VS/Zimmern Flucht von Tankstellen-Räuber endet an Baum

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Die Unfallstelle befindet sich kurz hinter dem Ortsausgang Flözlingen, in Richtung Horgen. Der Wagen rutschte rechts der Straße den Hang hinunter. Foto: Parage

Kreis Rottweil/Villingen-Schwenningen - Wie in einem Hollywoodstreifen: Nachdem ein bewaffneter Täter am Donnerstag eine Tankstelle in Schwenningen überfallen hatte, zerschoss die Polizei auf seiner Flucht die Reifen, kurz darauf prallte er mit seinem Wagen zwischen Horgen und Flözlingen gegen einen Baum.

 Es war gestern Morgen um Viertel vor zehn, als der unmaskierte Täter mit osteuropäischem Akzent sein Auto auf dem Gelände der Esso-Tankstelle an der Villinger Straße in Schwenningen abstellte und mit einer Schreckschusspistole in der Hand die Tankstelle betrat. So hätten es die anwesenden Mitarbeiter beobachtet, erzählt wenig später der zuständige Verkaufsleiter, der nach dem Überfall sofort zum Tatort gerufen wurde. Der Täter habe eine Mitarbeiterin mit der Forderung "Give me money, give me money" ("Gib mir Geld!") mit der Pistole bedroht und sei dann schnurstracks zur Kasse gelaufen. Dort hätten zwei weitere Mitarbeiter sofort das vorhandene Bargeld in Höhe von 315 Euro auf den Tisch gelegt, mit dem der Täter daraufhin wieder die Tankstelle verließ.

Wie die Polizei zudem mitteilte, gab er nach dem Verlassen der Tankstelle einen Schuss aus der Schreckschusspistole ab und fuhr mit einem Auto in unbekannte Richtung davon. Bei der anschließenden Sofortfahndung, in die ein Polizeihubschrauber eingebunden war, wurde der Täter kurz nach 10 Uhr in Niedereschach gesichtet und von einer Polizeistreife angehalten.

Entgegen der klaren Anweisungen der Polizisten ergriff der Räuber erneut die Flucht, sodass zwei gezielte Schüsse auf die Reifen des Täterfahrzeugs abgegeben wurden. Trotz Plattfuß setzte der Mann seine Flucht fort, kam zwischen Horgen und Flözlingen von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Er wurde bei dem Unfall schwer verletzt und musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert werden.

Wegen der anstehenden Spurensicherung blieb die Kreisstraße zwischen Flözlingen und Horgen lange Zeit gesperrt. Der Polizeihubschrauber kreiste zeitweise über der Unfallstelle kurz hinter dem Ortsausgang von Flözlingen. Darüber hinaus waren viele Polizeifahrzeuge vor Ort, zusätzlich wurde gegegn Viertel nach zehn die Zimmerner Feuerwehr alarmiert. Die Meldung lautete zunächst "eingeklemmte Person" – was allerdings nicht der Fall war –, zudem wurde befürchtet, dass das Auto in Brand geraten könnte.

Die Feuerwehrleute halfen dem Rettungsdienst, den Verletzten nach oben auf die Straße zu transportieren: Rechts von der Fahrbahn ist das Gelände abschüssig.

Seelsorgeteam betreut Mitarbeiter psychologisch

Auch die Schwenninger Tankstelle wurde nach dem Raubüberfall bis in den Nachmittag hinein gesperrt. Nicht nur Polizei, sondern auch ein Seelsorgeteam waren vor Ort. "In solchen Fällen arbeiten wir eng mit dem Weißen Ring zusammen, der die psychologische Betreuung der Mitarbeiter leistet", erklärt der Verkaufsleiter.

Die Mitarbeiter hätten während des Überfalls "richtig reagiert", indem sie dem Täter alles zur Verfügung stehende Bargeld ausgehändigt hätten. In regelmäßigen Schulungen lernte das Personal, sich richtig zu verhalten und nach der "Don’t be a hero"-Philosophie ("Sei kein Held") zu handeln: "Wir geben den Tätern alles, was sie wollen, denn nichts ist so wichtig wie das eigene Leben", meint der Verkaufsleiter. Die Mitarbeiter seien nach dem Überfall nach Hause geschickt worden, man gebe ihnen die Zeit, die sie zur Verarbeitung und Erholung brauchten. Zudem habe die Polizei die Überwachung der Tankstelle durch den Einsatz mehrerer Kameras gelobt, anhand derer sie den Täter schnell identifizieren konnte.

"In Zusammenarbeit mit der Polizei haben wir technische und organisatorische Konzepte entwickelt, um für derartige Überfälle gut gerüstet zu sein", erklärt Karl-Heinz Schult-Bornemann, Esso-Pressesprecher. Je nach Tankstellen-Größe seien bis zu 24 Überwachungskameras angebracht, um die Täter überführen zu können. Und nicht nur das: Mehr als 200 Euro Bargeld – abzüglich des Wechselgeldes – seien nie in der Kasse, um potenziellen Tätern erst gar keinen Anreiz zu bieten. So schlage die Kasse Alarm, wenn sie über die 200 Euro-Grenze komme, das Geld werde automatisch abgeschöpft und komme in einen Tresor. Zu diesem habe auch das Personal keinen Zugang. Dass es bereits schon einmal solch einen Überfall auf die betroffene Tankstelle gegeben hat, ist nicht bekannt. In der Regel seien meist kleinere Betriebe mit weniger technischer Sicherheitsausstattung Zielscheibe von Raubtätern, meint der Verkaufsleiter. Derweil sollte gestern Nachmittag wieder Normalität in den Tankstellenbetrieb einkehren. "Trotz des Schocks für unsere Mitarbeiter ist es gut, dass kein körperlicher Schaden entstanden ist", zeigt er sich erleichtert.

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