Auf viele Haushalte in Freudenstadt könnte der Einbau einer Wärmepumpe zukommen. (Symbolbild) Foto: Tomasz Zajda - stock.adobe.com

Selbst in der Freudenstädter Innenstadt können voraussichtlich viele Haushalte nicht an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden. Das ergibt eine erste Analyse, die im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung erstellt wurde.

Es war das Aufregerthema des vergangenen Jahres: das Heizungsgesetz der Bundesregierung, das für wochenlangen Streit innerhalb der Ampel sorgte und viele Bürger verunsicherte. Angeheizt wurde die Stimmung von der Bild-Zeitung, die in fetten Schlagzeilen über „Habecks Heiz-Hammer“ polterte.

 

Was in der ganzen Aufregung schnell übersehen wurde: Das Gesetz sieht gar nicht vor, dass sich jeder Haushalt eine Wärmepumpe oder eine andere klimaneutrale Heizung anschafft. Denn zunächst sollen Städte und Gemeinden eine kommunale Wärmeplanung erarbeiten. Diese legt dann fest, welche Häuser mit Nahwärme versorgt werden können. Haushalte, die an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden, könnten sich dann die Wärmepumpe sparen.

Doch viele Freudenstädter, die auf genau diese Option gehofft haben, dürften nun enttäuscht werden. Denn laut einer ersten Analyse können selbst viele Teile der Kernstadt nicht an eine zentrale Wärmeversorgung angeschlossen werden. Und auch für die meisten Gebiete außerhalb der Kernstadt sieht es eher schlecht aus.

Ernüchterndes Ergebnis

Das geht aus einer Bestands- und Potenzialanalyse hervor, die in der Gemeinderatssitzung am Montagabend präsentiert wurde. Das Ergebnis wurde mit einer Karte anschaulich gemacht. Das Stadtgebiet wurde dabei in drei Kategorien aufgeteilt: Gebiete, wo Nahwärme möglich ist (in unserer Grafik grün), Gebiete, die dezentral, also zum Beispiel mit einer hauseigenen Wärmepumpe, versorgt werden müssen (rot) und sogenannte Prüfgebiete (gelb), wo derzeit noch offen ist, welche Lösungen sich anbieten.

Somit war auf einen Blick erkennbar, dass die Planer für einen Großteil der Stadt Nahwärme für keine realistische Lösung halten. Dass das ein eher ernüchterndes Ergebnis ist, musste auch Oberbürgermeister Julian Osswald (CDU) eingestehen. „Die Eignungsgebiete sind sehr überschaubar“, meinte Osswald mit Blick auf die Karte. Dabei ist auch ihm bewusst: „Wir erleben eine hohe Erwartungshaltung der Bürgerschaft, was die Wärmeplanung angeht.“

Die Karte zeigt, wo die vorläufige Planung eine Nahwärmeversorgung vorsieht und wo nicht. Foto: © mapcreator.io OSM.org/Grafik: Tobias Klemm

Dementsprechend wollten auch die Stadträte das Ergebnis nicht einfach so hinnehmen. So wandte Wolfgang Tzschupke (FWV) ein, dass es gerade in der Innenstadt viele Altbauten gebe. „Wie realistisch ist da eine zeitnahe Umstellung auf Luft-Wasser-Wärmepumpen?“, fragte Tzschupke.

Hier musste auch Fabian Roth, der das Planungsbüro in der Sitzung vertrat, zugeben: „Das ist nicht so einfach, eine sinnvolle Wärmeversorgung in so einem Bereich zu finden.“ Es fehle vor allem der Platz für Erzeugungsanlagen, um in dem Bereich ein Nahwärmenetz aufzubauen.

Doch das wollte Axel Reich (CDU) nicht gelten lassen. „Ich habe gedacht, dass zumindest für die Innenstadt eine Wärmeplanung möglich ist“, meinte Reich. In der Innenstadt gebe es viele Flächen, die für Erzeugungsanlagen geeignet seien. Als Beispiel nannte er das Gelände der Feuerwehr, die ja in ein neues Gebäude umziehen soll.

Elisabeth Gebele (BA) kritisierte wiederum, dass nicht einmal das Neubaugebiet Sonnenhalde Nahwärme bekommen soll: „Wo, wenn nicht in einem neuen Wohngebiet soll man eine zentrale Wärmeversorgung installieren?“

Noch gibt es Hoffnung

Nun war Peter Günther, der Geschäftsführer der Stadtwerke, gefragt. Er erklärte, dass eine Studie gezeigt habe, dass an der Stelle eine Geothermieanlage zu einem zu hohen Wärmepreis für die Bürger führen würde. Und bei einer Hackschnitzelheizung sei die Kapazität zu gering. Eine endgültige Entscheidung ist aber laut Günther noch nicht gefallen.

Und offenbar haben die vielen Einwände der Stadträte die Verwaltung dazu gebracht, die sowieso nur vorläufigen Pläne noch mal zu überdenken. So beabsichtigt die Verwaltung, einen Teil der Gebiete, die im aktuellen Plan noch für eine dezentrale Wärmeversorgung vorgesehen sind, in Prüfgebiete umzuwandeln. „Weitere Prüfgebiete sind denkbar“, meint Thomas Gärtner, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, auf Nachfrage unserer Redaktion.