Im neue Teilregionalplan Windenergie könnten in Starzach weniger Windräder gebaut werden als ursprünglich geplant. (Symbolfoto) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Vize-Verbandsdirektor Peter Seiffert erklärt, was der Teilregionalplan Windenergie für Starzach bedeutet. Warum es nur noch sieben Windräder werden können und wie er „Investoren-Wildwest“ verhindert.

Die Gemeinderatsitzung. Die Besucherränge voll mit Gegnern des geplanten Windparks. Bürgermeister Thomas Noé pampt teilweise die Gegner an. Doch dann gibt es neue Nachrichten: Der neue Teilregionalplan Windenergie könnte bis zu drei der geplanten zehn Windräder kippen.

 

Peter Seiffert, Vize-Verbandsdirektor des Regionalverbands Neckar-Alb, sagt, was der neue Teilregionalplan Windenergie für Starzach bedeutet.

So groß haben die Stadtwerke Tübingen die Potenzialflächen für Windkraft in Starzach gesehen. Auf 240 Hektar war der Windpark geplant. Foto: SWT/LUBW

Die Planungen der Stadtwerke Tübingen gehen von bis zu zehn Windrädern auf 240 Hektar aus. Doch der Regionalverband Neckar-Alb hat die Vorrangfläche für Windkraft mit einem Abstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung geplant. Seiffert sagt: „Damit fallen – je nach Planung – zwischen zwei und drei der bisher geplanten Anlagen raus.“

Der Vize-Verbandsdirektor betont, das das jetzige Verfahren die einzige Chance ist, eine Art „Windkraft-Investoren-Wildwest“ zu verhindern.

Verträge mit Grundstückseigentümern

Seiffert sagt: „Der Gesetzgeber hat uns die Möglichkeit gegeben, mit dem Teilregionalplan Energie 1,8 Prozent der Fläche für Windkraft festzulegen. Wenn wir dieses Ziel nicht schaffen, dann wären Windkraftanlagen an jeder Stelle möglich. Wenn der Regionalverband diese Steuerungsmöglichkeit verliert, reiben sich die Projektentwickler für Windparks die Hände. Die sind jetzt schon unterwegs auf den Flächen, wo wir Entwürfe haben. Teilweise gibt es auch schon Vorverträge mit privaten Grundstückseigentümern.“

Der Regionalverband plant lediglich 171 Hektar für Windkraft auf Starzacher Gebiet. So könnten bis zu drei der bisher geplanten Windräder wegfallen. Foto: Regionalverband Neckar-Alb

Und genau das trifft auch auf den geplanten Windpark in Starzach zu. Ein privater Waldbesitzer hatte schon Verträge mit den Stadtwerken Tübingen gemacht, ehe die Gemeinde mit einbezogen wurde. Doch diese Pläne werden jetzt durch den Regionalverbandsplan beschnitten, wie Seiffert bestätigt: „Wir haben jetzt eine gemeinsame Fläche auf den Gebieten von Haigerloch, Starzach und Rangendingen. Mit 1000 Meter Abstand zu Siedlungen. Davon liegen auf Rangendinger Fläche 31 Hektar, 171 Hektar auf Starzacher Gemarkung.“

Mit 240 Hektar geplant

Die Stadtwerke Tübingen hatten ihre Windkraft-Planung laut der Homepage auf 240 Hektar gemacht. Die Folge der Verkleinerung, so Seiffert: „Zwei bis drei Windkraft-Anlagen dürften wegfallen. Das wurde auch den Stadtwerken Tübingen so kommuniziert.“

Gemeinderätin Susanne Ast-van de Loo (ULS) meint: „Warum haben wir das Pferd von hinten aufgezäumt? Erst den Gestattungsvertrag beschlossen, ehe klar war, welche Flächen notwendig sind?“ Bürgermeister Thomas Noé sagt: „Wir haben uns rechtzeitig in den Prozess eingebracht, damit die Gemeinde möglicherweise einen Mehrwert hat. Nicht dass man hinterher andere hat, die sagen, wie man den Windpark konfiguriert. In den Nachbarregionen gibt es Fälle, wo die Stuttgarter Stadtwerke das mit den Stadtwerken Stuttgart privat gemacht haben.“

Andere Windparkprojekte?

Gemeinderat Manuel Faiß (BVS) fragt: „Könnten rein theoretisch noch andere Windparkprojekte in Starzach stattfinden?“ Seiffert meint: „Wenn der Teilregionalplan Energie so beschlossen wird, ist es nicht möglich, auf privater Fläche weitere Windräder zu bauen. Der Investor kann nicht kommen und sagen: Ich habe einen Vertrag mit privaten Eigentümern, ich baue.“

Gemeinderäte Ast-van de Loo will wissen, was die Einsprüche gegen den Teilregionalplan Windenergie bringen. Die können noch bis zum 11. April eingelegt werden. Seiffert sagt: „Die Anzahl der Ansprüche macht das Argument nicht gewichtiger. Ob 10.000 Bürger schreiben oder einer: Der Rotmilan ist wichtig, macht in sofern keinen Unterschied. Der Regionalverband wägt jedes Argument einzeln ab und klärt es in unsicheren Fällen auch mit den Fachbehörden ab.“

Noé attackiert Bürger verbal

Die Besucherplätze im Gemeinderatssaal waren offenbar gut besetzt mit Windkraft-Gegnern aus Starzach. In der Fragestunde wurde Bürgermeister Noé teilweise deutlich und fuhr Verbalattacken gegen die Bürger: „Ich werde ja auch nicht Ihren Gewerbesteuerbescheid veröffentlichen.“ Oder: „Ihren juristischen Rat werde ich nicht annehmen.“ Der Grund: Offenbar wurde Noés Familie wieder privat angegriffen.