In Zukunft könnte es Wölfen so ergehen wie 1948 dem "Würger vom Lichtenmoor", der als Jagdtrophäe in einem Museum landete. Foto: Dittrich

Entwurf der Bundesregierung sieht "Entnahme" bei "ernsten" landwirtschaftlichen Schäden vor.

Berlin/Freiburg/Beuron - Ein Referentenentwurf aus dem Umweltministerium sieht vor, dass es künftig einfacher wird, nach Wolfsrissen die Raubtiere zu töten. Eine internationale Studie rät indes von einer Wolfs-Bejagung ab.

Wenn Wölfe Schafe oder andere Nutztiere reißen, soll der Abschuss der Raubtiere einfacher werden. Einem Entwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zufolge könnten einzelne Wölfe eines Rudels künftig auch dann getötet werden können, wenn nicht klar ist, welcher Wolf genau zugebissen hat – und zwar "bis zum Ausbleiben von Schäden". Voraussetzung ist aber, dass Wölfe vor Ort schon Nutztiere gerissen haben und dann schnell gehandelt wird. Die geschützten Tiere vorsorglich abzuschießen, bliebe damit verboten.

Den Referentenentwurf leitete das Bundesumweltministerium am Montag an die Fachverbände zur Stellungnahme weiter – das ist ein wichtiger Schritt im Gesetzgebungsverfahren. Zwischen Umwelt- und Agrarministerium hatte es monatelang Streit gegeben um die Frage, unter welchen Bedingungen Wölfe geschossen werden können. "Ich bin froh, dass sich das Bundesumweltministerium nun doch bewegt hat", meinte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

Der Entwurf sieht vor, das Füttern und Anlocken von Wölfen zu verbieten, damit sie sich nicht an Menschen gewöhnen. Mischlinge zwischen Wolf und Hund in der freien Natur sollen "entnommen" werden, wie es im Amtsdeutsch heißt. Der Abschuss von Wölfen soll künftig erlaubt werden können, wenn sie "ernsten" landwirtschaftlichen Schaden anrichten. Bisher ist im Naturschutzgesetz von "erheblichen" Schäden die Rede, was "existenzbedrohend" meint. Diese Änderung würde auch Hobbyschäfern ermöglichen, eine Entschädigung zu erhalten.

Kritik von vielen Seiten

Am Montag hagelte es von vielen Seiten Kritik. "Die Richtung stimmt, aber für eine Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung reicht das noch nicht", sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken. In Regionen mit ausgeprägter Weidetierhaltung solle sich der Wolf gar nicht erst ansiedeln.

Der Jagdverband nannte den Vorschlag einen "kleinen Schritt", es brauche aber ein umfassendes Konzept. Unter anderem fordern die Jäger, grundsätzlich zuständig zu sein, wenn es um den Abschuss geht. Im Entwurf steht, die Behörden sollten sie "nach Möglichkeit" berücksichtigen.

Am Montagmorgen hatte das Bündnis "Forum Natur", zu dem Bauern- und Jagdverband gehören, ein eigenes Konzept vorgestellt. Es sieht unter anderem vor, dass ein "Akzeptanzbestand" definiert wird­ –­ wird diese Zahl überschritten, soll es eine "Schutzjagd" geben können.

Der Naturschutzbund Nabu sieht "keinen Gewinn für die Koexistenz für Mensch, Weidetier und Wolf", wie Wolfsschützerin Marie Neuwald sagte. Die Pläne schafften keine Rechtssicherheit. Ministerien und Kanzleramt hätten lieber an der Verbesserung des Schutzes der Nutztiere gearbeitet, Bejagung sei "kein effektiver Herdenschutz".

Nutztiere schützen und Nutztierhalter entschädigen: Das sind indes aus Sicht eines internationalen Forscherteams um den Freiburger Naturschutzbiologen Marco Heurich und seinem in Polen forschenden Kollegen Dries Kuijper die effektivsten Mittel im Umgang mit dem Wolf in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Eine Kontrolle der Population durch Bejagung führe oft zu noch größeren Problemen.

Wolf im Raum Beuron

Bei einem Mitte Mai bei Beuron (Kreis Sigmaringen) fotografierten Tier handelt es sich um einen Wolf. Das teilte das Umweltministerium am Montag in Stuttgart mit. Fachleute von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA) haben das Bild als eindeutigen Nachweis für einen Wolf beurteilt. Die Aufnahme war durch eine Fotofalle entstanden. Woher das Tier stammt und wo es sich derzeit aufhält, war zunächst unklar. Der Kreis Sigmaringen liegt außerhalb der Förderkulisse Wolfsprävention im Nordschwarzwald, wo seit eineinhalb Jahren Wolfsnachweise bekannt sind.

  
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