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Albstadt Ein "Teams-Meeting" auf dem Berg

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Pfingsttauben haben Christen auf Langenwand nach Schablonen von Pfarrer Christoph Fischer gesprüht. Foto: Schwarzwälder Bote

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Warum also nicht ein Geburtstagsfest feiern? Die evangelische Kirchengemeinde Tailfingen hat am Waldheim mit einem besonderen Gottesdienst auch viele junge Christen erreicht.

Albstadt-Tailfingen. "Wir dürfen nicht singen – aber wir dürfen feiern!" Damit gibt Pfarrer Johannes Hartmann das Motto für den Picknick-Gottesdienst am Geburtstag der Kirche, dem Pfingstsonntag, aus. Sein Kollege Christoph Fischer hat die Kamera scharfgestellt und überträgt das Fest live auf die Tablets all jener, die nicht kommen können, es sich aber zu Hause, vielleicht mit einem Stück Geburtstagskuchen, gemütlich gemacht haben.

Das Team der evangelischen Kirchengemeinde hat ebenfalls Kuchen mitgebracht – und Kerzen, die jeder selbst drauf stecken darf. Auf Picknickdecken packen rund 40 Geburtstagsgäste, coronabedingt in Haushaltsgruppen beisammen und ansonsten auf Abstand, Essen und Getränke aus. Mangels Glockengeläut zählen sie im Countdown herunter, und schon geht es los.

"Besser hätten wir es mit dem Wetter nicht treffen können", freut sich Hartmann und blickt in die Runde derer, die – je nach Vorliebe – im Schatten oder in der Sonne Platz genommen haben. Sie hören es "klappern": Holger und Elias Klapper haben eine Trommel und ein Cajon mitgebracht und geben den Takt vor, der Orgel und Gesang ersetzt. Schließlich seien Trommeln in Afrika, wo Hartmann auch schon gewirkt hat, nicht nur Musikinstrumente, sondern auch Boten, und die Botschaft, dass Jesus lebt, soll hinaus gehen in die Welt.

Trommeln sind wie Menschen: verschieden

Aus der Luther- und der Langenwand-Schule hat Hartmann weitere Trommeln besorgt, die so seien, wie die Menschen: verschieden. Klein und groß, rundlich und schmal. Manche klingen dunkler, andere, mit Schellen daran, hell. Sich als Rapper zu versuchen – Hartmann kann nicht widerstehen und verkündet in rhythmischer Sprache: "Komm, Heiliger Geist, mit Deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft."

In seinem Impuls vergleicht er das erste Pfingstfest vor – Pi mal Daumen – 2000 Jahren, genau wisse das keiner, mit dem Lockdown zur Coronavirus-Pandemie: Eben noch hätten alle gedacht, die Party könne weiter gehen, und dann sei scheinbar alles vorbei. 50 Tage nach Jesu Tod am Kreuz und der Auferstehung zu Ostern – "es war die allerletzte ›Facetime‹" – sei plötzlich von einem "Teams-Meeting" auf dem Berg die Rede und das nächste große Fest stehe im Kalender.

Dass es diesen Jahreslauf mit Fasten und Festen, mit Zeiten der Einkehr und des Beisammenseins, gebe, sei heute so wichtig wie damals, macht Hartmann klar. "Feste geben uns Orientierung und helfen, aus der Lethargie wieder herauszufinden."

Reisebeschränkungen? Habe es damals keine gegeben. Und so seien aus aller Herren Länder Menschen nach Jerusalem gekommen, hätten einen ganz neuen Rhythmus angeschlagen, bei dem jeder seinen eigenen Beat heraushören könne, das Zusammenspiel sich dennoch gut anhöre und Jesu Botschaft deutlich zu vernehmen sei.

Das Geburtstagsständchen dazu spielt Simon Beck auf der E-Gitarre, ehe alle mit Abstand nach vor kommen und sich ein Glas Saft und ein Stück Kuchen mitnehmen. Das Entzünden der Geburtstagskerzen freilich erschwert der Wind. Macht aber fast gar nichts: Die Gesichter strahlen dafür um so mehr, und so wollen viele nach dem Segen noch nicht nach Hause gehen, sondern gemeinsam noch ein bisschen Geburtstag feiern. Mit Abstand, ohne Gesang, aber frohen Mutes in der Gewissheit, dass schwere Zeiten auch wieder vorbei gehen.

So muss Kirche sein: nahe bei den Menschen. Wenn’s mit räumlicher Nähe derzeit nicht klappt, dann doch inhaltlich. Was die evangelische Kirchengemeinde Tailfingen seit Beginn der Coronavirus-Pandemie auf die Beine stellt, rockt: Die Ideen der Pfarrer, Kirchengemeinderatsmitglieder und Gruppenleiter sprudeln reicher als das Wasser aus dem Heilig Brünnele. Sie gehen ganz neue Wege mit Livestream-Gottesdiensten und vergessen dabei auch jene nicht, die sich auf ihre alten Tage nicht mehr mit dem Internet anfreunden wollen – die Telefongottesdienste sind ein Renner. Mitmach-Aktionen und -Ausstellungen, Hilfsdienste, digitale Musik-Angebote und Impulse für den Alltag tun ein Übriges. Wie sagte Pfarrer Christoph Fischer doch zu Beginn der Pandemie: "Wenn Kirche jetzt abtaucht, braucht sie danach auch nicht mehr aufzutauchen." In Tailfingen bleibt sie oben auf!

(sc). Eine weitere originelle Aktion hat Pfarrer Christoph Fischer von der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen ins Leben gerufen. Überall im Wohngebiet Langenwand, wo Fischer für den Bezirk Erlöserkirche zuständig ist, sind auf Gehwegen weiße Tauben aufgesprüht. Die Taube ist im Christentum das Symbol für den Heiligen Geist, der dem Neuen Testament zufolge zu Pfingsten an Jesu Nachfolger gesandt wurde. Darüber hinaus ist die Taube ein Zeichen für Hoffnung, Versöhnung und Frieden. Viele Tailfinger ließen sich zum Mitmachen einladen, holten bei der Erlöserkirche Schablonen und ein Spray ab, das sowohl wasserlöslich als auch unschädlich für die Umwelt ist. Auf Bitten der Stadt blieb die Aktion auf Langenwand beschränkt.

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