Arendt Gruben. Foto: SB-Archiv

Vorstandsvorsitzender der Sparkasse: Rettung des Euro ist eine hoch komplexe Materie.

Villingen-Schwenningen - "Was ist den Deutschen Europa wert?" Diese Frage lasse sich nicht leicht beantworten, erklärt Arendt Gruben, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schwarzwald-Baar.

Aufgrund der hohen Exporttätigkeit profitiere Deutschland stärker von der Europäischen Union als andere. Ob dafür aber Hunderte von Milliarden Euro investiert werden sollten, wagt Gruben nicht zu beantworten. Für ihn steht fest: "Die EU wird mit der Griechenland-Krise fertig werden." Entscheidend sei, eine "Brandmauer zu ziehen".

Den vom Bundestag am Mittwochabend befürworteten "Schuldenschnitt" hält Gruben für den richtigen Weg. Dazu müssten die Banken, die jahrelang von den hohen Renditen der Staatsanleihen profitiert haben, nun auch ihren Beitrag leisten. Dass Griechenland pleite geht, hält Gruben für unvorstellbar. "Das wäre ein völlig neues Kapitel der Finanzgeschichte." Dramatischer für die EU sei die hohe Verschuldung Italiens und Spaniens.

Als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse kann Gruben die Entwicklung relativ entspannt verfolgen, schließlich vertrete er "keine Bank, sondern eine Sparkasse, die keinen Cent in einen der Krisenstaaten investiert hat. "Wir sammeln Geld aus der Region und setzen es in der Region ein", verdeutlicht Gruben.

Die Unsicherheit um die Zukunft des Euro bewirke bei vielen, dass sie sich auf alte Werte besinnen, stellt er fest. Wachstum im Kundengeschäft, 40 Millionen Euro Geldzufluss und 380 neue Girokonten hat die Sparkasse Schwarzwald-Baar in den vergangenen drei Monaten verzeichnet. Selbst Sparbücher, die lange als "out" galten, würden jetzt stark nachgefragt. "Die Menschen wollen wieder etwas in der Hand haben", erklärt Gruben.

"Rettung des Euro ist eine hoch komplexe Materie"

Immens gestiegen sei auch der Beratungsbedarf. "Die Rettung des Euro ist eine hoch komplexe Materie", weiß Gruben, "die Wahrheiten sind nicht einfach und für den Bürger nicht nachzuvollziehen." Die Mitarbeiter müssten teilweise Überstunden leisten, um den Informationsbedarf decken zu können.

Bei vielen löse die Unsicherheit Ängste aus, die auch zu irrationalen Handlungen führen können. Während der Lehman-Krise 2008 hätten einzelne Kunden plötzlich ihr gesamtes Vermögen in Gold tauschen wollen. Aufgrund des gestiegenen Goldpreises sei die Nachfrage heuer aber gering. Ohnehin hält Gruben Gold für Normalverbraucher nicht für die geeignete Wertanlage – "außer für Frauen, in Form von Schmuckstücken", fügt er an und schmunzelt. "Ein solides Sparprodukt ist die bessere Wahl", betont Gruben. Bei einem lokalen Geldinstitut wie der Sparkasse Schwarzwald-Baar "ist das Geld sicher und unbegrenzt garantiert".

Als alternative Anlage sieht der Sparkassen-Chef auch weiterhin Immobilien. "Der Trend dazu ist noch nicht beendet", stellt er fest. Zumal die Bedingungen extrem gut seien: Der günstige Zinssatz von gut drei Prozent und ein gutes Immobilienangebot ermöglichten einer breiten Zielgruppe, ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu finanzieren.

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