Der Hubschrauber muss möglichst dicht über den Baumwipfeln fliegen, um den Kalk über dem Wald abzuladen. Foto: Krämer

In den kommunalen und privaten Wäldern im Landkreis hat es in den letzten Wochen ordentlich gestaubt – nicht nur wegen der allgemeinen Trockenheit. Zwei Hubschrauber haben Kalk abgeworfen, aber warum?

Kreis Freudenstadt - Organisiert wurde die Aktion von Stefan Krämer, Sachgebietsleiter beim Kreisforstamt Freudenstadt und Ansprechpartner für die Bodenkalkungen im Landkreis. Für die Aktion hatte er eine Fläche von rund 1500 Hektar ausgesucht, basierend auf Daten der Forstlichen Versuchsanstalt, die Bodenproben entnommen und den jeweiligen Kalkungsbedarf ermittelt hatte.

 

Die Kosten für die Waldkalkung im Privatwald, erklärt Krämer, werden von Bund, Land und EU gefördert, die Kommunen müssten zehn Prozent der Kosten selbst tragen.

Der Bodenversauerung entgegenwirken

Und so kreisten in den vergangenen Wochen zwei Hubschrauber über Freudenstadt und verstreuten den Kalksand, der aus dem Steinbruch in Empfingen stammt und von der Firma Gfrörer mit Lastwagen in das jeweilige Waldgebiet gekarrt wurden, über dem Lauterbad, dem Palmenwald und dem Kienberg. In Loßburg wurden ein Waldgebiet beim Vogteiturm sowie der Stiftungswald in Schömberg gekalkt. In Dornstetten lag der Schwerpunkt im Stadtwald. Auch hier wurden Privatwälder in die Aktion einbezogen. Das größte Gebiet lag in Grömbach, wo auf der gesamten Gemarkung gekalkt wurde.

"Mit der Waldkalkung wollen wir der Bodenversauerung entgegenwirken, die vor allem durch Luftschadstoffe entstanden ist", erklärt Krämer. Die natürliche Düngung helfe den Bäumen, vermehrt Wurzeln zu bilden und so Nährstoffe und Wasser aus dem Boden besser aufzunehmen. "Die Bäume werden vitaler und widerstandsfähiger", weiß der Forstfachmann, der nun hofft, dass der gekalkte Wald besser gegen Trockenheit und Schädlinge gewappnet ist und seine wichtige Funktion als Trinkwasserspeicher und Erholungswald erhalten werden kann. "Es geht darum, dass der Wald stabil bleibt", betont Krämer.

Die meiste Zeit optimales Flugwetter

Über den ausgewählten Gebieten wurde ein sogenannter Dolomitkalk abgeworfen – je nach Bodenbeschaffenheit angereichert mit zertifizierter Holzasche. "Eine unglaublich staubige Angelegenheit", wie Krämer bemerkt. Nun warte man dringend auf Regen, damit der Kalk in den Boden einziehen kann. Die meiste Zeit hatten die beiden Hubschrauberpiloten von der Helix Fluggesellschaft in Neuenstein optimales Flugwetter.

Einer von ihnen ist Achim Widmann, Berufshubschrauberpilot und Flugausbilder. Acht Stunden lang saß er pro Tag in seinem Heli, sofern es das Wetter erlaubte. Alle paar Minuten hat er den mit einem Seil am Helikopter angebrachten Streukübel auf dem Boden abgesetzt. Der wurde dann mit Hilfe eines Radladers mit etwa einer Tonne Kalk gefüllt. Damit keine wertvolle Zeit verloren ging, musste der Kübel stets exakt an derselben Stelle platziert werden. Um die zu finden, diente dem Piloten lediglich ein Außenspiegel. Fingerspitzengefühl war also gefragt. Dann ging es schnell wieder in die Luft, um die nächste Linie zu fliegen und den Kalk möglichst dicht über den Baumwipfeln abzuwerfen. Das dauerte maximal zwei Minuten. Dann war der Streukübel leer und die nächste Ladung musste abgeholt werden.

Bildschirm zeigt Fluglinien an

Doch woher weiß ein Pilot überhaupt, wo genau er schon entlang geflogen ist und welche Fläche noch nicht gekalkt ist? Ganz einfach, erklärt Widmann und deutet auf die Flächendatei auf dem Bildschirm im Cockpit. Es zeigt ihm genau an, wo sich der Hubschrauber gerade befindet. "Ich kann meine Fluglinie mit verfolgen", erklärt Widmann. Sämtliche Linien, die er bereits geflogen ist, sind auf dem Bildschirm ebenfalls zu sehen. Am Ende des Tags reiht sich dort Linie an Linie.