Von Jürgen Lück

Horb/Freudenstadt. Der IC nach Horb. Bequeme Sitze auch für Menschen über 1,80 Meter Körpergröße und die durchgehende Verbindung bis nach Zürich. Doch nach Informationen aus einer Ausschussitzung des Kreistags könnte das bald in Gefahr sein.

Das wäre ein weiterer Tiefschlag für die Stadt, die mit dem ICE-Halt bereits eine attraktiven Zuganschluss verloren hat. Laut Stuttgarter Verkehrsministerium soll es aber nicht so weit kommen.

Der Tübinger Nahverkehrsexperte Ulrich Grosse befürchtet, dass die Direktverbindung zwischen Stuttgart und Zürich zum nächsten Fahrplanwechsel nicht mehr in Horb halten könnte: "Die Deutsche Bahn und das Land Baden-Württemberg sitzen gerade daran, den Fahrplan zwischen Stuttgart und Zürich zu optimieren. Und zu versuchen, die Beschleunigung der Fahrzeit auch ohne den zweispurigen Ausbau der Gäubahn zu erreichen. Dabei könnte es dazu kommen, dass der IC nicht mehr in Horb hält." Das sagte er im Technischen Ausschuss des Kreistages Freudenstadt.

Denn die Gäubahn, so hat Grosse beobachtet, wird immer schlechter angenommen: "Nur vier Mann in der ersten Klasse – das spricht nicht gerade für eine große Nachfrage."

In einem Vertrag haben sich Deutschland und die Schweiz darauf geeinigt, dass die Zugverbindung zwischen Stuttgart und Zürich 15 Minuten schneller als bisher wird.

Das Problem dabei: Zwar soll bei Neckarhausen die Gäubahn zweispurig ausgebaut werden, damit die ICs und die Regionalzüge auf der Strecke auch mal aneinander vorbei fahren können. Doch insgesamt müssten noch an anderen Punkten solche zweigleisigen Überholpunkte gebaut werden. Die Kosten, so Grosse, wurden im Jahr 2007 schon auf 134 Millionen Euro geschätzt. Laut Grosse heißt die offizielle Sprachregelung für den Abschluss des Ausbaus "202X. Im Klartext: Nicht vor 2022. So lange hält der Fernverkehr auf der Gäubahn aber nicht durch."

Durch die Liberalisierung im Fernbusverkehr muss die Bahn jetzt schnell reagieren, um nicht noch mehr Kunden auf der Strecke zwischen Stuttgart und Zürich zu verlieren.

Auch kann der Regionalexpress Singen-Stuttgart besser an den Schnellzug nach Zürich angebunden werden, wenn in Herrenberg und Horb die Halte aufgegeben werden. Deshalb soll im Frühjahr, so Grosse, der neue Fahrplan vorgelegt werden. Und noch eine andere Änderung spricht der Nahverkehrsexperte an: "Die Ankunftszeiten in Stuttgart für den IC aus Zürich sind schlecht." Die Züge kommen laut Fahrplan immer sieben Minuten nach einer vollen Stunde an. Man bekomme dann nur noch den ICE nach München. "Für alle anderen Verbindungen muss man mindestens 30 Minuten warten. Deshalb ist eine zeitliche Verlegung sinnvoll."

Die Veränderungen im Fernverkehr sollen sich laut dem Nahverkehrsexperten auch gravierend auf den Nahverkehr auswirken. "Seien Sie wachsam", appellierte er an die Kreistagsmitglieder im Technischen Ausschuss.

Das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur widerspricht jedoch Grosses Darstellung. Pressesprecherin Julia Pieper teilte auf Anfrage des Schwarzwälder Boten mit: "Der IC-Halt in Horb ist nicht in Gefahr. Richtig ist, dass die DB Fernverkehr auf das Land zugekommen ist mit dem Angebot, eine Verbesserung des Fernverkerhsangebots auf der Gäubahn möglichst schnell zu erreichen. Hierzu laufen Untersuchungen, die Ergebnisse bleiben abzuwarten."