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Albstadt Mit dem Niveau soll die Lage besser werden

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Friedrich Rau sprach als Hufeisen-Bewohner, Architekt und Stadtrat Tacheles. Foto: Schwarzwälder Bote

Sachlich, kreativ und ohne echte Kontroversen haben Gewerbetreibende aus Ebingen beim Workshop im Rathaus über die Entwicklung des Hufeisens und – damit liiert – der Ebinger Innenstadt diskutiert. Über das Ziel sind sich alle einig.

Albstadt-Ebingen. Das Ziel ist klar, und über den Weg dorthin schien die Uneinigkeit diesmal bei weitem kleiner zu sein als bei früheren Diskussionen: Zum Workshop über die Entwicklung des "Hufeisen"-Quartiers, die Auswirkungen auf die Fußgängerzone und die gesamte Ebinger Innenstadt hat, hatte die Stadt die Einzelhändler, Gastronomen, Ärzte und Apotheker am Samstag ins Rathaus eingeladen, wo Matthias Schuster vom Stuttgarter Architektur- und Stadtplanungsbüro "Lehen drei" eine konstruktive und kreative Diskussion moderierte.

"Der Einzelhandel ist uns sehr wichtig", stellte Baubürgermeister Udo Hollauer eingangs klar, "und es wäre vielen geholfen, wenn unsere Bundesregierung endlich eine Internetsteuer hinkriegen würde." Denn der Online-Handel macht den Einzelhändlern zu schaffen. "Hätten wir zehn bis 20 Prozent mehr Kunden, hätten wir keine Probleme", sagte eine Händlerin, "von den Innenstadtkunden kann ein Geschäft nicht überleben", eine andere, und ein Apotheker ergänzte: "Ohne Parkplätze sind die Ärzte und Apotheken irgendwann weg." Sein Sohn habe eine Balinger Apotheke übernommen statt der des Vaters.

Der Blick an diesem Nachmittag fiel immer mal wieder nach Balingen, wo die Mitarbeiter der Geschäfte in Parkhäusern kostenlos parken dürften und 90 Minuten Parkzeit vor seiner Filiale frei seien, berichtete ein Händler. 60 bis 120 Minuten gebührenfrei parken – das ist zwar auch in Ebingen möglich, doch die verbliebenen Parkhäuser sind vielen Kunden zu weit weg (Bahnhof) oder schlecht erreichbar (Bürgerturm).

Im Kampf um die Parkplätze werden die Akteure mehr

Im "Hufeisen" selbst kämpften Kunden mit Anwohnern und einer wachsenden Zahl von Dauerparkern – Arbeitnehmer und Geschäftsleute – um die Parkplätze. Auf dem fünf Hektar großen Areal leben 625 Menschen und 100 Gewerbetreibende. "Meine Kunden wollen maximal 300 Meter laufen", weiß eine Händlerin nach einer Umfrage. Eine andere Teilnehmerin konterte: "Und dann gehen sie aber ins Fitness-Studio. Jeder weiß doch, wie gesund Bewegung ist." Dass Spontankäufe nur dann möglich seien, wenn Kunden zu Fuß an einem Geschäft vorbeikämen, war ein weiteres Argument, und dass der Verkehr die Aufenthaltsqualität im Hufeisen störe, war schon beim ersten Workshop mit Anwohnern deutlich geworden. Die Idee, Kunden in den Läden zu fragen, ob sie gezielt oder im Vorbeigehen dort einkauften, hält Matthias Schuster für einen praktikablen ersten Schritt.

