Stuttgart - Biene Maja, Papa Schlumpf und Pinocchio: Bei den Namen für Kindergerichte zeigen sich Restaurants noch einfallsreich. Serviert aber wird meist nur Schnitzel mit Pommes.

„Die Hauptzutat ist paniert, die Beilage frittiert, Gemüse und Salat fehlen.“ So fasst Gabriele Graf das Essen auf einem typischen Kinderteller zusammen. Die Ernährungs­expertin hat für die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen 51 Kindergerichte verschiedener Restaurants in Nordrhein-Westfalen getestet. Da die Gerichte in ­Kaufhäusern wie Karstadt, Kaufhof und Ikea ausgewählt wurden sowie in Restaurantketten wie Vapiano, Wienerwald und Block House, lassen sich die Ergebnisse auf ganz Deutschland übertragen.

„Fettige Pommes waren bei 60 Prozent der Gerichte Beilage oder Hauptgericht“, sagt Graf. Häufig war im Preis auch noch ein ­zuckerhaltiger Softdrink wie Cola oder ­Fanta enthalten. Wenn es Gemüse oder Salat gab (bei sechs getesteten Gerichten), dann meist nicht als weitere Beilage, sondern statt der Pommes (dreimal). „Treten gesunde ­Beilagen in Konkurrenz zu anderem Essen, lernen Kinder aber nicht, dass Salat und ­Gemüse zur Mahlzeit einfach ­dazugehören“,

Bei weniger als einem Drittel der ­untersuchten Gerichte (15 von 51) haben die Verbraucherschützer bei der Bewertung ein Plus für eine vernünftige Mahlzeit verteilt. Meist standen dann Nudeln mit ­Tomatensoße auf der Karte. „Da bekommen die ­Kinder wenigstens Kohlenhydrate“, sagt Graf. Zwei Anbieter – das Möbelhaus Ikea und die Selbstbedienungskette Vapiano – boten ihren kleinen Gästen die Möglichkeit, Gerichte von der Erwachsenenkarte als Kinderportion zum halben Preis zu wählen. „Dabei können Kinder ab etwa drei Jahren vom Salzgehalt her alles essen, was auf der Erwachsenenkarte steht“, sagt Graf.

„Kinder wollen als Gäste mit ihren eigenen Bedürfnissen ernstgenommen werden“

Von Extrawürsten auf der Speisekarte hält auch Mathilde Kersting vom ­Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund nichts. „Kinder brauchen keine anderen Gerichte, sich brauchen einfach eine kleinere Portion.“ Wie diese je nach Alter aussehen muss, hat das Institut in mehreren Forschungsprojekten berechnet. Schulen und Kindertagesstätten in Dortmund lassen ihre Speisepläne und Portionsgrößen bereits vom FKE prüfen und können darauf dann mit einem Siegel hinweisen (www.optimix.de). „Wir wollen bald auch Restaurants ansprechen, weil wir hier schon länger Verbesserungsbedarf ­sehen“, sagt Kersting.

Denn gerade der Restaurantbesuch sei für Kinder eine gute Möglichkeit, auch mal ­Dinge auszuprobieren, die zu Hause auf der Igitt-Liste stehen. „Die Atmosphäre ist ­entspannter, das Essen wird schön angerichtet, und Salat oder Gemüse schmecken ­vielleicht anders“, sagt Kersting.

Damit Kinder dann tatsächlich die Gemüsepfanne wählen und nicht die Pommes, sollten Restaurants ihrer Meinung nach ruhig eine Kinderkarte anbieten – und den Gerichten auch kindgerechte Namen geben. „Kinder wollen als Gäste mit ihren eigenen Bedürfnissen ernstgenommen werden.“

Zumindest ein Bedürfnis haben auch die Systemgastronomen im Test der Verbraucherzentrale erkannt: Spielzeug wurde bei 42 der 51 untersuchten Kinderteller mitserviert. „Es spricht nichts dagegen, wenn Kindern mit ­Malbögen die Wartezeit aufs Essen ­verkürzt wird“, sagt Ernährungsexpertin Graf. Kritisch aber sieht sie Sammelfiguren, mit denen die ­Restaurants versuchen, schon Kinder als Kunden zu binden. „Das sollte ihnen besser über ein leckeres Essen gelingen.“