Frieder Steinmann (links) und Waldfried Schmidt: Durch die gemeinsame Firma ist die Freundschaft gewachsen. Foto: Lena Knöller

Was im Zavelsteiner Wanderheim mit einem Gedanken anfing, entwickelte sich zu einer kuriosen Geschichte, wie zwei Neubulacher Freunde auf einmal in Tunesien Fuß fassten – und zwar um Dattelschnaps zu produzieren.

Beim gemütlichen Zusammensitzen im Zavelsteiner Wanderheim war sie plötzlich da, die Schnapsidee – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Tonnenweise Datteln würden in Tunesien einfach auf dem Boden liegen und „da fiel mir spontan ein, da müssen wir Schnaps draus machen“, erinnert sich der Neubulacher Frieder Steinmann an seinen Gedanken vor weit mehr als 30 Jahren.

 

Schon längere Zeit war der heute 83-Jährige beruflich in Tunesien tätig und hat das Land dadurch gut kennengelernt. Und eben auch die Datteln. Anstatt diese nur auf dem Boden liegen zu lassen, Tieren zu verfüttern oder unter Wert zu verkaufen, schwirrte ihm das Schnaps-Projekt im Kopf herum.

Den Versuch gestartet

Da kam es gerade recht, dass ihm wie an so vielen Abenden im Zavelsteiner Wanderheim mal wieder sein Bekannter Waldfried Schmidt – ein Neubulacher Immobilienmakler und Original – gegenübersaß. Denn Schmidts damalige Schwiegereltern hatten eine Schnapsbrennerei in Baden-Baden.

Das war zwar keine geeignete Lösung, doch schließlich kam eins zum anderen und die beiden fanden eine Brennerei in Oberkirch, die einen Versuch wagte. Steinmann und Schmidt bestellten kurzerhand 1,2 Tonnen Datteln aus Tunesien, um daraus Schnaps herstellen zu lassen. „Die kamen in kleinen Verpackungen an. Wir haben bestimmt zehn Stunden aufgepackt“, erinnert sich der Immobilienmakler mit einem Schmunzeln zurück.

Von dem flüssigen Ergebnis waren beide überzeugt und so starteten sie einen Versuch in Tunesien. Die Puzzleteile fügten sich dann im nordafrikanischen Land zusammen und es entstand die Brennerei „Sarab“ – und der Schnaps landete zum Verkauf in der Tunis Air, in Duty-free-Shops, tunesischen Golf-Clubs, Restaurants und vielem mehr. Da Datteln aus der heißen Sahara kommen, passt auch der Name „Sarab“ – das arabische Wort für „Fata Morgana“.

Vom Kirschwasser inspiriert

Genauso wenig vergessen wie die zahlreichen Treffen mit tunesischen Ministern oder deutschen Promis wie Sternekoch Johann Lafer, der einst den Schnaps probierte, werden die beiden auf der anderen Seite sicherlich auch nicht das Schreckensszenario, das sich 2012 ereignete: Es wurde versucht, die Firma in Tunesien anzuzünden. So war für Steinmann und Schmidt dann der Tag gekommen, ihr Werk zu verkaufen. Doch der Stolz und die jahrzehntelange Freundschaft bleiben – genau wie die Erinnerungen an das, was Steinmann als Schwarzwälder bei seinen Gedanken rund um die Datteln inspirierte: „Die alten Schwarzwälder konnten ihre Kirschen nicht ideal vermarkten, weil die Früchte klein und recht unansehnlich waren – entdeckten dann aber deren ideale Eignung für die Produktion von Kirschwasser, weil die Kirschen einen sehr guten Geschmack hatten.“