Erst Punkte gegen Köln, jetzt Niederlage gegen Schalke. VfB-Fanclubleiter Klaus Kreidler von den „Salzstetter Jungs“ auf weitere Punkte im Kampf gegen den drohenden Abstieg.
Erneut ist es ein Hoffen und Bangen für die 58 Mitglieder des VfB-Fanclubs „Salzstetter Jungs“. Denn, Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart schwebt auch in diesem Jahr wieder in akuter Abstiegsgefahr. Den 3:0 Sieg gegen Köln erlebte man als unerwarteten Befreiungsschlag. Aber die Gemütslage der Fans bleibt angespannt. Denn nun folgte die Niederlage gegen den direkten Konkurrenten, Tabellen-Schlusslicht Schalke. Fanclubleiter Klaus Kreidler (55) hofft, dass Selbstbewusstsein und sportliche Erfolge dennoch zurückkommen.
Wie waren die vergangenen Jahre für einen eingefleischten VfB-Fan?
„Eigentlich hat es in den letzten Jahren nie aufgehört. Die Hoffnungen sind jedes Jahr in die Hosentaschen gerutscht.“ Ein Phänomen: „Seit Jahren schlechte Leistungen, aber das Stadion ist immer gut gefüllt.“ Der Absatz von Dauerkarten erreicht von Jahr zu Jahr Höchstmarken.
Wie ist die Stimmung im Stadion?
Fanclubleiter Kreidler erzählt: „Die Cannstatter Kurve ist immer knallvoll. Da haben wir Salzstetter Jungs in Block 32 unseren Stammplatz. Wir verfügen über knapp 20 Dauerkarten. Es ist immer schön, gute Bekannte zu treffen und neue Freunde kennenzulernen.“ Für Auswärtsspiele bekommt man als Normalsterblicher überhaupt keine Karten.
Was sagt Kreidler zum Personalkarussell und dem neuen alten „Feuerwehrmann“?
„Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat waren bei den Fans beliebt, aber auch erfolglos“, zieht er Bilanz. Außer der Ansammlung von Talenten habe „Diamanten-Auge“ Mislintat leider nichts Zählbares erreicht. „Über den Status eines Talents sind die meisten der Neuen nicht hinaus gekommen.“
Zur Wieder-Verpflichtung von Trainer Bruno Labbadia meint der Fanclubleiter: „Ich habe es nicht verstanden, dass man den früheren Trainer als ‘Feuerwehrmann‘ wieder zurückholt. Gewünscht hätte ich mir einen Coach, mit dem man langfristig Erfolg haben kann. Dann hätte der VfB mit dem erfahrenen Interims- und Co-Trainer Michael Wimmer weitermachen können.“
Was vermissen die VfB-Fans und was wünschen sie sich?
Die Fanszene bemängelt, dass der Bundesligist seine besten Spieler immer wieder abgibt, freilich auch aus wirtschaftlichen Gründen. Wie könne da eine erfolgreiche Mannschaft geformt werden? „Man hat das Gefühl, dass viele Spieler den VfB als Durchgangsstation sehen. Dadurch fehlt die Konstanz. Wir wünschen uns, dass der Kader wieder Durchschlagskraft kriegt. Es fehlen Leitfiguren.“
Klangvolle Namen, die beim VfB ausgebildet wurden und gespielt haben, wurden hergegeben, beispielsweise Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Timo Werner, Sven Ulreich, Loris Karius, Bernd Leno, Sebastian Rudy, Antonio Rüdiger oder früher Philipp Lahm. Was hätte da Stuttgart für eine Mannschaft haben können. Die Ära von Personenkult hat beim VfB abgenommen.
Persönlichkeiten wie das „magische Dreieck“ mit Fredi Bobic, Giovane Elber und Krassimir Balakow oder die Förster-Brüder, Guido Buchwald, Karl Allgöwer, Kevin Kurányi oder Mario Gomez - so was gibt es heute nicht mehr. „Fußball-Arbeiter“ Wataru Endo sei schon einer, der heraussteche. Wichtig sei auch „Flankengott“ Borna Sosa. Eine gute Mischung zwischen erfahrenen Spielern und jungen Talenten sollte angestrebt werden.
Was bringt die VfB-Fans zum Grübeln?
Verwunderlich: Der VfB sei immer vorne dabei, was die Kaderkosten anbelangt. Aber: „Seit Jahren ist der Verein aus Sicht der Fans nicht gut geführt, auch mit personellen Besetzungen.“ Denn: „Oftmals fallen Entscheidungen auf Vorstandsebene (Wehrle und Vogt), die bei den Fans überhaupt nicht verstanden werden und die zu Unruhe im Verein und Umfeld führen.“ Überhaupt werde der ganze Fußball nur noch vom Geld regiert. Das habe Vieles zum Negativen verändert.
Wo geht der Weg für den VfB hin?
„Erfreulich ist das Erreichen des Viertelfinales im DFB-Pokal mit dem vermeintlich leichtesten Los Nürnberg.“ Kreidler wagt keine Zukunftsprognose: „Der VfB ist ein Buch mit sieben Siegeln.“ Überhaupt: „Sportlich sind wir noch lange nicht gerettet.
Die Mannschaften stehen dicht beieinander. Und von Spieltag zu Spieltag verändert sich das ständig. Es bleibt spannend bis zum Schluss.“
Bis zum Saisonschluss 2023 werden die „Salzstetter Jungs“ erneut um den Klassenerhalt mitfiebern.