Durch den verpassten Aufstieg in der Oberliga ist der Zeitplan der Fußballerinnen des VfB Stuttgart unter Druck geraten. Mit einigen Änderungen wird ein neuer Anlauf genommen.
Mal abgesehen davon, dass in dieser Spielklasse derzeit nur zwölf und nicht 18 Mannschaften antreten, sind die Unterschiede zwischen der Bundesliga der Frauen und jener der Männer gar nicht mehr allzu groß. Wenn im Spätsommer die neue Saison der Frauen-Bundesliga beginnt, spielen dort neun Vereine, die auch bei den Männern im Oberhaus vertreten sind. Zudem stehen zwei weitere Traditionsclubs – der Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach – vor dem Aufstieg in die zweite Liga. Wo bereits sechs der Erstligisten mit ihrer zweiten Mannschaft vertreten sind.
Allein dieser Blick auf die obersten Spielklassen im deutschen Frauenfußball zeigt, was Lisa Lang schon wusste: „Der Wettbewerb wird härter. Es wird in den kommenden Jahren sicher nicht einfacher.“ Dort mitzumischen, wo Clubs wie der FC Bayern, der VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg mit ihren Frauenteams schon sind. Doch genau das ist auch der Anspruch des VfB Stuttgart – oder besser: „Es bleibt unser Anspruch und entspricht auch unserem Ehrgeiz“, wie Lisa Lang, die Teammanagerin für den Frauenfußball des Clubs, es formuliert. Doch ist zuletzt wertvolle Zeit verloren gegangen.
Vor einem Jahr hat der VfB Stuttgart die Kooperation mit dem VfB Obertürkheim gestartet mit dem Ziel, in den folgenden drei bis vier Jahren im professionellen Bereich anzukommen. In den angestrebten Zeitplan passte dann aber weder der Abstieg des Kooperationspartners in die Oberliga kurz vor Beginn der Zusammenarbeit noch der Nichtaufstieg in der nun zu Ende gegangenen Premierensaison der Frauenmannschaft des Männer-Bundesligisten. Hinter dem TSV Neuenstein wurde das VfB-Team Zweiter, eine Relegation gibt es nicht.
Statt bereits in der drittklassigen Regional- oder zweiten Liga zu kicken, steht in der Saison 2023/24 erneut Oberliga-Fußball auf der Anlage in Obertürkheim auf dem Plan. „Klar, zunächst waren wir alle geknickt“, sagt Lisa Lang, „aber nun gilt es, den vergangenen Chancen nicht mehr hinterherzutrauern. Wir müssen es nehmen, wie es ist.“
Der Nichtaufstieg soll schnell abgehakt werden
Der Blick geht nach vorn, das Ziel muss nicht verändert werden, die Rahmenbedingungen aber werden beim zweiten Anlauf für den Aufstieg in die Regionalliga zum Teil deutlich andere werden. Angefangen bei der Mannschaft.
„Es wird einen großen Umbruch geben“, sagt Lisa Lang, die am vergangenen Wochenende elf Spielerinnen verabschiedet hat und ihrerseits bereits seit April organisatorisch vom Verein zur VfB AG gewechselt ist. Bei jenen, die stattdessen zum Team stoßen werden, sind die Ansprüche groß: Sie sollen größtenteils zumindest schon einmal oberhalb der Oberliga gegen den Ball getreten haben. Mit fünf Spielerinnen sei man sich bereits einig, versichert die Teammanagerin. Damit sich die neue Mannschaft schnell findet, ist eine recht lange Saisonvorbereitung angesetzt. Das Trainerteam um Heiko Gerber, der die VfB-Frauen weiterhin coachen wird, muss noch ergänzt werden. Mindestens zwei der drei Trainingseinheiten werden am Clubzentrum in Bad Cannstatt absolviert werden – und dann ist da ja noch das Thema Verletzungen.
Zahlreiche langfristige Ausfälle – allein fünf durch Kreuzbandrisse – torpedierten in der vergangenen Saison die Aufstiegspläne. Allein darauf will man das Verpassen des Saisonziels zwar nicht schieben, Lisa Lang betont aber: „Das war ein Riesenfaktor.“ Und immer wieder ein Grund, nach möglichen Ursachen zu forschen.
Wirklich fündig sind sie nicht geworden beim VfB – Folgen hat die Verletzungsmisere dennoch. Zur Saisonvorbereitung wird künftig eine sportmedizinische Untersuchung gehören, um mögliche Vorschädigungen oder Defizite früh zu erkennen. Zudem wird ein Athletiktrainer zum Betreuerstab gehören, damit körperliche Schwächen besser aufgearbeitet werden können und Verletzungen vorgebeugt werden kann.
Heimspiele weiter in Obertürkheim
Ansonsten vertraut man darauf, dass das Projekt Frauenfußball beim VfB weiter an Wucht gewinnt. Immerhin: Namhafte Sponsoren hat die Premierensaison schon gebracht. Die zweite Mannschaft hat in der Relegation ebenso noch Aufstiegschancen (in die Verbandsliga) wie das U-17-Team (in die Oberliga). Zudem „haben wir viele Menschen für uns begeistern können“, sagt Lisa Lang. Rund 300 Zuschauer kamen im Schnitt an die Hafenbahnstraße.
Dort, in Obertürkheim, werden auch weiterhin die Heimspiele ausgetragen. Zumindest solange die VfB-Frauen eben noch nicht mitmischen – dort, wo Clubs wie der FC Bayern, der VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg schon sind.