Das hölzerne Runddach der Empore in der Martinskirche hat akustisch die Klänge des Weihnachtskonzerts veredelt. Foto: Barbara Szymanski

Die Kantorei der Martinskirche, ihre Solisten und das Schwarzwald Kammerorchester haben bei ihrem Weihnachtskonzert einen ambitionierten Mix gewagt – und damit reüssiert: Das Publikum war beseelt.

Weihnachten kann kommen. Die Zuhörer in der Martinskirche sind bestens eingestimmt mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, das srahlend und kraftvoll so beginnt: „Jauchzet, frohlocket“.

 

Lippen bewegen sich, Schultern werden angehoben, am liebsten möchte man einstimmen in das melodisch saubere Klangfundament der Kantorei der Martinskirche und das Spiel des Schwarzwald Kammerorchesters mit seinem vorwärtsdrängenden Impetus. Das alles unter dem Dirigat des Kantors Steffen Mark Schwarz.

Der Chor hat sich selbst übertroffen

In diesem weltberühmten Chorstück durften die vielen Zuhörer noch einmal schwelgen, und zwar als Zugabe. Der Schlussapplaus war nicht nur deshalb ungewöhnlich temperamentvoll – es wurde sogar getrampelt. Denn beschenkt wurden die Zuhörer in diesem vorweihnachtlichen Konzert auch mit dem „Winter“ aus Antonio Vivaldis „Vierjahreszeiten“ und seinem unvergänglichen Reiz, sowie zwölf Abschnitten seines bedeutenden geistlichen Werks „Gloria in D-Dur“. Dazu schreibt Schwarz im Programm unter anderem von „festlich-erhabenen Sätzen und zart-durchsichtig instrumentierten Solo-Passagen und reichhaltigen Kontrasten“.

In der Tat haben sich der Chor, dessen Sopranpartien seine Stimmbildnerin Karena Fujita unterstützte, fast schon selbst übertroffen bei diesen drei Werken. Genauso bemerkenswert: Das Zusammenwirken dieses ambitionierten Klangkörpers mit dem Schwarzwald Kammerorchester, seinen namhaften Solisten und deren exquisiter Virtuosität. Sie wirken mit beim SWR-Symphonieorchester sowie den Münchner Philharmonikern und anderen bedeutenden Ensembles.

Spielerisch, lebhaft und ergreifend sind die Darbietungen im Ebinger Gotteshaus

Beim Weihnachts-Oratorium, von dem der erste Teil aufgeführt wurde, entfalten sich die Stimmen der Sänger bei Arien und Rezitativen. Besonders erwähnt seien die Solopartien des 24-Jahre alten Tenors Martin Höhler, der mühelos fast schon den hellen, klaren Klang und das Falsett eines Countertenors erreicht. Es berührt, wie er die Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen erzählt, und die verletzlichen gesanglichen Soli auf ungewöhnliche Art interpretiert – spielerisch lebhaft und doch ergreifend innig.

Mezzo-Sopranistin Anna-Maria-Haberberger überzeugt ebenso, und zwar mit ihrer tragfähigen und variablen Stimme mit Wärme in der Tiefe und Leuchten in der Höhe. Ein Erlebnis ist auch der Zweigesang mit Karena Fujita in Nummern von Vivaldis Gloria. Dunkel gefärbt, mitunter leichtfüßig und kraftvoll in hohen Passagen beim Oratorium, formuliert Bass-Sänger Benedikt Lutz die Arien und erreicht dabei oft die Stimmlagen von Bass und Bariton gleichermaßen.

Die Teamarbeit ist effizient und bravourös

Allen Solisten, auch und vor allem den Instrumentalisten, ist der Reichtum melodischer Kunst und effiziente, bravouröse Teamarbeit eigen. Wieder einmal hat sich gezeigt, wie positiv sich die Akustik dieses erhaltenswerten Kirchenraums mit seiner hölzernen Kuppel über der Empore bei solch anspruchsvollen Tonwerken auswirkt: kein Nachhallen, es bleibt beim differenzierten Höreindruck.

Nur langsam leert sich die Martinskirche nach dem stürmischen Applaus und der beeindruckend leuchtend musizierten Zugabe „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage.“