Die Gemeinde Wimsheim lässt an der Friolzheimer Straße neben der alten TSV-Halle eine Unterkunft für bis zu 80 Flüchtlinge und für Obdachlose bauen. Foto: /Simon Granville

An der Friolzheimer Straße will die Gemeinde Wimsheim Wohnraum für bis zu 80 Menschen in der Anschlussunterbringung und für Obdachlose schaffen.

Wie andernorts ist die Unterbringung von Schutzsuchenden auch in Wimsheim eine Herkulesaufgabe für die Verantwortlichen. Rund 20 Personen werden der kleinen Heckengäugemeinde durchschnittlich pro Jahr zur dauerhaften Unterbringung zugewiesen. „Sämtliche kommunale Liegenschaften sind bereits belegt“, sagte der Bürgermeister Mario Weisbrich jetzt im Gemeinderat. Es sei auch gelungen, private Immobilien anzumieten. Doch nun sind diese Kapazitäten offensichtlich erschöpft. Deshalb will die Gemeinde dauerhaft für Flüchtlinge sowie obdachlose Menschen weiteren Wohnraum schaffen.

 

Zwischen der Friolzheimer Straße und dem Pfadweg besitzt die Gemeinde neben der alten TSV-Halle ein Grundstück, auf dem sie nun ein zweistöckiges Gebäude errichten will. Der Gemeinderat gab jetzt grünes Licht dafür. Schon im Mai hatte das Gremium in nichtöffentlicher Sitzung über die schwierige Lage bei der Wohnraumsituation von Flüchtlingen im Ort diskutiert. Damals sei grundsätzlich beschlossen worden, eine Unterkunft zu errichten und ein Architekt dafür beauftragt worden, erläuterte der Bürgermeister auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung. Im Oktober seien die Pläne dann der Bürgerschaft bei einer Infoveranstaltung vorgestellt worden. Rund 100 Menschen haben laut dem Bürgermeister über das Für und Wider einer solchen Einrichtung in direkter Nachbarschaft zu einem Wohngebiet diskutiert.

Die Leute nicht auf der Straße stehen lassen

So gut wie keine Diskussionen gab es hingegen jetzt in der Sitzung des Gemeinderats. Lediglich Bertold Lauser (Freie Wählervereinigung Wimsheim) kritisierte, dass der 4,5 Millionen Euro teure Bau den Haushalt der Gemeinde sprenge. Man solle sich das Vorhaben noch einmal überlegen. Er fragte, ob sich die Gemeinden nicht zusammenschließen könnten und keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen würden. „Ich bin heilfroh, dass wir in einem Rechtsstaat leben“, entgegnete darauf Mario Weisbrich mit Nachdruck. „Wir sind momentan in der Verpflichtung, Flüchtlinge aufzunehmen“, fügte er hinzu. Gemeinderat Hans Lauser, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Wimsheim, verteidigte die Pläne der Gemeinde. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand,“ sagte er. „Wir haben alles geprüft und haben keine andere Möglichkeit mehr. Uns bleibt nichts Anderes übrig. „Wir können die Leute nicht auf der Straße stehen lassen“, so sein Plädoyer für den Bau der neuen Unterkunft. So gab es schließlich ein fast einheitliches Ja für den Antrag der Gemeinde. Nur Bertold Lauser und Beate Lämmle-Koziollek (Wimsheim.Miteinander) enthielten sich der Stimme.

Auf der derzeit noch grünen Wiese sollen nach den Plänen der Architekten auf 890 Quadratmeter Wohnfläche in Holzmodulbauweise mehrere Wohneinheiten unterschiedlicher Größe für bis zu 80 Bewohner geschaffen werden. Es handele sich dabei nicht um Gemeinschaftsunterkünfte, wie sie bei der ersten Flüchtlingswelle vor ein paar Jahren etwa in der TSV-Halle eingerichtet worden war, sondern um individuelle Wohnungen für unterschiedlich viele Bewohner. „Wir wollten keine Blechcontainer anschaffen“, erklärt Mario Weisbrich im Gespräch mit unserer Zeitung, „sondern eine Architektur haben, die man anschauen kann, mit einer vernünftigen Bauweise, auch in energetischer Hinsicht.“ Es handele sich allerdings nicht um Luxus, sondern sei vom Standard her eher wie ein Fertighaus. Weil die Wohnanlage mitten im Ort stehen werde, solle sie „nach etwas aussehen“, dies auch im Interesse der Nachbarschaft. Der Bürgermeister rechnet für den Bau mit Zuschüssen von rund 720 000 Euro.

Geflüchtete mit Bleibeperspektive

Bei den künftigen Bewohnern handelt es sich neben Obdachlosen, die die Gemeinde auch unterbringen muss, in der Regel um Geflüchtete mit Bleibeperspektiven oder mindestens einer Duldung, so der Bürgermeister. Mit diesem Neubau habe die Gemeinde die Möglichkeit, die Leute längerfristig unterzubringen. Denn häufig blieben die der Gemeinde zugewiesenen Menschen auch im Ort, so die Erfahrung des Verwaltungschefs.

Auch wenn das Landratsamt jetzt dem Bauantrag der Gemeinde zustimmt, vergehen bis zur Fertigstellung der Anlage etwa 18 Monate. Wo bis dahin weitere vom Landkreis zugewiesene Flüchtlinge untergebracht werden können, weiß der Schultes, der auch CDU-Kreisrat ist, noch nicht genau. Eventuell müssten als schnelle Zwischenlösung doch noch Container her.