Villingen-Schwenningen Partygänger vermissen Nachtbusse

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Villingen-Schwenningen - Die Party in Schwenningen ebbt ab. Es ist 4.30 Uhr und Jonas will nach Hause. Er haut seinen Kumpel an: "Wie komme ich denn jetzt nach Villingen?". Gar nicht, die prompte Antwort: "Ab 0.30 Uhr kommt kein Bus mehr."

Jonas Gessulap, 26 Jahre alt ist erst seit kurzem in der Doppelstadt,  "der Liebe wegen", wie er sagt. Der Rostocker arbeitet hier und ihm gefällt die Stadt auch sehr gut. Einziges Manko, nicht nur für ihn: "Lange wegbleiben kann man hier ja nicht, wenn man den Öffentlichen Nahverkehr nutzen will." Nicht allzu lange nach Mitternacht, zeigt er die größte ÖPNV-Schwäche auf, haben Bus-Nutzer die letzte Möglichkeit, nach Villingen zu kommen und umgekehrt." Gessulap geht es jedoch nicht nur ums Feiern. Er nutzt den Bus auch, um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Probleme habe er, wenn er Schicht arbeite. "Wenn ich den letzten Bus verpasse, dann laufe ich entweder eine Stunde nach Hause oder muss ein Taxi nehmen."

Dass "ab 0.30 Uhr nichts mehr geht", das weiß Klaus Maier von der Verkehrsgemeinschaft VS (VGVS) nur zu gut. Gemeinsam mit seinen Mit-Geschäftsführern Frank Wiest und Manfred Schürmann macht er sich schon seit einiger Zeit Gedanken darüber, wie man das Angebot ausbauen könnte. "An uns oll das sicher nicht scheitern", so Maier im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten, "Doch alleine können wir das nicht schultern." Sprich, die VGVS würde sich zu einem bestimmten Anteil an der Finanzierung des zusätzlichen Angebots beteiligen, "aber nicht vollständig".

Stimmiges Rufbus-Konzept

Wie sieht es mit einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung durch die Stadt aus: Die möchte doch nicht nur den ÖPNV stärken, sondern vor allem auch junge Menschen an die Doppelstadt binden, wie die Verwaltungsspitze immer wieder betont. Könnte sich die Stadt vorstellen, für Busse, die beispielsweise drei Stunden länger in VS unterwegs wären, etwas beizusteuern? Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadt: "Grundsätzlich denkt die Verwaltung über eine mögliche Erweiterung des Angebots nach." Aktuell fahren die Busse bis etwa 24 Uhr, bestätigt sie und schiebt noch ein paar Zahlen hinterher. 1,94 Millionen Euro stehen gemäß Verkehrsvertrag im Etat 2017 als Zuschuss zum Stadtbus. Darunter fallen verschiedenen Leistungen wie der gesamte Busverkehr aber auch Ruf-und Sammelbusse.

Bislang kann VS mit einem "innovativen Rufbus-System" punkten, bekräftigt Maier. Rufbusse fahren bereits ab Samstagnachmittag in der Doppelstadt. Der Gedanke, der dahinter steht, ist ein straff organisierter, "zu 100 Prozent Nachfrage orientiertes" Angebot, das 2015 eingeführt wurde. Der Fahrgast kommt zu einer bestimmten Haltestelle, und steigt an einem fixen Ausstiegspunkt wieder aus. Dazwischen klappert der Busfahrer nach einem Blick auf sein Tablet die verschiedenen angemeldeten Haltestellen ab, diese können mitunter vier verschiedenen Buslinien im gesamten Stadtgebiet umfassen, die auf Wunsch des Fahrgastes bedient werden. "Machbar wäre eine Ausweitung sicherlich, das System ist das, die Haltestellen sind da und das Personal auch", so Maier.

Normalerweise sind Rufbusse je nach Ort 30 Minuten oder maximal eine Stunde im voraus zu den Fahrplan verbrieften Zeiten zu bestellen; sie fahren frühestens am Samstag ab 15 Uhr oder ab 19 Uhr, je nach Gebiet. Zudem sind Linien-Busse bis kurz nach Mitternacht unterwegs, aber nur auf stark frequentierten Linien.

Die Finanzierung ist das eine, das andere: "Wir müssen den genauen Bedarf der Busgäste kennen, für die ein solches Zusatzangebot in Frage käme", bekräftigen Maier, Wiest und Schürmann. "Wo ist der Bedarf,welche Gebiete sind gefragt, sollte es einen Rundkurs geben...?" Fragen über Fragen, die zu am besten bei einem "Runden Tisch" zu klären wären, meinen sie. Am besten mit Vertretern der Gastronomen und der Stadt. So ließe sich eine ordentliche Bedarfsanalyse machen. Nicola Schurr (SPD) wäre sofort bei einem Gespräch mit dabei: "Wir sind zwar ein Oberzentrum, aber haben Busverbindungen wie auf dem Land", kritisiert Schurr, der sich schon seit geraumer Zeit für eine Ausweitung des Rufbusverkehrs in der Nacht ausspricht, am besten von Donnerstag bis einschließlich Samstag "Das wäre doch auch für Kulturliebhaber interessant, die nach einer Aufführung noch einkehren möchten." Schurr, schlägt vor, auch Vertreter der Hochschulen in das Gespräch mit der VGVS miteinzubinden.

Anbindung auf den Tisch

Gastronom Jan Christoph Uhl kennt die Probleme einiger seiner Gäste nur zu gut. Jedes Wochenende, berichtet er, warten einige an Haltestelle oder Schalterhalle des Bahnhofs, bis wieder die ersten Züge oder Busse fahren. "Für eine Stadt mit über 80 000 Einwohnern ist das ein Armutszeugnis."

Auch Uhl fordert eine Verbesserung des nächtlichen Angebots und wäre bei einem Gespräch mit Maier mit dabei. "Die Probleme sind doch seit Jahren bekannt." Grundsätzlichen Bedarf sieht auch Pub-Besitzer Michael Steiger, jedoch nicht nur innerhalb der beiden großen Stadtbezirke, auch die Anbindung zu den kleinen Stadtbezirken sollte ein Thema sein.

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