Ein Investor will an der Schramberger Straße in Rottweil einen Rewe-Markt mit Huckepack-Kindergarten bauen. Doch vor der Sitzung des Bauausschusses kommt Gegenwind aus der Innenstadt auf.
Rottweil - In der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss (UBV) des Gemeinderats steigen die Rottweiler Stadträte öffentlich in die Beratung des Bebauungsplans RW340/21 "Charlottenhöhe – Sondergebiet Einzelhandel mit Kindergarten" ein. Es geht um die Nachfolge für das BayWa-Areal, wo ein Rewe-Markt mit Huckepack-Kindergarten entstehen soll. Doch am Horizont zieht Ärger auf.
Das Interesse eines Investors ist nicht mehr ganz neu. Hinter verschlossenen Türen hat die Stadtverwaltung den Gemeinderat bereits ins Bild gesetzt – auch weil das Vorhaben nicht ganz einfach zu verwirklichen ist. Der Knackpunkt ist der Standort, denn die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes ist eigentlich in der Innenstadt oder auf der Saline vorgesehen, nicht aber an der Schramberger Straße. Indes könnte die Kombination mit dem Kindergarten der Türöffner sein, das Vorhaben trotzdem verwirklichen zu können.
Dass ein solcher Plan von der Stadtverwaltung im Vorfeld mit dem Gewerbe- und Handelsverein (GHV) abgestimmt wird, dürfte zum Pflichtprogramm gehören. Tatsächlich war der GHV-Vorsitzende Detlev Maier vor neun Monaten informiert worden. "Da hieß es, man werde dann wieder auf mich zukommen", erzählt Maier. Einen Tag vor der UBV-Sitzung, also am Dienstagnachmittag, war er denn auch wirklich auf 15 Uhr wieder zum Gespräch eingeladen.
Der GHV-Vorsitzende sieht das Rewe-Projekt äußerst kritisch. Aufmerksam hat er sich das CIMA-Gutachten angesehen, das Markt und Auswirkungen analysiert. Während die Stadtverwaltung den Stadträten empfiehlt, in das Bebauungsplanverfahren einzusteigen, verweist Maier auf seine Sorgen um den Einzelhandel in der Innenstadt: "Insbesondere in der Nach-Corona-Zeit werden wir in der Innenstadt von Rottweil, sehr viele Anstrengungen unternehmen müssen, um auf den Vor-Corona-Stand zurück zu kommen". Eine Ansiedlung eines Frequenzbringers aus dem Lebensmittel-Bereich fast direkt an der Gemarkungsgrenze, werde die Frequenz in Rottweils Innenstadt sicherlich hemmen. Maier unterstreicht seine Prognose mit konkreten Zahlen aus einer Postleitzahlenerhebung unter den Kunden seines Culinara-Markts am Nägelesgraben.
Für den GHV-Vorsitzenden zudem ein wichtiger Punkt: Das Gutachten wurde noch vor Corona erstellt. Und obwohl es also die aktuelle Situation in Rottweil nicht berücksichtigt, blieben die erwarteten Auswirkungen nur knapp unter der kritischen Marke. "Sind der Kopfsalat und die Milch erst einmal an der Peripherie von Rottweil gekauft, fällt der Weg in die Innenstadt schwerer, und der Klick zuhause bei Amazon ist schnell getätigt", mahnt Maier. "Da besteht also Informations- und Abstimmungsbedarf", versucht er sich auszumalen, auf welcher Grundlage die Stadträte ihre Entscheidung treffen und das Für und Wider abwägen sollen.