Die Kantorei und das Stiftsorchester führen unter der Leitung von Laura Škarnulyté­ das Weihnachtsoratorium in der Stiftskirche auf. Foto: Endrik Baublies

Die evangelische Kantorei, die Jacobuskantorei, das Stiftsorchester und vier Solisten füllten am Sonntagabend die Stiftskirche in Lahr. Unter der Leitung von Laura Škarnulytė begeisterten die Musiker mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach.

Das Weihnachtsoratorium (BWV 248) gehört zu den bekanntesten Werken Bachs, der das sechsteilige Werk im Jahr 1734 als Thomaskantor in Leipzig komponiert hatte. Chor, Orchester und die Solisten – Natalia Ortega Marti (Sopran), Viola de Galgóczy (Alt), Jonathan Hartzendorf (Tenor) und Johann Kavelage (Bass) – haben am Abend des dritten Advents den ersten, den vierten und den sechsten Teil in der Lahrer Stiftskirche aufgeführt.

 

Martin Groß, der am Abend die Truhenorgel spielte, stellte die Bedeutung der vertonten Weihnachtsgeschichte, wie sie im Lukas-Evangelium zu finden ist, nach dem ersten Teil vor. Bach, der Mitte der 1730-er-Jahre auf der Höhe seiner Schaffenskraft war, „schwankt in dem Werk zwischen Himmel, Hölle, Tod und Teufel“. Das Ensemble habe, so der Organist weiter, die drei Teile auch einstudiert, da es einen Bezug zur Gegenwart gebe. Gemeint sei damit der Krieg in der Ukraine und der Konflikt im Gazastreifen. Groß erinnerte daran, dass Bach selbst noch die Folgen des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) erlebt hatte. Zudem war Bach Zeitzeuge der schlesischen Kriege (Mitte der 1740-er-Jahre). Aber: Wo ein Schatten fällt, muss irgendwo ein Licht leuchten. Das Oratorium bietet eine Perspektive des Friedens. Der Organist wünschte sich am Ende, dass die Zuschauer mit einer friedlichen Stimmung nach dem Konzert in der voll besetzten Kirche nach Hause gehen könnten.

Der Chor, die Solisten und das Orchester bildeten eine Einheit

Dass dieser Wunsch erfüllt gehen konnte, lag nicht zuletzt an der Darbietung von Chor, Sängern und allen Musikern. Laura Škarnulyté hatte die Aufgabe der Kantorin vorübergehend übernommen. Für dieses Engagement wurden die gebürtige Litauerin von allen Zuschauer reich belohnt. Das, was die Musiker unter ihrer Leitung boten, war eine eindrucksvolle Leistung. Die Stimmen des Chores, die Solisten – alle ohne Mikrofon – und das Orchester bildeten eine Einheit. Das überaus anspruchsvolle Werk kam so sehr gut zur Geltung.

Die Geschichte endet mit Hoffnung und „der frohen Botschaft“

Schon der bekannte Auftakt – „Jauchzet, Frohlocket, auf, preist die Tage, rühmet, was heute der Höchste getan“, von Chor und Orchester, riss förmlich mit. In der Literatur heißt das „in medies res“, frei übersetzt: Die Geschichte beginnt unmittelbar.

Der Evangelist Lukas soll zudem ein guter Erzähler gewesen sein. So ist der Anfang der Weihnachtsgeschichte längst ein Klassiker. Bei Bach ist es die Singstimme des Evangelisto: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augusto ausging, dass alle Welt geschätzt wurde.“ Lukas fand dazu in Martin Luther einen sprachgewaltigen Übersetzer. Die heute eigentlich nicht mehr so ganz übliche Übersetzung passte jedoch genau zu der Art, wie Dirigentin, Musiker und Sänger das Oratorium in der Stiftskirche einstudiert und aufgeführt haben.

Die Geschichte endet versöhnlich mit Hoffnung: Die Stimme des Gläubigen verkündete am Ende die „frohe Botschaft“: „Was will der Hölle Schrecken nun, was will uns Welt und Sünde tun, da wir in Jesu Hände ruhn?“

Der Komponist

Johann Sebastian Bach wurde am 31. März 1685 in Eisenach geboren und war ein deutscher Komponist, Violinist und Cembalist. Seine Kompositionen begeistern noch heute.