Informierten über die kommunale Wärmeplanung (von links) Thomas Gärtner (Leiter Amt für Stadtentwicklung), Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Günther, Klimaschutzmanager Daniel Fenslein und Fabian Roth (MVV Regioplan). Foto: Schwarz

Über den Stand und die Ziele der kommunalen Wärmeplanung informierte die Stadt Freudenstadt bei einer öffentlichen Veranstaltung im Campus Schwarzwald. Das Interesse vonseiten der Bürger an dem Informationsabend war eher verhalten.

Nur gut 20 Zuhörer nutzten am Freitagabend die Gelegenheit, sich über den Stand und die Ziele der kommunalen Wärmeplanung bei der öffentlichen Infoveranstaltung mit Vertretern des Amts für Stadtentwicklung, der Stadtwerke und des beauftragten Planungsbüros MVV Regioplan aus Mannheim zu informieren.

 

Ziel der Planung sei es, so Geschäftsführer Peter Günther von den Stadtwerken, die Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen und die erneuerbaren Energien bis 2030 – auf Basis der Zahlen aus 2021 – zu verdoppeln. Das erfordere eine Verdreifachung der Investitionen in die Stromnetze, was ungefähr einem jährlichen Betrag von bis zu fünf Millionen Euro entspreche.

Klimaschutzmanager Daniel Fenslein berichtete über die Aktivitäten der Stadt in Richtung Klimaneutralität. Dazu gehört die Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts genauso wie die Beteiligung der Stadt am Forschungsprojekt „ReduCO2“ und die Umsetzung des Teilregionalplans Nordschwarzwald in Sachen Wind- und Solarenergie.

Planer bremst Erwartungen

Fenslein betonte, dass die Stadt zur kommunalen Wärmeplanung – mit Beteiligung der Öffentlichkeit – gesetzlich verpflichtet ist und dafür auch eine Förderung von 66 000 Euro erhält. Die im Zuge der Planung konkretisierten Maßnahmen würden am Ende vom Gemeinderat entschieden. Im Oktober 2022 hatte die Verwaltung den Auftrag zur kommunalen Wärmeplanung erteilt und die Firma MVV Regioplan beauftragt. Im Anschluss folgte eine Bestands- und Potenzialanalyse mit Befragung der Gewerbetreibenden hinsichtlich der möglichen Nutzung von Abwärme. Danach wurden die Eignungsgebiete für potenzielle Wärmenetze festgelegt.

Fabian Roth von MVV Regioplan bremste die vielleicht zu hohen Erwartungen einzelner Besucher an die Wärmeplanung, indem er klarstellte, dass es sich aktuell um eine rein informelle Planung handle, bei der es nicht darum gehe, Gebäudegrenzen festzulegen oder die konkreten Versorgungsmöglichkeiten einzelner Gebäude zu betrachten. Das Ganze diene vielmehr als Leitplanung und Orientierungshilfe auf dem Weg zur Klimaneutralität Freudenstadts.

Für die Bestandsaufnahme wurden zunächst alle erforderlichen Daten herangezogen und die Wärmedichte ermittelt. Darauf basierend wurden Eignungsgebiete lokalisiert. Diese wurden – je nach vorhandener Infrastruktur und Wärmebedarf – unterschieden nach Wärmenetzgebieten, dezentralen Eignungsgebieten und Prüfgebieten. In der Potenzialanalyse wurden dann Potenzialtypen wie die Solarthermie, Geothermie oder Biomasse betrachtet und die sich daraus ergebenden Potenziale errechnet.

Beschluss im Juni

Darauf basierend wurden Prognosen hinsichtlich des künftigen Wärmebedarfs erstellt und es wurde ermittelt, mit welchen Energieträgern beziehungsweise welchem „Wärmemix“ dieser gedeckt werden könnte.

Abschließend folgt die Handlungsstrategie für die Umsetzung. Roth erläuterte das Vorgehen und informierte über die konkret ermittelten Daten, die ab sofort digital abgerufen werden können. Im nächsten Schritt wird festgelegt, wie die unterschiedlichen Eignungsgebiete künftig versorgt werden können. Danach werden für jedes Eignungsgebiet Steckbriefe mit allen relevanten Informationen erstellt und ein Maßnahmenkatalog erarbeitet. Die Endfassung der Wärmeplanung beschließt der Gemeinderat im Juni.

Spärlich besetzt: Das Interesse aufseiten der Einwohner am Infoabend war sehr überschaubar. Foto: Schwarz

Aus den Reihen der Zuhörer wurde angeregt, anstatt der Freiflächenphotovoltaik lieber auf aufgeständerte Photovoltaikanlagen auf kommunalen und Firmenparkplätzen zu setzen. Angeregt wurde zudem eine Wärmegenerierung aus Abwasser.

Ein Zuhörer kritisierte die fehlende Photovoltaikanlage auf dem Krankenhaus. Fehle dafür das Geld, könnte eine Bürgergenossenschaft helfen, das Projekt zu verwirklichen, sagte er. Er monierte zudem die zu hohen bürokratischen Hürden bei der Installation von privaten Solarpaneelen.

Ob und wann grüner Wasserstoff in die Gasnetze vor Ort eingespeist werden kann, konnte Stadtwerke-Chef Peter Günther nicht konkret voraussagen. Vom Wasserstoff profitiere – Stand heute – nicht in erster Linie der private Nutzer, sondern die Industrie und der Verkehr, ergänzte Fabian Roth. „Heute auf eine Wasserstoffheizung in einem Wohngebiet zu setzen, ist deshalb schwierig.“

Thomas Gärtner erwähnte Studien, wonach der Strombedarf in Zukunft um bis zu 40 Prozent steigt. Deshalb brauche es einen Strommix, der darauf reagiere.

Bürgerbeteiligung zur Wärmeplanung

Einsichtnahme
Die Stadt Freudenstadt startet eine Bürgerbeteiligung zur Kommunalen Wärmeplanung. Die Bestands- und Potenzialanalyse des Büros MVV Regioplan ist unter www.freudenstadt.de/waermeplanung abrufbar und liegt im Technischen Rathaus zur Einsichtnahme auf.

Vorschläge
Das Büro MVV hat 29 Eignungsgebiete in der Gesamtstadt untersucht und bewertet. Einwohner können von 25. März bis 9. April Vorschläge einreichen, entweder per E-Mail an waermeplanung@freudenstadt.de oder per Post an Stadt Freudenstadt, Amt für Stadtentwicklung, Marktplatz 64, 72250 Freudenstadt. Reaktionen der Einwohner werden im Anschluss geprüft. Sie sollen in die Planung einfließen, sofern sie umsetzbar sind.