Nachhaltigkeit ist ein Thema. Foto: Romolo Tavani - stock.adobe.com

Die Pachteinnahmen können bis zu 50.000 Euro je Megawatt betragen. Allerdings sollen dies die neuen Mandatsträger entscheiden.

Soll die Stadt eigene Flächen auf dem Dickeberg für Windkraftanlagen verpachten? Eine Mehrheit des Bergfelder Ortschaftsrats sah sich bei der Sitzung am Mittwoch im Foyer der Dickeberghalle nicht in der Lage, die Frage zu beantworten.

 

Stattdessen wird, so der nach längerer Diskussion gefasste Beschluss, der Gemeinderat gebeten, eine Entscheidung bis nach den Kommunalwahlen am 9. Juni zu vertagen.

Gemeinderat entscheidet über Zuschlag

Im Gebiet Dicke hat der Regionalverband Vorrangflächen für Windkraft, insgesamt 230 Hektar, festgelegt, ein Großteil davon sind im kommunalem Besitz. Wie Bürgermeister Jens Keucher und der Beigeordnete Hans-Peter Fauser, die beide an der Sitzung am Mittwoch teilnahmen, mitteilten, liegen fünf Angebote von Projektieren vor.

Diese werden jetzt noch auf drei reduziert. Wer und ob überhaupt einer von ihnen den Zuschlag bekommt, muss der Gemeinderat entscheiden.

50.000 Euro je Megawatt

Um wen es sich handelt, teilte Bürgermeister Keucher nicht mit. Bei den Vorhaben geht es um vier bis sechs Anlagen mit Gesamthöhen zwischen 261 und 270 Metern und einer Leistung zwischen vier und 7,2 Megawatt.

Es geht dabei auch um lukrative Pachteinnahmen für die Stadt. Ortsvorsteher Martin Sackmann sprach von 50.000 Euro je Megawatt. die der Einwohnerschaft zugute kommen werden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn die Anlagen auf privaten Flächen, die es auch dem Dickeberg auch gibt, gebaut würden.

Sondersitzung am 3. Juni

Sackmann räumte ein, dass viele Bedenken gegen Windkraftanlagen auf dem bewaldeten Bergrücken berechtigt seien. Wenn es jedoch zur Verpachtung kommen sollte, dann auf städtischen Flächen, „damit jeder etwas davon hat“.

Keucher versicherte wiederholt während der Sitzung, dass er keinen Pachtvertrag unterschreibe, bevor die Bürger nicht umfassend informiert seien.

Eine wesentlich Bedingung ist auch, dass der Mindestabstand von 1000 Metern zur Ortschaft eingehalten wird. Am 3. Juni soll zum Thema Windkraft eine Sondersitzung des Gemeinderats stattfinden.

Mogelpackung Windkraft?

Doch wozu die Eile? Das war zuvor bei der Bürgerfragestunde moniert worden. Eine Reihe von Ortschaftsräten sah sich nicht in der Lage, jetzt schon eine Empfehlung abzugeben. „Die Empfehlungsentscheidung sollten wir vertagen, bis der neue Ortschaftsrat gewählt und eingesetzt ist“, schlug Alexandra Rau vor.

Ernst Schmid, der Windkraft ohnehin für eine „Mogelpackung“ hält, wies auf die Folgen des Eingriffs in den Wald hin. Er befürchtet, dass sich die Thermik verändert und damit auch weniger Regen fällt, auch könnte sich am Boden das Kleinklima verändern.

Vier bis sechs Anlagen

Durch Schneisen würden außerdem noch mehr Sturmschäden entstehen. Er will die Entscheidung ebenfalls der neuen Gremium überlassen: „Ich will der nächsten Generation nicht die Suppe versalzen.“

Frank Eberhardt vermisst bis zum jetzigen Zeitpunkt konkrete Aussagen zu geplanten Windkraftanlagen. Wo liege die Grenze für die Zahl der Anlagen?

Keucher versicherte, dass nicht die gesamte Vorrangfläche benötigt werde. „Es geht um vier bis sechs Anlagen, nicht um mehr“, betonte er. Sackmann ergänzte: „Wenn später weitere Anlagen gebaut werden sollen, dann gibt es einen weiteren Beschluss.“ Auch forderte er, dass der Ortschaftsrat erneut angehört wird und gegebenenfalls noch die Möglichkeit habe, nein zu sagen.

Meinungsänderung nach Info-Veranstaltung?

Bürgermeister Keucher lud das Bergfelder Gremium zur Sitzung am 3. Juni, auch zum nichtöffentlichen Teil, ein.

Bei der Bürgerfragestunde ist auch eine Bürgerentscheid gefordert worden. Timo Harpain ist skeptisch: In dem Fall werde gesamtstädtisch entschieden. Er glaubt auch nicht, dass eine Infoveranstaltung zu einem Meinungswechsel führt oder die Entscheidung in drei Monaten eine andere sein würde als jetzt.

Axel Grathwol ist nicht der Meinung, dass alle Bergfelder gegen Windkraft seien. Dass Vorrangflächen auf der Dicke ausgewiesen sind gefällt, auch ihm nicht. Die Stadt könne jedoch mit den Projektierern verhandeln.

Neue Räte sollen entscheiden

„Saublöd“ wäre es, wenn diese auf privaten Flächen ihre Vorhaben realisierten. Grathwol distanzierte sich auch von einigen Wortmeldungen der rund 100 Zuhörer im Raum: „Die Stellungnahmen gingen teilweise unter die Gürtellinie.“

Über den Antrag von Alexandra Rau wurde abgestimmt: Sechs Ortschaftsräte und damit die Mehrheit waren dafür, dass mit der Entscheidung über die Verpachtung städtischer Flächen für Windkraft so lange gewartet werden soll, bis die neuen Mandatsträger gewählt sind