Dornstetten - Der Widerstand war zu erwarten: Frank van der Meyden und Ernst Nestle, die nach dem Gemeinderatsbeschluss künftig einen Kreisverkehr unmittelbar vor ihren Ladentüren in der Bahnhofstraße haben sollen, wollen dies verhindern. Beide waren am Dienstagabend unter den Zuhörern und reagierten gestern prompt.

Frank van der Meyden, Geschäftsführer des Modegeschäfts Klamodo, hatte bereits am Morgen mit seinem Rechtsanwalt gesprochen, mit dem er nun rechtliche Möglichkeiten eruiere. Zunächst werde man sich aber den Bebauungsplan anschauen. Viele Fragen seien für ihn noch nicht geklärt. Van der Meyden zeigte sich im Gespräch mit unserer Zeitung enttäuscht, dass es im Gemeinderat nur um die Wahl zwischen Ampel und Kreisel gegangen sei, aber – wegen des Neubaus eines Discounters – nicht um die Belange der umliegenden Geschäfte, die von den Kunden durch den Wegfall der Parkplätze künftig schlechter erreicht würden. "Von einer Stadtentwicklung erwarte ich eher, dass man es den Kunden erleichtert, die Geschäfte zu erreichen." Der Kreisverkehr stelle nicht nur eine Wertminderung dar, sondern – durch seine Hanglage – auch eine Gefahr: "Wer garantiert mir, dass im Winter nicht ein Lastwagen auf glatter Straße ausbricht?", fragt van der Meyden. "Wir sehen uns in unserer Existenz beeinträchtigt und bedroht", kündigt er an, mit seinen Nachbarn eine Interessengemeinschaft gründen zu wollen.

"Wenn er was macht und meine Hilfe braucht, bin ich dabei", kündigt Ernst Nestle an, der neben dem "Klamodo" sein Schuhgeschäft betreibt. "Für uns ist es eine Katastrophe", sagt Nestle zum Kreisverkehr. 1975 sei er mit seinem Geschäft an die Bahnhofstraße gezogen, nun erwarte ihn die zweite Großbaustelle in diesen Jahren, die erfahrungsgemäß Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent während der Bauzeit mit sich bringe. "Die Parkplätze sind die Lebensader für uns Einzelhändler", erklärt Nestle. Unter denen vor seinem Laden sei einer von zweien in der Stadt für Behinderte – der falle nun auch weg. "Es geht nicht nur um uns drei", betont er und meint neben van der Meyden auch die Tierärztin Katja Baumer, "an diesen Parkplätzen, die nun ersatzlos gestrichen werden, hängen locker 20 Geschäfte bis hinab in die Hauptstraße".

Am Anfang habe er den Discounter in der Bahnhofstraße befürwortet, so Nestle weiter. Nun jedoch sehe er nicht mehr ein, dass die alteingesessenen Fachgeschäfte wegen dessen Neubaus enorme Nachteile verkraften müssten "und nach uns bei der Stadt kein Hahn kräht". Nestle fragt sich ebenso wie van der Meyden, warum der Verkehrsknoten Bahnhofstraße/Tübinger Straße überhaupt umgebaut werden muss. Das Argument, dass viele Schüler an der Kreuzung unterwegs seien und es für sie dort gefährlich sei, falle weg, wenn der Bahnhaltepunkt verlegt werde. Eine "große Einbahnstraßenlösung" über die Gartenstraße sei zur Verkehrsentlastung nicht einmal ausprobiert worden, ärgert sich der Dornstetter Geschäftsmann.