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Meßstetten Tieringen: Trauer um Klara Susanne Mattes

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Vor vier Jahren überreichte Landrat Günther-Martin Pauli Klara Mattes das Bundesverdienstkreuz am Bande. Foto: Archiv-Foto: Stoll

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Meßstetten-Tieringen - Mit Klara Susanne Mattes hat Tieringen eine Unternehmerin im besten Sinne verloren. Ihre 91 Lebensjahre, die am 8. September zu Ende gingen, hat die Firmengründerin und Mutter dreier Kinder gut zu nutzen gewusst.

Klara Mattes wird fehlen. Denn Unternehmerinnen wie sie – das wird deutlich, wenn ihre Kinder von ihr erzählen – waren schon immer eine Rarität. "Sie war der absolute Mittelpunkt der Familie", sagt ihr Sohn Christoph Larsén/Mattes und meint damit auch das Unternehmen, das seine Mutter zusammen mit ihrem Vater und ihrem ersten Mann Albrecht Ammann gegründet hat und das beider Namen trägt: "Mattes & Ammann".

Bis es dazu kam, hatte Klara Mattes – trotz behüteter Kindheit im gut gestellten Elternhaus in Tieringen, wo sie am 16. Juni 1926 als Tochter von Christoph und Annamaria Mattes geboren wurde – nicht gerade einfache Zeiten erlebt. In Stuttgart besuchten sie und ihre Schwestern Marianne und Renate das Gymnasium – und die Familie wurde dort 1944 zwei Mal ausgebombt.

Kaum zurück in Tieringen, erreichte Klara Mattes der Stellungsbefehl zur Luftwaffe, und sie arbeitete – ungewöhnlich für eine Frau – als Ausbilderin für Bordinstrumente, weshalb sie in englische Gefangenschaft geriet. Die mehr als 800 Kilometer von Hamburg bis Tieringen legte sie zu Fuß zurück. Nun sollten bessere Zeiten folgen, die für Klara Mattes mit einer bestandenen Schneiderprüfung 1949 in Balingen begannen.

Mit der Hochzeit wollten sie und ihr Verlobter Albrecht Ammann nun auch nicht länger warten, und noch im selben Jahr läuteten die Hochzeitsglocken für das Paar, dem die Töchter Barbara und Cornelia geschenkt wurden. Gemeinsam gründeten sie 1951 die Firma "Mattes & Ammann", in der Klara Mattes von Anfang an die treibende Kraft war. Die Unterstützung ihrer Familie bei der Erziehung ihrer Kinder wurde noch wichtiger, als Albrecht Ammann 1954 mit nur 32 Jahren starb. Nun musste, nun konnte die Unternehmerin erst recht beweisen, was in ihr steckte, und baute den Betrieb für Damen-Oberbekleidung rasch auf und aus, kannte ihr Unternehmen aus dem Effeff und verfolgte alle Projekte vom Auftrag bis zur Auslieferung, zumal sie Mode, Farben, schöne Stoffe und Muster liebte und selbst stets stilvoll zu tragen wusste.

Mit enormer Weitsicht hat sie die Zukunft ihrer Firma gesichert

Trotz der umfangreichen Aufgaben, die sie mit viel Disziplin bewältigte, und ihres streng strukturierten Tagesablaufs fand Klara Mattes auch wieder Zeit für eine neue Liebe: 1957 heiratete sie den schwedischen Unternehmer Dick Eduard Larsén, der sie ein drittes Mal zur Mutter machte: Christoph Sven Larsén trägt die Vornamen seiner beiden Großväter und führt seit 1988 das Unternehmen.

