Ernährungsberater Sven Bach im Großen Hau bei Rexingen. Er sagt: „Hier Windräder – das ist so, als ob man mir das Herz rausreißen würde.“ Foto: Jürgen Lück

Der inzwischen bundesweit bekannte Ernährungsberater und Unternehmer Sven Bach spricht über das „Waldjuwel“. Der Große Hau könnte für Windkraft fallen. Wie das sein Leben verändern und seine Seele und Familie belasten würde.

Die Politik redet über „erneuerbare Energien“. Der Nabu über Artenschutz und Ökologie. Der Rexinger Sven Bach sagt, wie Windkraft auf dem Großen Hau sein tiefstes Inneres und seine Seele treffen würde.

 

Treffpunkt Jakobshütte. Die Sonne scheint. Sven Bach steigt aus und will gleich loslaufen. Was sagt er zu den Plänen, dass der Große Hau Fläche für Windkraft werden soll? Bach: „Ich kann das nicht nachvollziehen. Acht Windräder würden den kompletten Wald zerschneiden. Für mich wäre das so, als ob man mir ein Teil vom Herzen rausreißen würde.“

„Der Fettsack“ – Bach erzählt seine Geschichte Sven Bach ist inzwischen bundesweit bekannter Ernährungsberater aus Horb-Rexingen. In seinem Buch „Der Fettsack“ schildert Sven Bach, wie er sich vom kleinen, dicken Jungen in Rexingen zum Vorbild für Schlanksein, Gesundheit und Ernährung entwickelte.

Bach: „Ich war ein Einzelkind und hatte starkes Übergewicht. In der Schule hieß es: Der Junge vom Bach. Er hat seinen Vater verloren. Er ist fett und ein bisschen dumm.“

Im Waldjuwel startete der Wendepunkt im Leben 1994 fing er genau hier an der Jakobshütte zu laufen an. Sven Bach: „Bis hinten nach Bittelbronn ist die Strecke zwischen 9,8 und 12 Kilometer lang. Meine Mutter hat immer gesagt, wenn ich heim kam: Der Junge ist wie verzaubert.“

Sven Bach vor der Jakobshütte am Waldjuwel Großer Hau. Hier startete er als Junge den Weg in ein neues Leben. Foto: Jürgen Lück

Zwei Jahre später war das Fett weg. Sven Bach: „Mit 20 habe ich dann bei der Post gearbeitet. Ich habe mich gefragt: Ist das meine Zukunft? Und ich bin immer wieder im Waldjuwel gelaufen. Die Natur, die frische Luft – sie hat mir richtig Power gegeben. Und das ganze hat in mir die Antworten entstehen lassen. Deshalb habe ich eine ganz starke emotionale Bindung zu genau diesem Wald.“

Das Waldgebiet verzaubert auch seine spätere Frau 2004. Das erste Rendezvous daheim in Rexingen mit seiner späteren Frau. Sven Bach: „Ich habe sie vom Bahnhof Horb abgeholt – ein schöner Tag wie heute im Oktober. Wir sind direkt hierher gefahren und haben eine Spaziergang gemacht. Weil es hier so schön und inspirierend ist.“ Sie wohnte damals in Stuttgart. Bach: „Für sie war es damals Utopie, aufs Dorf zu ziehen. Wir haben es zwei Jahre in Stuttgart probiert. Doch der Große Hau, die Natur – das hat dann doch bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und so sind wir dann in mein Elternhaus eingezogen.“

Windräder? „Dann ist es hier wie in der Großstadt“ Inzwischen wohnt Familie Bach im Obergeschoss. Der Ernährungsberater: „Meine Tochter hat hier vor der Jakobshütte das Radfahren gelernt. Meine Frau sagt immer: Wenn die oben in den Großen Hau Windräder reinbauen, dann will ich nicht mehr in Rexingen bleiben. Dann ist es hier wie in der Großstadt. Und so geht es vielen Stuttgartern, die hierher nach Rexingen gezogen sind. Sie suchen die Natur, genießen die Ruhe und die besondere Atmosphäre, die das unzerschnittene Stück Wald des Großen Hau bietet.“ Sven Bach zeigt auf den Mann im Anzug, der gerade in sein Auto steigt: „Man sieht, hier kommen viele her, die einfach mal den Kopf freibekommen wollen im Waldjuwel. Und weil das Waldgebiet kaum Steigungen hat, gibt es auch viele Senioren, die hier mit ihren Stöcken unterwegs sein können.“

Die Karte zeigt die Vorrangflächen für Windkraft, die der Regionalverband Nordschwarzwald für Horb vorschlägt. WF 14 ist der Große Hau. Foto: Nabu/Regionalverband Nordschwarzwald

Wie das Waldjuwel sein Arbeitsleben beeinflusst Inzwischen ist Sven Bach Geschäftsführer der Esswert GmbH mit elf Mitarbeitern. Der Ernährungsberater sagt: „Ich habe auch Wissenschaftler im Team, die mir bestätigen, dass naturwissenschaftlich bewiesen ist, dass der Wald für Kopf und Körper so wirksam ist wie Medizin.“

Nach dem zunächst erfolgreichen Kampf gegen einen Windpark auf dem Großen Hau hatten die Bürger das Gebiet mit Themenwegen zum Waldjuwel Foto: Nabu

Das Waldjuwel in Horb-Rexingen. Ein zentrales Element im Leben und der Seele von Sven Bach. Er sagt: „Deshalb gibt es bei mir zwei Einstellungstests: Wer sich bewirbt, muss mit mir essen gehen. Und wir joggen gemeinsam durch das Waldjuwel. Ich muss sehen und spüren, ob meine Mitarbeiter meine Werte leben.“

Das sagt der Nabu Horb zu den Argumenten von Sven Bach

Lambert Straub, Vorsitzender des Nabu Horb
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, ein noch ein intaktes örtliches Naherholungsgebiet zu haben. Klimabewusstes Verhalten macht es erforderlich, dass die Menschen sich nicht nur bei der Ernährung regional orientieren, sondern auch bei ihren Freizeitaktivitäten. Wie Sven Bach es schon anspricht, wird das im Waldjuwel in einzigartiger Vielfalt geboten: Natur erleben und entdecken mit der enormen Artenvielfalt in dem Gebiet. Die Stille, die saubere Luft. Dazu bietet der große Hau inmitten der Naturschutzgebiete Dießener Tal und Osterhalde Kühlung im Sommer und Kälteschutz im Winter. Das ist der Beitrag des Waldjuwels zur Erholung und Gesundheit.

Vortrag
Am Mittwoch, 28. Februar, um 18.30 Uhr spricht Johannes Enssle, Nabu-Landesvorsitzender, über das Thema „Wald im Klimawandel“ im Nabu-Haus Horb in der Weingasse 3. In der anschließenden Diskussion wird es sicherlich auch um das Waldjuwel in Rexingen gehen.