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Entwicklungspsychologie Zeug zum Spielen aus der Natur

Sigrid Schulze, vom 26.11.2011 09:42 Uhr
Kinder brauchen Zeug zum Spielen, nicht unbedingt Spielzeug, sagen Experten. Dazu gehören Dinge, die ihrer Fantasie Spielraum geben. Foto: AP
Kinder brauchen Zeug zum Spielen, nicht unbedingt Spielzeug, sagen Experten. Dazu gehören Dinge, die ihrer Fantasie Spielraum geben. Foto: AP
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Etwa 2,6 Milliarden Euro Umsatz wird der Einzelhandel dieses Jahr mit Spielwaren machen. Aber brauchen Kinder überhaupt extra für sie produziertes Spielzeug? Nein, sagen Experten.

Ein Badewannen-Springbrunnen für Babys, ein Minicomputer für Drei- bis Fünfjährige, eine Uhr mit Lügendetektor-Test und Videokamera für Acht- bis 15-Jährige - das sind nur drei von rund 70.000 Neuheiten, die auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg präsentiert wurden. Brauchen Kinder so viel Spielzeug? Brauchen sie überhaupt Spielzeug?

"Nein", sagt Gudrun Schwarzer, Leiterin der Abteilung Entwicklungspsychologie an der Universität Gießen, "in einigen Kulturen haben Kinder gar kein spezielles Spielzeug. Trotzdem lernen und entwickeln sie sich genauso gut wie Kinder, die viele Spielsachen besitzen." Produkte nur für Kinder, das sei typisch für die westlichen Kulturen.

Natur bietet viel Spielzeug

"Kinder brauchen nicht unbedingt Spielzeug, sie brauchen aber Zeug zum Spielen. Das sind Gegenstände, die der Fantasie Spielraum bieten", sagt Ingeborg Becker-Textor. Sie hat das Konzept des spielzeugfreien Kindergartens mitentwickelt. Zeug zum Spielen kann, muss aber nicht im Spielzeugladen gekauft werden. Kinder finden es etwa im Freien: Steine, Blätter, Kastanien, und Gänseblümchen. Ein Ast wird zum Angelstock oder Ruder, zum Grillspieß oder Buschmesser.

Ältere Kinder schnitzen aus dem Holz vielleicht einen Stift oder einen Pfeil. Wer viele Äste sammelt, kann eine Bude im Garten bauen. Der Alltag in Waldkindergärten zeigt: Die Natur bietet Raum zum Erleben, Entdecken, Erforschen, Erfinden und Gestalten. Aus Gänseblümchen wird eine Krone, aus einem Stein ein Kettenanhänger, aus einer Feder Indianerschmuck, aus einer Eichel ein Kreisel.

Vorschulkinder lieben Dinge zum Anfassen

Spielzeug lässt sich aber auch in Küchenschubladen, Kleiderschränken und auf Speichern finden. "Der menschliche Geist sucht Anregungen", sagt die Professorin Gudrun Schwarzer. "Vor allem Kinder im Vorschulalter finden alles interessant, was sie anfassen können." Jeder weiß, wie intensiv sich Babys mit Löffeln, Papiertaschentüchern und Schlüsseln beschäftigen können. Aus einem großen Karton kann ein Spielhaus werden, aus einem Schneebesen ein Musikinstrument.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt auf ihrer Internetseite Anregungen für Spielzeug im Alltag: Töpfe, Deckel, Dosen, Eierkartons, Tücher, alte Kleider, Wäscheklammern, ausgediente Geräte (zum Beispiel ein altes Telefon oder Radio, aber Achtung: Gegebenenfalls Batterien entfernen), Kataloge und Zeitschriften.

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