Dass seine Mutter seine beste Lehrerin war, deren Rat er auch nach ihrem Rückzug und bis zuletzt hoch schätzte, wird deutlich, wenn Larsén/Mattes von ihr spricht. Noch heute zieht er den Hut vor der Weitsicht seiner Mutter, die Mitte der 1970er-Jahre – die Textilwirtschaft auf der Schwäbischen Alb war allerorten im Niedergang begriffen – auf technische Textilien umstellte und damit nicht nur den Fortbestand, sondern eine florierende Zukunft für ihre Firma sicherte.

Hatten sie und Albrecht Ammann mit weniger als einer Handvoll Mitarbeitern begonnen, waren es zeitweise mehr als 100, die sie führte und die nun für den europäischen Markt, aber auch schon für Übersee Autoschonbezüge, Matratzen und Phono-Verkleidungsstoffe produzierten. Selbst in der Entwicklung hat Klara Mattes Maßstäbe gesetzt und zusammen mit der Firma Daimler-Benz den ersten Fertig-Himmel der Welt für die Innenausstattung von Fahrzeugen entwickelt. Heute zählt die Firma 275 Mitarbeiter, was "Mattes & Ammann" zum größten europäischen Hersteller technischer Maschenstoffe in Großrundstrickerei macht.

Nicht nur auf ihren Sohn konnte die Unternehmerin bauen: 25 Jahre lang war ihre Tochter Cornelia Eigemann als umsichtige, zuverlässige Prokuristin für den Familienbetrieb tätig. Deren Schwester Barbara Rilling ist seit zehn Jahren in der Firma aktiv.

"Sie hat uns eine klare Linie und klare Orientierung gegeben", berichten ihre Kinder. "Wir hatten oft den gleichen Gedankengang, wenn wir auch nicht immer derselben Meinung waren." Die Konsequenz und den "außerordentlich gesunden Menschenverstand", mit denen ihre Mutter "immer außerordentlich klare Entscheidungen" getroffen habe, bewundern die Drei ebenso wie die Tatkraft von Klara Mattes, die auch jenseits der Firma gefragt war: Ihre eigene Mutter hat die Unternehmerin in den letzten Jahren zu Hause liebevoll gepflegt, und es sei dieser Tatsache zu verdanken, dass Annamaria Mattes erst im 100. Lebensjahr gestorben sei.

Hilfe für andere leistete sie oft im Stillen

Zeit für Urlaub, Raum für Freizeit blieb da nur selten – und wurde um so wertvoller. Doch Klara Mattes konnte es auch schon genießen, sich mit ihrem Sohn ein Fußballspiel oder ein Formel1-Rennen im Fernsehen anzusehen. Eine Enkelin und zwei Urenkel bereicherten ihren Lebensabend, an dem sich Klara Mattes freilich nicht nur der Familie widmete: Bis zu ihrem Tod war sie Vorstandschefin der "Mattes & Ammann Stiftung", deren soziale Ausrichtung gut zu ihrem sonstigen Engagement passte. Als gläubige evangelische Christin und waschechte Tieringerin half sie vielen im Ort und in der Firma, ohne es an die große Glocke zu hängen. Selbst in Zeiten weltwirtschaftlicher Krisen sei nie ein Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen worden, sagt Larsén/Mattes.

Nicht nur großes Ansehen in der Region und in ihrer Branche, sondern auch das Bundesverdienstkreuz am Bande haben dieser Einsatz und ihre Leistungen als Unternehmerin Klara Mattes eingebracht, was Landrat Günther-Martin Pauli bei der Verleihung 2013 ein vergleichsweise "kleines Dankeschön" nannte. Gelegenheit, ihren Dank zum Ausdruck zu bringen, hatten die Tieringer bei der Trauerfeier am Dienstag, die Klara Mattes noch selbst geplant und für die sie das Thema der Predigt von Pfarrer Thomas Epperlein vorgegeben hatte: "Lob und Dank" – nicht für sie selbst, sondern dafür, dass sie trotz mancher Schwierigkeiten in ihrem Leben so vieles schaffen konnte, das mit ihrer Familie und ihrem Unternehmen weiterlebt.

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