Der Bereich der Kinderbetreuung wächst in Rottweil seit Jahren. Die Pandemie sorgt für zusätzliche Dynamik. Es könnte eng werden. Abhilfe schaffen könnte nun ein Rewe-Neubau – mit Platz für einen Kindergarten und einer Lösung für das BayWa-Gelände.
Rottweil - Bürgermeister Christian Ruf und Fachbereichsleiter Bernd Pfaff haben jede Menge zu erzählen, wenn sie auf das Thema Kinderbetreuung in Rottweil angesprochen werden. Positiv formuliert könnte man sagen, der Bereich boomt, negativ wäre wahrscheinlich von einer explosionsartigen Ausweitung des Bedarfs die Rede. Mit Zahlen untermauern werden Ruf und Pfaff das zur Jahresmitte, wenn die Kindergartenbedarfsplanung Thema im Gemeinderat sein wird.
Indes: Auch wenn die Anmeldefrist für den Kindergartenbesuch ab 1. Oktober erst Ende April abläuft – für Bernd Pfaff zeichnet sich bereits ab, dass es eng werden wird in der einen oder anderen Einrichtung. "Es wird nicht in jedem Bezirk genug Plätze geben. Flexibilität ist gefragt", warnt er Eltern vor.
Dass es dazu kommt, liegt an einer Verkettung verschiedener Ursachen. Durch die Ende 2019 eingeleitete Änderung des Stichtags für die Einschulung bleiben die Kinder in der Übergangszeit ein Jahr länger im Kindergarten. Zudem haben Eltern wegen der Pandemie im Moment die Möglichkeit, ihren Nachwuchs auch ohne Begründung von der Einschulung zurückstellen zu lassen. So zeichnet sich ab, dass weniger Plätze durch den Wechsel in die Grundschule frei werden, als durch Neuanmeldungen benötigt werden.
Zusätzliche Dynamik
Bürgermeister Ruf und Pfaff betonen: "Wir haben unsere Hausaufgaben immer gut gemacht", doch auch durch solche Beschlüsse des Landes entstehe nun trotzdem ein Engpass. Doch was tun angesichts eines Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz einerseits und der Vermutung andererseits, dass sich diese Situation nach einer Übergangsphase auch wieder zumindest zum Teil entspannt? Zudem ist ein Neubau-Projekt – abgesehen von der Frage der Finanzierbarkeit – auch nicht kurzfristig aus dem Ärmel zu schütteln.
"Die Situation ist unglaublich schwer", zieht Ruf Vergleiche zum Blick in die Glaskugel und zum Jonglieren mit vielen Unbekannten. 4500 bis 5000 Zu- und Wegzüge pro Jahr machen es ohnehin schwer, den Bedarf frühzeitig abzusehen. Der aktuell große Bauboom etwa auf der Spitalhöhe bringt zusätzlichen Schwung in die Sache.
Die Stadtverwaltung setzt daher auf eine Reihe von Maßnahmen und Projekten, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Dabei sind sowohl Erweiterungen bestehender Einrichtungen im Gespräch, als auch Container-Lösungen und Neubauvorhaben. Eines davon könnte auf dem seit 2020 brach liegenden BayWa-Gelände entstehen, bestätigt Bürgermeister Ruf entsprechende Gerüchte, dass die Familie Feyrer aus Balingen, die schon auf der Saline als Investor aufgetreten ist, dort einen Rewe-Markt bauen möchte. Und im Obergeschoss könnte ein Kindergarten Platz finden. Noch sei nichts in trockenen Tüchern, stellt Ruf klar, Details, ob die Stadt dann ein Teileigentum erwerben oder Mieter werden würde, noch offen. Gleichwohl ist das Projekt schon so konkret, dass bereits überprüft ist, ob der jeweilige Betrieb des Kindergartens und des Supermarkts funktionieren würden – etwa mit Blick auf den Verkehr.
Container als Provisorium
Einen deutlich kürzeren Zeithorizont haben da weitere Überlegungen, zwischendurch in Containern für ausreichend Betreuungsplätze zu sorgen: "Wir brauchen es schnell", erklärt der Bürgermeister, dass nicht Zeit bleibt, einen Architektenwettbewerb zu starten. Im Mai, rechnet Christian Ruf, werde die Stadtverwaltung dem Gemeinderat verschiedene Standorte für Containerlösungen vorschlagen, um im neuen Jahr den absehbaren Bedarf an Kapazitäten mit einem Provisorium abfangen zu können. Finanziell ist das kein Pappenstiel. Ruf kündigt daher an, dass den Stadträten als Entscheidungsgrundlage auch eine Gegenüberstellung der Kosten präsentiert werden soll: Mieten im Vergleich zum Kauf von Containern.
Im Blick behält die Stadtverwaltung bei ihrer Suche nach Lösungen natürlich auch den U-3-Bereich, also das Angebot für Kinder unter drei Jahren. "242 Plätze haben wir", verweist Ruf nicht ohne Stolz auf die Betreuungsquote von 66 Prozent. Der Sprung ist deutlich: Noch vor rund fünf Jahren waren es zwischen 40 und 45 Prozent. Für die Suche nach einem Krippenplatz sind Pfaff und Ruf also zuversichtlich, allen Eltern ein Angebot machen zu können. Immer mit Blick auf den Bedarf und die konkrete Nachfrage, stellen sie klar, werde bei den neuen Vorhaben auch der Krippenbereich berücksichtigt. So sei etwa an der BayWa an zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen gedacht, erinnert Ruf gleichzeitig daran, dass man sich hier noch in der Abstimmung befinde.