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Albstadt Anwohner protestiert gegen Wohnhaus-Netto-Projekt

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Kersten Zaar macht kein Hehl daraus, was er von den Plänen für einen Netto-Markt mitten in Onstmettingen hält. Es steht auf seinem Dach. Foto: Kistner

Albstadt-Onstmettingen - Auf dem einstigen Ammann-&-Drescher-Areal im Herzen Onstmettingens soll ein Wohnhaus mit integriertem Netto-Markt entstehen. Anwohner Kersten Zaar macht Front dagegen – ­und, ein Blick auf sein Dach genügt, kein Hehl daraus.

Was kann man gegen einen Einkaufsmarkt mit Parkplatz und drei bewohnten Obergeschossen einwenden? Ein ganze Menge, findet Kersten Zaar. Er hält es für einen grundlegenden Irrtum zu glauben, dass die sogenannte grüne Wiese – die im Regelfall nicht grün, sondern mit Parkplätzen zuasphaltiert ist – aufhören würde, grüne Wiese zu sein, wenn man sie nur in die Ortsmitte verpflanzt. Er findet außerdem, dass viergeschossige Wohnarchitektur, errichtet über knapp 1500 Quadratmetern Grundfläche, nicht in ein gewachsenes schwäbisches Straßendorf gehört, in dem zwei Vollgeschosse mit Bühne der Standard sind. Und er hält einen gut frequentierten Kundenparkplatz mit 48 Parkplätzen und die Lieferzone eines Discount-Markts für die denkbar ungeeignetste Randbebauung einer Straße, auf der zahlreiche Kinder und Jugendliche zum Kindergarten oder zur Schule gehen. Zu laut, zu gefährlich, zu groß – auf diese Kurzformel lässt sich seine Argumentation bringen.

Zu laut: Kersten Zaar rechnet nicht mit unerträglichem Krach – aber er rechnet mit Lärm, der kein Ende nehmen will, weil ein Netto-Markt üblicherweise bis 21 Uhr geöffnet ist und bis dahin seine Frequenz hat. Zu gefährlich: Zaar geht davon aus, dass sich frühmorgens zwischen 7 und 7.30 Uhr der 40-Tonner, der Netto beliefert und dabei "zwei Drittel der Bodelschwinghstraße dicht macht", und der Zubringerverkehr der Schillerschule und des Kindergartens ein blechernes Stelldichein an der Schmiechabrücke geben werden, das nicht nur ein Ärgernis für die Anwohner, sondern auch durchaus unfallträchtig wäre. Zu groß: Zaar empfindet das neue Haus als Beeinträchtigung des Ortsbilds – seinen Nachbarn zur Rechten würde es zudem die Sicht nach Osten verstellen.

Das ist nicht alles: Kersten Zaar glaubt auch nicht, dass das Umfeld eines Discounters ein Soziotop ist, in dem langfristig gediegene Bürgerlichkeit gedeiht. Er rechnet damit, dass die Eigentümer künftig weniger in ihre Häuser investieren werden und dass der geplante Premiumkinderspielplatz im benachbarten Park Besucher anziehen könnte, für die er eigentlich nicht gedacht ist.

Die Fernperspektive heißt "Downgrading"

"Downgrading" nennt er dieses Phänomen und meint damit das Gegenteil von Gentrifizierung und Verbürgerlichung. Gewiss, er weiß, dass er nicht in einem Villenviertel lebt; das will er auch gar nicht. Er sieht sich auch nicht als chronisch lärmempfindliches und ruhebedürftiges Sensibelchen – aber er hätte am Samstagabend gerne seine Ruhe und nicht Umtrieb in der Nachbarschaft bis 21 Uhr.

Um der Behauptung zu begegnen, er stehe mit diesem Bedürfnis allein da, hat Zaar Unterschriften unter den Nachbarn gesammelt – zehn kamen zusammen; das genügt ihm: Eine Bürgerinitiative aus dem Boden zu trommeln ist nicht seine Absicht. Er hat sich einen Anwalt genommen, aber eigentlich wäre es ihm lieber, wenn sich die Sache gütlich regeln ließe. Seine Hoffnung darauf hält sich allerdings in Grenzen: Er habe ernsthaft versucht mit der Stadtverwaltung, die das Projekt gemeinsam mit den Investoren und mit Netto betreibt, ins Gespräch zu kommen, und natürlich hätte er gerne früher und ohne aufwendige Eigenrecherche erfahren, was geplant sei. Aber er erlebe die andere Seite weder als transparent noch als gesprächsbereit: "Entweder sie sagen, alles wird gut, ich muss nur daran glauben – oder es heißt, es genüge doch, wenn unsere Anwälte sich unterhielten."

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