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Villingen-Schwenningen Wie "Boki" mit neuer Identität im Drogengeschäft steckt

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In diesem roten Sportwagen präsentiert sich Boki in der Vergangenheit in Villingen-Schwenningen. Es wird zum Aushängeschild des Rotlichtkönigs. Foto: Polizeiarchiv

Villingen-Schwenningen - Als "Rotlichtkönig" machte sich "Boki" in VS einen Namen. Doch der per internationalem Haftbefehl Gesuchte sorgt nun in einem anderen Zusammenhang für Schlagzeilen: Der Gründer der United Tribuns soll mit einem der weltweit größten Drogenkartelle zusammenarbeiten – und zwar wohl auch dank neuer Identität. Wie sich Armin Culum auf Instagram präsentiert, warum der 46-Jährige nach einer Verhaftung wieder freigekommen ist und wer ihm aus VS noch immer Geld sendet - das alles lesen Sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

In Reihe und Glied stehen die vier Nobelkarossen der Marken Ferrari, Lamborghini und Bentley (Gesamtwert mindestens eine Million Euro) vor dem herrschaftlichen Anwesen in Sanski Most (Bosnien und Herzegowina). Es ist die Villa von Armin Culum alias "Boki", welche er stolz auf Fotos präsentiert. Der bullige Typ, der seinen tätowierten Oberkörper gerne mit Muskelshirts zur Schau stellt, scheint das Leben in seiner Heimat ganz offensichtlich zu genießen.

Zweifelhafter Ruf auch am Balkan

Die vielen weiteren Bilder, die der 46-Jährige und sein Bruder Nermin in den ­sozialen Netzwerken hochladen, lassen kaum erahnen, dass der (ehemalige) Rotlichtkönig von Villingen-Schwenningen noch immer mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Denn die Aufnahmen zeugen davon, dass sich die berüchtigten Brüder, die auch am ­Balkan einen zweifelhaften Ruf genießen, ihr Leben in offensichtlichem Protz und in vollen Zügen genießen.

Und: Hier und dort präsentieren sie sich mit den Kutten der von Boki in der Doppelstadt gegründeten und vom Verfassungsschutz beobachteten United Tribuns. Diese rockerähnliche Gruppierung kann dabei getrost als Grundstein für die illegalen Aktivitäten des ehemaligen bosnischen Profi-Boxers und seiner treuen Anhänger angesehen werden.

Denn mit der Macht der Gruppierung konnte sich Culum in VS ein Rotlichtimperium aufbauen, welches allerdings auf Menschenhandel, Zwangsprostitution und Steuerhinterziehung beruhte. Zwar kamen die hiesigen Ermittlungsbehörden den Culums auf die Spur – doch Armin und sein Cousin "Dado" konnten sich im Sommer 2009, wohl aufgrund eines Spitzels in den Reihen von ebenfalls eingebundenen auswärtigen Polizeibeamten, noch vor der groß angelegten Razzia in den betroffenen VS-Etablissements in ihre Heimat absetzen.

Kurzzeitige Verhaftung im April 2019

Für Aufsehen sorgten im April dieses Jahres schließlich bosnische Medienberichte über die kurzzeitige Verhaftung von Boki und seinem Bruder in Bosnien und Herzegowina. Denn den beiden wurden Verbindungen zu einem Mord eines in der heimischen Region bekannten Geschäftsmannes nachgesagt – die sich nach Angaben der dortigen Behörden jedoch nicht bestätigt hatten. Der Vorgang offenbarte dabei aber insbesondere: Die Culum-Brüder scheinen auf dem Balkan eine gewisse Immunität zu besitzen.

Denn der internationale Haftbefehl, der den Behörden in Bosnien sicherlich ebenso bekannt sein dürfte, wurde nicht umgesetzt. Die für die Vorgänge in Deutschland zuständige Staatsanwaltschaft in Konstanz wurde nicht mal darüber informiert, dass sich Boki in Polizeigewahrsam befand. Auch bei der internationalen Polizeiaktion "Ezel", die im Jahr 2014 Drahtzieher von Menschenhandel und Prostitution im Visier hatte, konnte sich Boki erneut einer Festnahme entziehen. Zufall? Vermutlich nicht.

Davon gehen die Medien in Bosnien ebenfalls nicht aus. Denn ganz offen wird dort die Frage gestellt, wer die Culum-Brüder beschützen würde. Quellen berichten demnach, dass sich die Polizeibehörde in deren Wohnort zunächst gar weigerte, die Brüder im Zusammenhang mit dem Mord festzunehmen. Es sei ein "offenes Geheimnis, dass einige Polizisten mit den Culums in Sanski Most Kaffee trinken", heißt es wörtlich.

