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Bad Wildbad Der Wolf - gekommen um zu bleiben

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Schäfer Gernot Fröschle mit seiner Frau Karen. Im Hintergrund kümmert sich Tochter Christine um die Schafe, die überlebt haben – sie werden jetzt mit einem Elektrozaun vor dem Wolf geschützt. Foto: factum/Granville

Calw/Bad Wildbad - Seit Jahren beobachten Mitarbeiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg im Rahmen eines offiziellem Wolfs-Monitoring die Entwicklung der Population bei diesem sogenannten "Großen Beutegreifer". Bisher waren es ausschließlich "wandernde Wölfe", die auf der Suche nach einem eigenen Revier auch Baden-Württemberg passierten.

Und hier in der Regel den Tod fanden: so 2015 die beiden Wölfe, die auf der A5 und A8 überfahren wurden. Im vergangenen Jahr dann der Wolf, der erschossen im Schluchsee im Südschwarzwald gefunden wurde. Was jetzt im Nordschwarzwald passiert, habe aber "das Thema Wolf auf ein völlig neues Level gehoben", erklärt Johannes Erretkamps, Wildtierökologe des FVA, während einer Info-Veranstaltung seines Teams in Calw. Erretkamps und seine Kollegen kamen da direkt von einem ersten Treffen der sogenannten "Aktionsgruppe Wolf", die die Landesregierung als Reaktion unter anderem auf die Geschehnisse in Bad Wildbad ins Leben gerufen hatte.

"GW852m" stammt aus einem niedersächsischen Rudel. Ein Bruder des Schluchseer Exemplars?

Der "begründete Verdacht" der Wolf-Experten vom FVA: bei dem Bad Wildbader Wolf handelt es sich "mit sehr großer Wahrscheinlichkeit" um das Tier mit der Kennung "GW852m", das gemäß damaliger Gen-Analysen bereits zwischen Ende November und Mitte Dezember 2017 für drei Rotwild-Risse in Simmersfeld (Kreis Calw), Seewald und Bad Rippoldsau-Schapbach (beide Kreis Freudenstadt) verantwortlich gemacht werden konnte. Bei diesem Tier handele es sich um einen bekannten Jährlings-Rüden aus einem niedersächsischen Rudel, das in der Nähe der Stadt Schneverdingen beheimatet sei. Aus dem gleichen Rudel stammte auch jener Wolf, der vergangenes Jahr erschossen im Schluchsee gefunden worden war. "Die beiden Tiere sind Brüder", behauptet Erretkamps.

Sollte sich der Verdacht der FVA-Forscher bestätigen, müsste der Bad Wildbader Wolf spätestens Ende diesen Monats als "territorialer Wolf" eingestuft werden. Das heißt, er würde als Wolf mit einem ortsfesten Revier behandelt, wovon die Forscher ausgehen, wenn sich von einem Wolf über mindestens sechs Monate in einem klar umgrenzten Bereich bestätigte Nachweise sammeln lassen. Das wäre dann im Nordschwarzwald erstmals für Baden-Württemberg der Fall. Und hätte zahlreiche Konsequenzen – für Tierhalter, aber auch für staatliche Stellen.

Auf der einen Seite können Tierhalter sich bei einem territorialen Wolf in ihrem Einzugsgebiet die Schutzmaßnahmen ihrer Tiere zu 90 Prozent aus öffentlichen Kassen fördern lassen. Allerdings müsse jetzt, nachdem Wölfe in Baden-Württemberg bisher "nur beobachtet" wurden (das Wolfs-Monitoring), so schnell wie möglich auch ein übergeordnetes "Wolfs-Management" einsetzen, wie es bereits in der Schweiz oder auch in anderen deutschen Bundesländern mit ortsfesten Wolfs-Populationen existiere. Dort kümmerten sich bereits Landwirtschafts- und Forstexperten (Schweiz) oder Veterinäre (Beispiel Niedersachsen) im Auftrag der Landesregierungen um die Unterstützung der betroffenen Tierhalter beim Aufbau der notwendigen Schutzmaßnahmen.

"Da ist politisch jetzt richtig Druck drin", meint Erretkamps über seine Eindrücke vom ersten Treffen der "Aktionsgruppe Wolf". Zuständig für das Thema Wolf ist in Baden-Württemberg das Umweltministerium in Koordination mit dem Landwirtschaftsministerium und den betroffenen Verbänden.

Schäfer Fröschle fordert Personal vom nahen Nationalpark für nötige Schutzmaßnahmen

Wobei die Situation im Nordschwarzwald nun der Präzedenzfall für ganz Baden-Württemberg sei. Der Lebensraum dort sei wegen der großen Waldflächen und geringen Bevölkerungsdichte für den Wolf geradezu ideal. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf diesen Lebensraum für sich entdeckt."

Im Oberen Enztal formiert sich derweil massiver Widerstand gegen die Aussicht, künftig dauerhaft den Wolf in der Nachbarschaft zu haben. Nicht nur Nachbarn und Kollegen des von dem Wolfsriss vergangene Woche betroffenen Betriebes machten bei der Veranstaltung in Calw und dann auch am Samstag bei einem Ortstermin auf dem betroffenen Hof selbst ihrem Unmut lautstark Luft, auch offizielle Vertreter wie die Bürgermeister der angrenzenden Kommunen oder der CDU-Landtagsabgeordnete für den Kreis Calw, Thomas Blenke, sprachen sich für eine "Entnahme" des offensichtlichen Problem-Wolfs aus; im Klartext: den Abschuss des Tieres. Ein "so großes Raubtier" habe in der Kulturlandschaft des Schwarzwalds nichts zu suchen.

Der betroffene Landwirt und Schafzüchter selbst, Gernot Fröschle, schlägt indes mittlerweile moderatere Töne an. Er fordert in Richtung der Landesregierung, kurzfristig Personal vom nahen Nationalpark für die nun notwendigen Schutzmaßnahmen bei den Tierzüchtern der Region abzustellen, um so möglichst schnell zu einem funktionierenden Schutz nicht nur seiner Weidetiere zu kommen. Denn diese würden "lebend" für den Schutz der offenen Kulturlandschaften im Nordschwarzwald gebraucht, "da nützen uns Entschädigungszahlungen für tote Tiere nichts." Da alle Seiten ihm die vergangenen Tage immer wieder "schnelle Hilfe" zugesagt hätten, sei das ein Weg, auf dem die Politik ihren vielen hastigen Versprechen nun auch echte, praktikable Taten folgen lassen könnte. Denn: "Der Wolf ist da. Jetzt!"

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 20077

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