder erhalten, für Schwimmer gibt es keine Vakanz.

Wie könnte ein gemeinsames Hallenbad aussehen? Derzeit stehen drei Varianten im Raum. Die groben Schätzungen belaufen sich dabei auf Kosten zwischen 57 und 42 Millionen Euro. Das Ziel ist es dabei, zukünftig eine deutlich größere Wasserfläche zur Verfügung zu stellen. Damit soll der Schul-, Leistung- und Freizeitsport im Parallelbetrieb ermöglicht werden.

Geplantes Schwimmsportzentrum

Deshalb soll das neue Bad grundsätzlich als Schwimmsportzentrum deklariert werden, so dass hier auch Landesmeisterschaften absolviert werden können. Zudem sind der Ausbau des Wellnessangebots (Gülpen: „Mit einer Sauna lässt sich Geld verdienen“) und durchgehende Öffnungszeiten über das ganze Jahr geplant. Erwartet werden bis zu 300 000 Badegäste pro Jahr und damit 50 000 mehr als derzeit. Roth sieht das gemeinsame Bad in die Zukunft geblickt als „kosteneffizienter“ und bestenfalls CO₂-neutral an.

Was ist, wenn die Bürger ein gemeinsames Bad ablehnen? In diesem Fall werden die beiden Stadtteilbäder weiterbetrieben, der Gemeinderat muss dann entscheiden, wie vorgegangen wird. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: Das Villinger Hallenbad wird am Hubenloch für bis zu 25 Millionen Euro neu gebaut, entweder an der gleichen Stelle oder in der näheren Umgebung. Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit einer drei Jahre andauernden Komplettsanierung (rund 22,5 Millionen Euro).

Wie war die Resonanz der Interessierten bei der Veranstaltung? Die Bürger trieben die Kosten um (Roth:„Zur Zeit kriegen wir es finanziert“), großes Thema war darüber hinaus insbesondere die Erreichbarkeit für Schüler. Berechnungen zeigen, dass die Schüler von bislang durchschnittlich 2,2 Kilometer zum nächstgelegenen Bad zukünftig vier Kilometer zum Zentralbad zurücklegen müssten.

Eltern brachten in der Fragerunde hierbei aber den Einwand, dass beispielsweise Schüler der Südstadtschule das Hallenbad fußläufig erreichen, es dort aber keine Kapazitäten für Schwimmunterricht gebe. Für die Vereine und den Schulsport gebe es derzeit insgesamt zu wenig Wasserfläche. Roth erklärte, dass es eine Ringzuganbindung wie im Neckarbad zwar nicht geben wird, den ÖPNV könne man aber verstärken. Ohnehin würde 74 Prozent der Nutzer laut einer Befragung mit dem Auto zum Bad fahren.

Wann kann man sich noch mal über das Thema informieren? Am Dienstag, 30. April, stehen die Fachleute in der Schwenninger Neckarhalle Rede und Antwort und am Donnerstag, 2. Mai, in der Neuen Tonhalle in Villingen.