Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Villingen-Schwenningen Pfarrerin will homosexuelle Paare offiziell trauen

Von
Gleichgeschlechtliche Paare können seit Anfang 2020 in einigen evangelischen Gemeinden in Württemberg offiziell kirchlich heiraten. (Symbolfoto) Foto: Fotos593/ Shutterstock

VS-Schwenningen - Gleichgeschlechtliche Paare ganz offiziell kirchlich verheiraten dürfen: Das möchte Brigitte Güntter, Pfarrerin in der evangelischen Pauluskirche in Schwenningen. Rein theoretisch ist das seit Januar 2020 in der evangelischen Landeskirche Württemberg möglich - auch wenn Güntter das dafür ausgearbeitete Gesetz einfach nur "beschämend" findet. Was die Pfarrerin daran stört und warum sie dennoch homosexuelle Ehepaare kirchlich trauen möchte, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

Eigentlich ist Güntters Vorhaben in Schwenningen keine große Neuigkeit: Bereits seit zwei Jahren bietet die evangelische Pfarrerin gleichgeschlechtlichen Paaren eine kirchliche Trauung an, wenn diese sich das wünschen. Bisher war dies aus Sicht der Landeskirche Württemberg aber sozusagen "illegal". Denn erst Anfang des Jahres trat ein neues Gesetz in Kraft, welches es Kirchengemeinden erstmals überhaupt ermöglicht, sich gewissermaßen darum zu bewerben, solche Trauungen in der eigenen Kirche öffentlich vollziehen zu dürfen. 

Sehen Sie auch: Pfarrer findet Morddrohung im Briefkasten

Durch dieses neue Gesetz können Kirchengemeinden ihre lokale Gottesdienstordnung ändern, um solche Gottesdienste durchzuführen, erklärt Oliver Hoesch, Sprecher der Landeskirche Württemberg. "Voraussetzung dafür ist, dass sich die Gemeinde mit der Frage auseinandergesetzt hat und Pfarrerschaft und Kirchengemeinderat mit dreiviertel Mehrheit zustimmen", erklärt der Pressesprecher weiter. Darum, diese Mehrheit im eigenen Gremium womöglich nicht erreichen zu können, macht sich Pfarrerin Güntter grundsätzlich keine Sorgen: "Wir haben uns mit dieser Frage ja schon vor unserem Beschluss lange und gründlich auseinandergesetzt. Da gibt es eine gemeinsame Basis. Allerdings hat sich die Zusammensetzung des Gremiums mit der Kirchenwahl verändert, von daher ist eine erneute Abstimmung vielleicht auch wichtig." 

Unterschiede zu homosexuellen Paaren "widerwärtig"

Dass sich die Schwenninger Kirchengemeinde bereits zuvor mit diesem Thema beschäftigt hat, liegt daran, dass sie sich der sogenannten „Regenbogen-Initiative" angeschlossen hat - ein Verband innerhalb der württembergischen Landeskirche, der sich aus dem Bündnis Kirche und Homosexualität (BKH) gebildet hat. Inzwischen gibt es 100 "Regenbogen-Gemeinden". "Und in diesem Rahmen haben wir uns bereits vor diesem neuen Gesetz zu Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare bereit erklärt", sagt Güntter. 

Dem damaligen Beschluss ginge eine gründliche anthropologische und theologische Arbeit voraus, innerhalb des Kirchengemeinderates und innerhalb der evangelischen Erwachsenenbildung für die ganze Gemeinde. Aus diesem Grund finde es die Pfarrerin eigentlich unsinnig, sich der Form halber nach zwei Jahren nochmal mit der ganzen Thematik auseinanderzusetzen. "Aber wir machen es natürlich", sagt sie entschlossen. Erstmals angedacht sei dies in einer Gemeindeveranstaltung Ende März gewesen, die dann coronabedingt allerdings ausfallen musste. Ein neuer Termin sei momentan nicht beschlossen, noch seien die Gemeindehäuser für große Veranstaltungen nicht geöffnet, erklärt die Pfarrerin. Doch man plane einen Abend, an dem der Film "Pride" gezeigt werde, woran sich eine Gesprächsrunde anknüpfen soll. 

Das könnte Sie auch interessieren: Nein zur Segnung homosexueller Paare

Obwohl es Güntter wichtig sei, offiziell gleichgeschlechtliche Paare in ihrer Kirche trauen zu dürfen, findet sie das Gesetz, das hierzu von der württembergischen Landeskirche verabschiedet wurde, einfach nur "beschämend": "Es geht hierbei nicht um eine Trauung wie bei einem heterosexuellen Paar, sondern lediglich um eine Segnung", erklärt die Pfarrerin. Deshalb dürfe man offiziell nicht einmal das Wort "Trauung" verwenden. Auch werde man nicht als Paar gesegnet, sondern jeder für sich als Individuum, wie bei der Taufe oder der Konfirmation. "Und so eine Segnung geht an der Gemeinderealität völlig vorbei", sagt die Pfarrerin: "Es beschämt mich wirklich, dass so ein Unterschied zwischen hetero- und homosexuellen Paaren gemacht wird. Ich finde das einfach nur widerwärtig!"

Pfarrerin nennt Zeremonie trotzdem "Trauung"

Vielleicht liege es auch an diesem absurden Gesetz, dass in der Region nur wenige gleichgeschlechtliche Paare einen kirchlichen Segen wollen, überlegt die Pfarrerin. "Vielleicht glauben diese Paare auch, dass das einfach zu viele Schwierigkeiten mit sich bringt." Obwohl ihre Kirchengemeinde so offen gegenüber der Thematik sei, habe sich seither noch kein homosexuelles Paar bei ihr gemeldet, um kirchlich verheiratet zu werden. "Das finde ich wirklich sehr schade."

In ihrer eigenen Kirchengemeinde würde sie den "Gottesdienst anlässlich der Eheschließung eines gleichgeschlechtlichen Paares", wie er offiziell genannt wird, trotzdem "Trauung" nennen und Unterschiede zu heterosexuellen Paaren vermeiden, beteuert Güntter. "Ich würde immer versuchen einen Weg für das Paar zu finden."

Schwenningen lässt sich nicht beeindrucken

Die Pfarrerin hofft nun, dass ihre Kirchengemeinde überhaupt die Erlaubnis vom Oberkirchenrat erteilt bekommt, gleichgeschlechtliche Paare offiziell kirchlich segnen zu dürfen: "Das ist nämlich nur für ein Viertel der Kirchengemeinden in Württemberg vorgesehen", erklärt die Pfarrerin. Der Presseprecher der Landeskirche teilt jedoch mit, dass wenn mehr Kirchengemeinden Interesse daran zeigen sollten, die Landessynode nochmal entscheiden müsse. 

Egal wie die Entscheidung für die evangelische Kirchengemeinde Schwenningen ausfällt und egal wie lange es noch dauert: "Wir lassen uns nicht beeindrucken", sagt Güntter entschlossen. Ihre Türe werde weiterhin auch für gleichgeschlechtliche Paare offen stehen, daran werde auch der Beschluss des Oberkirchenrats - egal wie er ausfalle - nichts ändern.

Artikel bewerten
4
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.