Dann gibt es da ja noch die Anwohner, die bekanntlich die fleißigsten Kunden eines Geschäftes sind – im ältesten Ebinger Wohnviertel freilich nicht notwendigerweise, was vor allem mit der Bevölkerungsstruktur zusammenhängen dürfte und diese wiederum mit der Qualität der Wohnungen. Dass ein Vorkaufsrecht für die Stadt der Schlüssel zur Lösung dieses Problems sein könnte, betonte Friedrich Rau, im Brotberuf Architekt, der sich zusammen mit Metzgermeisterin Daniela Steinhart-Schwab, seiner Gemeinderatskollegin, dafür einsetzen will. "In 120 Kleinstwohnungen lebt nicht die Käuferstruktur, die man erwarten würde", sagte Rau mit Blick auf den Großbau in der Wilhelm-Dodel-Gasse. Das sei das Ergebnis einer verfehlten früheren Baupolitik.

Rau wollte damit auch deutlich machen, dass der Einzelhandel seine Probleme nicht auf die Parksituation schieben dürfe: "Das Blech rauszuhalten aus dem Hufeisen" sei ein wichtiger Schritt, noch wichtiger aber sei es, Kommunikation herzustellen mit jenem Teil der "gespaltenen Gesellschaft in der Innenstadt, die gar nicht an unseren Diskussionen hier teilnimmt". Wenn es gelinge, ein anderes Niveau im Hufeisen herzustellen, gebe es auch mehr soziale Kontrolle, sagte er mit Blick auf manche Probleme, die das Viertel abwerteten. "Das entlastet dann auch die Polizei."

"Fordern Sie das Parkhaus, das die Stadt versprochen hat"

An die Händler appellierte Rau: "Fordern Sie das Parkhaus, das die Stadt versprochen hat" – immerhin seien zwei, am Hallenbad und in der Stellestraße, ersatzlos abgerissen worden.

Interessant war das Ergebnis der Abstimmung über die Verlegung des Wochenmarktes aus dem Spitalhof in die Marktstraße, die Frequenz dorthin bringen könnte: Eine sichtbare Mehrheit war dafür – nicht nur deshalb, weil dadurch samstags Kundenparkplätze im Spitalhof frei würden.

In punkto Wohnen ist künftig viel mehr Qualität gefragt

Die Liste der Ergebnisse, die Matthias Schusters Kollegin während der Diskussion aufgelistet hatte, war am Ende lang. Die Disputanten erwarten eine aktivere Rolle der Stadt, qualitätsvolle Sanierung der Häuser und ein besseres und generationenübergreifendes Wohnangebot im Hufeisen, eine Stärkung des Gewerbestandorts, ein Mobilitätskonzept, in dem der ÖPNV attraktiver und die Fahrradwege besser werden, mehr Grün – auch im Rest der Innenstadt, um deren Aufheizung im Sommer zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität zu steigern –, sowie Parkplätze für Pendler, die derzeit im Hufeisen stündlich die Parkscheibe nachdrehten.

Eine optische Aufwertung der Bestandsgebäude, mehr Sauberkeit und ein besserer, einheitlicher Bodenbelag waren weitere Punkte. Dass in fußläufiger Entfernung um das Hufeisen herum genug Parkraum zur Verfügung gestellt werden müsse, war ebenso Konsens wie die Forderung nach besserer und gerechterer Parkraumüberwachung: Ein Spitalhof-Anwohner berichtete von Parkscheiben, die schon um 7.45 Uhr auf 10 Uhr gestellt würden, ohne dass es Knöllchen zur Folge habe, sowie von Bereichen, die grundsätzlich nicht kontrolliert würden.

Penck: "So effektiv und konstruktiv – das habe ich bisher nicht erlebt"

Nach zwei Stunden gingen wohl alle mit dem Gefühl, einen großen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben, und Gerhard Penck, Leiter des Stadtbplanungsamtes, der mit seinem Kollegen Axel Mayer und Ordnungsamtsleiterin Michaela Maier die Diskussion verfolgt hatte, geriet förmlich ins Schwärmen: "Seit zig Jahren habe ich Erfahrung mit Bürgerbeteiligung, aber einen so effektiven und konstruktiven Workshop habe ich noch nie erlebt."

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