Auch eine Nachrichtenseite aus Bosnien und Herzegowina thematisiert die Zusammenarbeit der Culum-Brüder mit einem Musiker. Foto: Eich

Als Zuhälter hat er sich in der Doppelstadt den zweifelhaften Ruf als "Rotlichtkönig von VS" erarbeitet, auch in Drogengeschäfte soll er verwickelt sein. Nun eröffnen sich für Armin Culum – besser bekannt als Boki – aber wohl ganz andere Perspektiven: In seiner Heimat ist er offenkundig in die Musikbranche eingestiegen und baut darüber offenbar Verbindungen nach Deutschland auf.

Villingen-Schwenningen - Die Atmosphäre passt eigentlich gar nicht zu den sonst protzigen und luxuriös anmutenden Aufnahmen, die Boki – oft gemeinsam mit seinem Bruder Nermin – in den sozialen Netzwerken postet. Aber das Lokal mit dem Charme eines Schnellrestaurants scheint jener Ort gewesen zu sein, an dem die Culum-Brüder der United Tribuns einen neuen Pakt geschlossen haben. Und zwar mit Musikern.

 

Buchungsmanagement übernommen

"Ab heute Abend endlich zusammen mit unseren Brüdern zu neuen Siegen und einer gesunden Zukunft. Lass es unser Weg sein, so Gott will", steht unter dem Bild, welches Sadik Hasanović jüngst gepostet hat. Denn: Die Brüder würden nun das Buchungsmanagement für den jungen Sänger aus Bosnien-Herzegowina und seine Kollegen der Band "Sandžak tapani" übernehmen.

Hasanović (44 000 Follower auf Instagram) war Final-Teilnehmer des überaus populären Musikwettbewerbs Zvezde Granda, welcher in Serbien, Mazedonien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina ausgestrahlt wird – etwa vergleichbar mit "Deutschland sucht den Superstar".

Plötzlich Auftritte in Deutschland geplant

Doch unumstritten ist der Musiker nicht – man könnte ihn gar als Skandal-Musiker bezeichnen. Denn in Serbien hat er Medienberichten zufolge lebenslanges Einreiseverbot. Der Grund: In früheren Jahren habe er, wie Clips belegen, über das Abschlachten von Serben durch Bosnier gesungen, auf Instagram verunglimpfte er die Ethnie zudem mit Hasskommentaren. Die Culum-Brüder scheint dies nicht zu stören.

Auffällig: Seit dem Boki und sein Bruder für das Management zuständig sind, kündigt der Sänger gemeinsam mit seiner Band plötzlich Auftritte in Deutschland an – während man sich zuvor größtenteils auf den Balkan beschränkt hatte. Nun sorgt die Formation am kommenden Wochenende in einem Shisha-Club in Völklingen (Saarland) für Unterhaltung und zuvor bei einer privaten Feier in Köln.

Tribuns in Köln im Untergrund verschwunden

Während das Saarland nach Auskunft des dortigen Landespolizeipräsidiums für die Tribuns ein weißer Fleck auf der Landkarte ist, sieht das für Köln ganz anders aus. Nachforschungen des Schwarzwälder Boten in der Domstadt haben ergeben, dass Bokis Jungs dort zuletzt 2015 massiv aufgetreten sind und sich unter dem Chapter – also der Ortsgruppe – "United Tribuns Nomads Belgium" vereinen.

Allerdings mussten die Tribuns gegen die Hells Angels, die in Köln traditionell das Sagen haben, den Kürzeren ziehen und sind nach Auseinandersetzungen vorerst abgetaucht. Zufall, dass ausgerechnet dort die Reise der vom United-Tribuns-Weltpräsident gemanagten Musiker hingeht und es einen Auftritt unter Ausschluss der Öffentlichkeit gibt?

Festnahmen im Umfeld der Culum-Brüder

Und auch Österreich, wo die United Tribuns mit einigen Chaptern stark vertreten sind, taucht plötzlich in der Liste der Auftrittsorte auf. "Jetzt kommt ihr überall hin", wird unter einem Beitrag den Musikern zu ihren offenbar hinzugewonnenen Einfluss gratuliert. Ob sie möglicherweise als trojanisches Pferd für weitergehende Machenschaften dienen sollen, scheint bislang unklar.

Aus dem Dunstkreis der Drogengeschäfte ist Boki übrigens offenbar immer noch nicht herausgetreten. Ende vergangenen Jahres ist eine Drogenbande aus seiner derzeitigen Heimat hochgenommen worden. An deren Kopf sitzt nach Überzeugung der Behörden ausgerechnet ein United-Tribuns-Mitglied und Vertrauter der Culum-Brüder – das beweisen Bilder in den sozialen Netzwerken, unter denen nicht verhehlt wird, dass er zur "Familie" gehört.

Verbindungen zu einem Kartell nachgesagt

Schon 2019 war Boki gemeinsam mit seinem Bruder von einem Investigativjournalisten in die Nähe von Drogengeschäften gebracht worden. So waren die Brüder nach vorliegenden Informationen mit gefälschten Pässen nach Kolumbien gereist, um eines der größten Drogenkartelle der Welt – Tito und Dino – zu besuchen. Wie unserer Redaktion berichtet wurde, hatte insbesondere Bokis Bruder schon in VS ein "feines Näschen" für entsprechende Geschäfte.

Die hiesige Staatsanwaltschaft Konstanz will sich auf Anfrage des Schwarzwälder Boten weiterhin nicht zum Fall Boki äußern, dort erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth, dass er "keine Angaben machen" könne. Und auch bei Europol – der europäischen Polizeibehörde, die in die Ermittlungen zur Verbindung der United Tribuns mit dem Kartell involviert sein soll – möchte man sich zu den möglichen Verstrickungen der Culum-Brüder in den internationalen Drogenhandel nicht äußern. Pressesprecherin Claire Georges sagt auf Anfrage unserer Redaktion: "Europol äußert sich nicht zu laufenden Ermittlungen, unabhängig davon, ob wir beteiligt sind oder nicht, um operative Verfahren nicht zu gefährden."

Weiterhin Zahlungen aus VS

Doch auch den Ermittlungsbehörden dürfte nicht entgangen sein, dass der Ex-Boxweltmeister seine Verbindungen zur alten Heimat noch nicht hinter sich gelassen hat. So gebe es aus alten Verpflichtungen heraus – wie aus dem Umfeld bestätigt wird – weiterhin Zahlungen aus einem Bordell in VS. Denn bei den Tribuns heißt es bekanntlich: einmal Brüder, immer Brüder.