Weg für weitere kriminelle Geschäfte geebnet

Wie weit der Einfluss von Boki & Co. offenbar reicht, wird aber noch im Zusammenhang mit ganz anderen Delikten deutlich. Denn das zuständige Innenministerium der Republika Srpska, die Teilstaat von Bosnien und Herzegowina ist, soll Armin Culum erlaubt haben, seine Identität zu ändern. Dies hat der bosnische Investigativjournalist Avdo Avdic offen gelegt. Demnach habe die Behörde den Antrag Culums am 26. Juni dieses Jahres bestätigt. Seit dem würde Boki ganz offiziell einen Pass mit dem Namen Denis G. (Name liegt der Redaktion vor) benutzen. Damit hat man wohl – so lauten die Vermutungen in Bokis Heimat – den Weg für weitere kriminelle Geschäfte geebnet, die nun aber wohl ganz andere Ausmaße annehmen. Denn der 46-Jährige soll mittlerweile tief im Sumpf des internationalen Drogengeschäfts stecken.

Dies zeigen Recherchen von Avdic, der nach den Enthüllungen Morddrohungen erhalten hatte.

Im Mittelpunkt der Machenschaften steht die Verbindung zum, in Deutschland eher unbekannten, Drogenkartell "Tito und Dino". Deren Drahtzieher, die sowohl mit der italienischen als auch mit der ebenso berüchtigten kolumbianischen Mafia zusammenarbeiten sollen, kontrollieren diversen Quellen zufolge den europäischen Rauschgiftmarkt.

Verbindungen zu einflussreichem Drogenkartell

Die US-Drogenbehörde Drug Enforcement Administration (DEA) ist sich demnach sicher, dass das Kartell "Kokain in Ecuador, Kolumbien, Peru, Bolivien, Panama und anderen zentralamerikanischen Ländern beschafft", um es nach Europa zu schmuggeln. Hierzu wird offenbar der Seeweg zum Rotterdamer Hafen genutzt. Die in die Ermittlungen deshalb ebenfalls involvierten niederländischen Strafverfolgungsbehörden bringen "Tito und Dino" verschiedenen Berichten zufolge mit mindestens 14 Tonnen Kokain in Verbindung, die von Polizeibehörden weltweit sichergestellt wurden. Und: Das Kartell gehört laut der DEA zu den 50 stärksten der Welt.

Eine Zusammenarbeit mit dem Europäischen Polizeiamt (Europol) und der Justizbehörde der Europäischen Union (Eurojust) soll helfen, dem kriminellen Netzwerk, welches darüber hinaus Geldwäsche in den Niederlanden, Belgien, Spanien, Slowenien und Bosnien und Herzegowina betreiben soll, das Handwerk zu legen.

Doch was hat Boki damit zu tun? Recherchen haben ergeben, dass bei "Tito und Dino" wohl Edin G. die Strippen zieht. Und hier schließt sich offensichtlich der Kreis. Denn bei G. handelt es sich nach Angaben des Journalisten Avdic um einen gebürtigen Bosnier, dessen Fühler nicht nur weit in die Amtsstuben der Polizeibehörden und zu den Politikern in Bokis Heimat, sondern auch direkt zu den Culums reichen.

Geld aus VS-Bordellen fließt in "Bokis" Heimat

Demnach sollen die Brüder in die Kartellgeschäfte eingebunden sein – darüber sind, nach Angaben eines bosnischen Medienberichts, wohl selbst die US-Drogenermittler der DEA informiert. "Um die Anreise nach Südamerika so einfach wie möglich zu gestalten, haben sie neue Pässe erhalten", heißt es in dem Artikel in dem Magazin "Žurnal". So hätten die Brüder einen weiteren Verbindungsmann von G. auf einer Reise zu den Beschaffungszentren des Kartells begleitet. Und das, obwohl der internationale ­ ­Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Konstanz weiterhin gültig ist.

Dort hält man sich auf Anfrage des Schwarzwälder Boten übrigens bedeckt. "Was den Fall Culum angeht, kann ich derzeit keine Angaben machen", erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth. Für die Ermittler dürfte es jedoch blanker Hohn sein, dass der Rotlichtkönig von Villingen-Schwenningen trotz der internationalen Fahndung aufgrund seiner kriminellen Machenschaften weiter auf freiem Fuß ist und offenbar verschiedenste Reisen ins Ausland antreten kann.

Und das insbesondere vor dem Hintergrund, dass aus der Doppelstadt nach Informationen unserer Zeitung noch immer Geld in Bokis Heimat fließt. Demnach würden einige der Prostituierten aus den VS-Bordellen Teile des Verdienstes an den bulligen Typen weiterleiten, der aus Bosnien und Herzegowina regelmäßig Grüße aus Protz und Prunk in die weitere Welt und natürlich auch nach Villingen-Schwenningen schickt.

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