Die Horber Straße ist die Hauptstraße von Empfingen. Hier wurde ein Wohnhaus von LKA- und BKA-Beamten bei der Reichsbürger-Razzia am Dienstag durchsucht. Foto: Jürgen Lück

Betroffene: „Glauben Sie nicht dem Gemunkel. Lassen sie uns einfach weiter schaffen!“ Das BKA kam morgens in der Frühe. Hat Ralf S. aus Horb den Empfinger für den angeblich geplanten Umsturz geworben?

Steckt auch ein Empfinger im Sumpf des rechten Terrornetzwerks?

 

Am Dienstag früh rollten jede Menge LKA- und BKA-Beamte in der Hauptstraße von Empfingen vor. Den halben Vormittag durchsuchten sie ein Wohnhaus – Reichsbürger-Verdacht! Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft: „In allen fünf Fällen geht es um den Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“.

Von den Bewohnern – zwei selbstständig. Eine Nachbarin: „Ich habe mich schon gewundert, warum vor dem Haus morgens um 7 Uhr so viele Autos quer geparkt haben!“

Im Visier der Fahnder

Doch wer war im Visier der Fahnder? Offenbar ein Mann. In Empfingen wird zwar gemunkelt, dass er etwas mit „Verschwörungstheorien“ zu tun haben soll, aber groß aufgefallen sei er nicht. Der Mann soll sich Anfang 2020 auch in der Initiative „Verkehr raus aus Empfingen“ für die Ortsumfahrung mit Bannern – auch entlang der Hauptstraße – stark gemacht haben.

Klingeln an der Haustür. Ein Angehöriger macht auf. Will nichts zur Durchsuchung sagen. Er sagt nur: „Glauben Sie nicht dem Gemunkel. Lassen sie uns einfach weiter schaffen!“

Fuhr er zu „Umsturz-Treffen“?

Was hat der Umsturz-Verdächtige mit den Reichsbürgern zu tun? War er auf den Corona-Demos auch in Horb? Eine Recherche unter den Spaziergängern in Horb ergibt: „Der Name sagt mir nichts. Vielleicht kenne ich den vom sehen her.“ Fakt ist: Unter diesen Spaziergängern waren kurz vor Weihnachten auch drei inzwischen verhaftete Horber Reichsbürger: Ralf S., Matthias H. und Steffen W.

Nicht ausgeschlossen, dass Andreas W. zu den „Umsturz-Treffen“ ins benachbarte Horb oder Eutingen gefahren ist, bei denen Ralf S. und Rüdiger von P. neue Mitglieder für die „Heimatschutzkompanie“ gesucht hatten. Laut Generalbundesanwalt sollen die drei Verhafteten den Plan gehabt haben, die Horber Kaserne für ihren geplanten Umsturz zu benutzen.

Hat Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner jetzt Angst? Fakt ist: Bei den Umstürzlern soll es auch Listen mit Politikern gegeben haben. Truffner: „Heutzutage erschreckt mich nichts mehr.“

Waffenrechtliche Besitzerlaubnis

Insgesamt wurden bei der neuen Reichsbürger-Razzia am Dienstag fünf verschiedene Wohnungen durchsucht. Unter anderem in Empfingen. Der Spiegel schreibt: „Einer der Beschuldigten soll über eine waffenrechtliche Besitzerlaubnis verfügen. Mehrere der fünf Verdächtigen sollen nach Spiegel-Informationen sogenannte Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnet haben.“

Gruppe droht mit »Todesstrafe«

Der Inhalt, so haben frühere Ermittlungen ergeben, laut Spiegel: „Gegen Mitglieder, die gegen die »Geheimhaltungspflicht« innerhalb der Gruppe verstießen, sollte demnach die »Todesstrafe« verhängt werden.

Diese würde »durch den PR ausgesprochen und durch ein Militärgericht abgeurteilt und vollzogen«, heißt es in einem Schriftstück. Mit PR ist wohl „Patriotischer Rat“ gemeint.

Laut den Ermittlungen soll Prinz Heinrich XIII. als künftiges „Staatsoberhaupt“ geplant haben, mit dem militärischen Arm – für den auch der Horber Ralf S. laut Anklage tätig war – den Reichstag zu stürmen und die Bundesregierung festzusetzen. Zu seinem Rat gehörte laut Anklage des Generalbundesanwalts auch die AfD-Politikerin Birgit Malsack-Winkemann.