Zollernalbkreis - Am Ende sind alle erleichtert. Das Mädchen ist wieder zuhause, wohlbehalten, die Eltern sind glücklich. Aber drei Tage lang hat die 15-Jährige aus einer Gemeinde im Raum Albstadt in dieser Woche nicht nur ihre Angehörigen, sondern auch die Polizei und vor allem eine stetig wachsende Schar von Helfern und Suchern im Internet beschäftigt.

Die Jugendliche war am vergangenen Wochenende plötzlich weg, wie aus heiterem Himmel verschwunden. Vater und Mutter hatten Angst. Ihr Mädchen hatte keine Nachricht hinterlassen und offenbar weder Kleidung, Ausweis oder sonstige Habseligkeiten aus der Wohnung mitgenommen. Die Eltern meldeten sich bei der Polizei.

Die Vermisstenanzeige erschien dann am späten Dienstagnachmittag, nicht über offizielle Polizei-Kanäle, sondern über das soziale Netzwerk Facebook. Eine Freundin stellte ein Foto der Vermissten online und bat darum, es weiterzuverbreiten – was auch ziemlich schnell und, nun ja, sehr effektiv geschah: Bis Mittwochvormittag wurde der Suchaufruf mehr als 8000-mal geteilt, mehr als 8000 Personen also übernahmen auf den Aufruf auf ihren Facebook-Seiten.

Die Suchwelle erreichte dadurch eine enorme Dynamik, schwappte schnell über die Grenzen Albstadts und des Zollernalbkreises hinaus. Die Vermisstenmeldung machte virtuell in ganz Deutschland sowie im angrenzenden Ausland die Runde.

Neben der Weiterverbreitung kommentierten viele Nutzer die Meldung, einige davon sehr kritisch: Ob überhaupt klar sei, dass die 15-Jährige wirklich verschwunden sei – schließlich gebe es keine offizielle Meldung der Polizei. Tatsächlich hielten sich das Polizeirevier in Albstadt und die Polizeidirektion in Balingen zurück, weil über den Aufenthaltsort des Mädchens offenbar schnell Klarheit herrschte. Nur, dass man die 15-Jährige eben nicht sofort dort antraf. Für eine offizielle Suchmeldung gab es deshalb zunächst keinen Anlass, so ein Polizeisprecher.

Polizeisprecher: "Nicht sofort große Offensive"

Tatsächlich lösen Vermisstenanzeigen via Facebook regelmäßig massive Hilfswellen aus. Oft werden sie, gut gemeint, von Angehörigen und Freunden schnell online gestellt und verbreiten sich dann rasant weiter. In einigen Fällen haben solche Vermisstenanzeigen schon ganze Polizeidienststellen lahmgelegt – weil sich plötzlich tausende Menschen, nachdem sie den Aufruf bei Facebook gelesen hatten, nach dem Verbleib der Vermissten erkundigten und die Beamten zahlreichen über die Kommentare abgegebenen Hinweisen nachgingen.

Generell steht die Polizei solchen Vermisstensuchen via Facebook kritisch gegenüber. Oft würden solche Suchen online gestellt, ohne dass klar sei, ob eine öffentliche Fahndung überhaupt notwendig sei. Das vermeintliche Schicksal der Gesuchten werde dann medial ausgebreitet – ohne Rücksicht auf den Persönlichkeitsschutz, so Peter Mehler von der Polizeidirektion Balingen. Gerade bei der Suche nach Vermissten müsse man "sensibel" vorgehen und nicht sofort in die "große Offensive" gehen – außer natürlich, es lägen handfeste Anhaltspunkte dafür vor, dass eine Person tatsächlich vermisst wird und sich zudem in Gefahr befindet.

Falls ein Angehöriger vermisst wird, dann, so rät die Polizei, sei der einzig richtige Weg, dies bei der Polizei anzuzeigen und den Beamten die Arbeit zu überlassen. Tatsächlich gebe es bei der Polizei auch die Überlegung, Facebook und Co. für Vermisstensuchen einzusetzen; das genaue Vorgehen müsse aber noch geklärt werden.

Die bisherigen Erfahrungen lehrten, so Mehler, dass über die sozialen Netzwerke meist nur wenig wirklich brauchbare Hinweise auf Vermisste eingehen, so Mehler weiter. Und die Erfahrung lehre weiter, dass gerade Jugendliche, auch im Zollernalbkreis, oft als vermisst gemeldet werden – und dann meist am nächsten Tag nach kurzen Ausreißern putzmunter und quicklebendig wieder auftauchen.

Genau so war es dann auch bei der 15-Jährigen. Plötzlich tauchte sie wieder auf, war wieder zuhause. Und der Suchaufruf bei Facebook war ganz schnell fast komplett wieder aus dem Netz getilgt.