Evelin Nolle-Rieder (links) dankte Brigitte Triems mit einem gesunden Geschenk. Foto: Karina Eyrich

Die wohl wichtigste Veranstaltung am Wochenende war jene im K3 in Winterlingen. Dort hat Brigitte Triems, Vorsitzende des Demokratischen Frauenbundes, über die Frauenpolitik der rechtsextremen Parteien in Deutschland und Europa berichtet – und festgestellt, dass die Uhren da rückwärts laufen.

„Die Geschichte der Gleichstellung ist ein Ritt auf der Schnecke“, zitierte Brigitte Triems in ihrem Vortrag Sabine Berghahn und ging zunächst auf die „Goldene Ära der Frauenrechte“ nach dem internationalen Jahr der Frau 1975 ein. Dass die Entwicklung wieder rückwärts läuft, Deutschland auf dem Gleichstellungsindex mit 70,8 von 100 Punkten nur Platz elf in der EU erreicht, aktuelle Krisen und Kriege das Problem verstärken und das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte erst recht – das machte die Vorsitzende des Demokratischen Frauenbundes im K3 deutlich.

 

Von aktuell 37 rechtspopulistischen Parteien in Europa seien 22 erst nach dem Jahr 2000 entstanden, so Triems, und das wirke sich auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik in vielen EU-Staaten aus: „Wenn Rechtspopulisten an der Regierung sind, geht es rückwärts mit den Frauenrechten.“

Oberflächlich freilich hätten die Extremisten die Frauen für sich entdeckt, machte sie deutlich, denn sie brauchten deren Stimmen. Gleichwohl bezeichneten sie muslimische Einwanderer als eigentlichen Grund für „Diskriminierung und Gewalt gegen einheimische europäische Frauen“. Die männerdominierten Extremisten präge ein rassistischer Familienbegriff und das Rollenbild des Mannes als Ernährer, der Frau als Mutter und Hausfrau.

„Praktikantinnen sind nur für Blow-Jobs da.“

Sie lehnten Geschlechterforschung – Beispiel: Frauen brauchen medizinisch andere Behandlungen als Männer – ebenso ab wie Geschlechtergerechtigkeit, plurale Sexualerziehung und von der Tradition abweichende Lebensentwürfe, hat Triems in ihren Recherchen seit 2017 festgestellt.

Ein Raunen ging durch das – nicht nur weibliche – Publikum, als sie den Gründer einer neuen rechten Partei in Frankreich zitierte: „Praktikantinnen sind nur für Blow-Jobs und zum Kaffeekochen da.“ Oder die FPÖ-Chefin Brigitte Kashofer: „Mittlerweile sind Frauenhäuser an der nachhaltigen Zerstörung von Ehen und Partnerschaften maßgeblich beteiligt. (...) Frauenhäuser sind ein Unfug, der abgestellt gehört.“ Dass die rechtspopulistischen Fraktionen im Europaparlament die Selbstbestimmung von Frauen verneinten und gleichstellungspolitische Maßnahmen verhindern wollten, überraschte danach wohl niemanden mehr.

In Winterlingen entbrennen muntere Diskussionen ob der paradoxen Aussagen

Vom 2018 gegründeten AfD-Verband „Frauen in der Alternative“ sei im Internet inzwischen nichts mehr zu finden, hat Triems festgestellt. „Das scheint nicht funktioniert zu haben.“ Und dessen Schirmfrau, die AfD-Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst, habe Gleichstellungsbeauftragte als „Instrumente zur systematischen Männerbenachteiligung“ bezeichnet, sei gegen gleichgeschlechtliche Ehen – paradox: AfD-Vorsitzende Alice Weidel lebt selbst mit Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft – und Sexualaufklärung an Schulen.

Die Details über und Aussagen von Vertretern rechtsextremer Parteien in Europa zur Frauenpolitik sorgten im Publikum im K3 abwechselnd für bitteres Lachen und helle Empörung. Von „Reconquete!“ in Frankreich über die Schwedendemokraten und die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) bis zu „Vox“ in Spanien und der ungarischen „Fidesz“, die Frauenverbände auf ihre schwarzen Liste politisch problematischer Organisationen führe – was die Berlinerin an Erkenntnissen ihrer jahrelangen Recherchen servierte, verblüffte und verärgerte die Zuhörerinnen, die im Anschluss munter diskutierten.

Das Geschenk der K3-Vorsitzenden Evelin Nolle-Rieder für Brigitte Triems war die einzige gute Nachricht des Abends: lecker und gesund.