Das Blitzeis machte dem Winterdienst am Mittwoch ordentlich zu schaffen. In Bad Wildbad waren 24 Mitarbeiter stundenlang im Einsatz. Und die brauchten viel Salz.
„Es war chaotisch!“ Mit diesen Worten fasst Samuel Mostroph, der Leiter des Bad Wildbader Baubetriebshofes, die extreme Wetterlage mit Regen und Blitzeis zusammen.
Früh im Einsatz Mostroph selbst war in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bereits ab 3.30 Uhr unterwegs. Da war die Lage noch einigermaßen normal, „das Angefrorene von gestern Abend und heute Nacht hatten wir im Griff“. Gegen 7.30 Uhr waren dann Mostroph und seine Mitarbeiter mit der Runde fertig und zurück im Baubetriebshof. Bis es anfing zu regnen. „Von halb acht bis dreiviertel neun war’s gut“, erzählt Mostroph – dann kam der „Blitzregen“.
Extremes Wetter Also fuhr Mostroph wieder raus zur nächsten Kontrollrunde und bemerkte schnell, dass es glatt wurde. Ursache für dieses Extremwetter war eine Warmluftfront, die nach Norden über Deutschland hinwegzog. Da der Boden durch die frostigen Temperaturen der vergangenen Tage und Wochen durchgefroren ist, gefror der Regen sofort auf dem Boden. „Das ist das Blödeste, was uns als Winterdienst passieren kann“, sagt Mostroph. Dann lieber einen halben Meter Neuschnee, „so wird es überall chaotisch“.
Alle wieder raus
Und so kam es auch, weshalb der Baubetriebshofleiter „die ganze Mannschaft wieder rausgeschickt“ habe.
Fingerspitzengefühl Gefährlich war es außer auf den Straßen vor allem auf den Pflastersteinen in der Innenstadt und den Fußgängerwegen. „Die waren wirklich spiegelglatt“, so Mostroph. Deshalb hätten die auch Priorität gehabt. „Bei solchen Extremsituationen bevorzuge ich lieber die Fußgänger“, sagt er. Lieber sei ihm ein harmloser Blechschaden „als dass Fußgänger stürzen und sich die Knochen brechen“. Da brauche es Fingerspitzengefühl und man müsse „abwägen, was ist das größere Übel“. Deshalb seien auch Kindergärten und Schulen bevorzugt worden, ebenso Bushaltestellen oder auch Treppen. „Darauf konzentriert man sich zuerst“, sagt er.
Das bedeute aber nicht, dass ihm die Autofahrer egal seien oder man sie vernachlässige. Aber dann sei das Fahrzeug eben erst „zehn Minuten im Städtle“ unterwegs, bevor es auf den Sommerberg fahre.
Wieder alle raus Diese zweite Tour dauerte bis etwa 10.15 Uhr. Während die Mitarbeiter wieder beim Baubetriebshof eintrafen, hatte Mostroph das Gefühl, dass das Salz griff und sich die Situation verbesserte. Doch das hielt nicht lange an. Gegen 10.45 Uhr sanken die Temperaturen wieder leicht, „der Regen ist sofort wieder festgefroren“. Was also tun? Wieder alle Mann raus und wieder alles streuen. Mit dieser letzten Tour waren die Winterdienst-Mitarbeiter dann gegen 13.30 Uhr fertig, rund zehn Stunden, nachdem sie das erste Mal raus mussten.
Am Donnerstag droht Schnee
Beim Gespräch mit unserer Redaktion am Mittwochnachmittag lagen die Temperaturen bei 7,5 Grad und Mostroph hoffte, „dass es so bleibt“ und dass damit die Nacht etwas ruhiger wird. Denn für Donnerstag ist bereits wieder zwischen 11 und 12 Uhr Schnee angesagt. „Wir rechnen damit, dass wir da wieder raus müssen“, erzählt er.
„Gestern und heute haben wir 60 Tonnen Salz benötigt“, sagt Mostroph. Deshalb habe er auch direkt von unterwegs gleich zwei weitere Sattelzüge mit je 25 Tonnen Streusalz nachbestellt. Die kommen dann am Montag.
Warnung kommt an Immerhin hatte der Baubetriebshofleiter den Eindruck, dass die Leute auf die Warnungen gehört haben: „Es war ja angekündigt. Das haben viele beherzigt, es war lange nicht so viel Verkehr wie sonst.“ So ist er froh, dass es nicht zu Unfällen gekommen sei. Auch während des Winterdienst-Einsatzes habe man „nichts kaputt gemacht“, es habe keine Schäden gegeben. „Ich bin immer heilfroh, wenn alle wieder gesund auf dem Bauhof ankommen“, so Mostroph.
Technik hilft Das gilt dieses Mal noch mehr. Denn neben seinen eigenen 16 Mann half auch der Stadtwald von Revierförster Andreas Wacker mit vier Mann mit – in den Höhenorten waren zudem vier Mann des Lohnunternehmens im Einsatz. Für Sicherheit sorgt auch die Technik. Neben Ketten am Lastwagen sind an den anderen Fahrzeugen sogenannte Unterwurfketten montiert. Die können ausgefahren werden und sorgen so dafür, dass auch die schwierigen und steilen Strecken befahren werden können.
Der Bad Wildbader Winterdienst hat 83 Kilometer Straße zu räumen. Dazu kommen noch die Straßenmeistereien des Landkreises Calw, die Bundes- und Landesstraßen räumen.