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Villingen-Schwenningen Aids-Hilfe bietet Schnelltests für HIV an

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Vorsitzender Bernd Ayasse und die Sexualtherapeutin Kristin Linnenmann vor der Geschäftsstelle in Villingen. Foto: Spitz

Villingen-Schwenningen - "Wir wären fast vor die Hunde gegangen", gibt der Vorsitzende Bernd ­Ayasse zu. Doch jetzt ist die Aids-Hilfe Schwarzwald-Baar-Heuberg so gut aufgestellt wie nie. Sie wurde sogar zum Checkpoint in Baden-Württemberg.

Fast ist es, als seien mit dem Umzug in die Güterbahnhof­straße 11 in Villingen im Frühjahr 2016 die bösen Geister verflogen. Die Aids-Hilfe bangte bis dahin ums Überleben. Immer neue finanzielle Tiefschläge und Grabenkämpfe an unzähligen Fronten verleideten den Ehrenamtlichen die Arbeit um die rote Schleife, für die sie mit so viel Herzblut einstehen.

Als bekannt geworden ist, dass die regionale Aids-Hilfe 2016 ohne einen Cent Zuschuss vom Landesverband wird über die Runden kommen müssen, schwanden die Hoffnungen. 25.000 Euro haben oder nicht – für den Verein stellte sich die Existenz­frage. Die Hälfte des Budgets brach weg. Selbst Bernd ­Ayasse, der die Aids-Hilfe lebt, verzagte: "Ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen." Doch er raffte sich auf und kämpfte, zog neue Register – ein Großauftrag der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines, die 5000 Red Ribbon Schleifen für die Belegschaft orderte, war die Rettung aus heiterem Himmel.

Trendwende? Offenbar. Denn nun ist auch der Landeszuschuss für 2017 gesichert – vielleicht, so die Hoffnung, wird man künftig sogar analog zu anderen Aids-Hilfen im Land auch mit "Strafgeldern" aus der Justiz bedacht. Da die meisten Fälle aus der Region von der Staatsanwaltschaft Konstanz betreut werden, wird das Geld, das Verurteilte an wohltätige Einrichtungen bezahlen müssen, bislang meist der dortigen Aids-Hilfe zugesprochen – ein bitterer Wermutstropfen, gehe es doch um Summen von bis zu 10.000 Euro pro Jahr.

Die Aids-Hilfe Schwarzwald-Baar-Heuberg ist nun einer von neun Checkpoints in Baden-Württemberg. Konkret bedeutet das, dass sie tun darf, was Unbedarfte längst vermuten und oft bei ihr angefragt wurde: Ab sofort können Schnelltests für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen wie Tripper oder Syphilis gemacht werden.

Und selbst die ärztliche Betreuung ist neuerdings in der Güterbahnhofstraße 11 garantiert. "Wir haben zwei neue Mitarbeiterinnen", freut sich Aysee, "eine Ärztin und die Sexualtherapeutin Kirstin Linnenmann". Letztere promoviert in Kassel in der Forschung über Sexualwissenschaften. Für die Aids-Hilfe ist Linnenmann nun in der Prävention tätig, wird beispielsweise in Schulen aufklären. Zudem betreut sie Klienten, die – häufig nach dem Teufelskreis Drogensucht – Obdachlosigkeit – HIV-Infektion – Beschaffungskriminalität – stationär in Anstalten sitzen. "So jemand hat oft keine Kontakte mehr, jedenfalls keine, die dorthin kommen dürften", sagt Linnenmann unserer Zeitung und tut auch mit ihnen vor allem eines: reden und Perspektiven aufzeigen.

Komplett machen soll das Team der regionalen Aids-Hilfe ein Peer: Im Rahmen des Projekts Salam (Sexualität, Akzeptanz, Liebe, Anderssein, Migration) sollen Freiwillige mit Migrationshintergrund, in drei Monaten als Mitarbeiter der Aids-Hilfe auf Honorarbasis ausgebildet werden, um als Peers das Thema "sexuelle Gesundheit" kultursensibel zu vermitteln. Denn auch das hat sich geändert: Flüchtlinge – viele kommen aus Ländern mit enormen HIV-Raten – müssen informiert und beraten werden.

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