Boris Pistorius (von links) lässt sich von Rudi Schatz (Leiter Produktion) und Jens Bodo Koch (Vorstandschef) den Herstellungsprozess zeigen. Foto: Heckler & Koch

Hoher Besuch: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) besichtigte am Mittwochnachmittag das Werksgelände des Waffenherstellers Heckler & Koch. Dabei warf er einen Blick in die Produktion der neuen Bundeswehr-Waffe.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch. Security-Mitarbeiter sichern das Werksgelände ab. Personen, die sich dem Oberndorfer Unternehmen nähern, werden genau gemustert. Gegen 17.30 Uhr hört man einen Helikopter über der Stadt. Die Piloten holen einen wichtigen Passagier ab: Verteidigungsminister Boris Pistorius. Er war bei Heckler & Koch zu Besuch – alles unter strenger Geheimhaltung.

 

Pistorius wollte sich „persönlich einen Eindruck vom Ausrüster der Bundeswehr machen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Einen genauen Blick warf der Verteidigungsminister auf das HK 416 A8, der neuen Standardwaffe der Bundeswehr. Dieses soll das G36, das seit 1996 im Einsatz ist, ablösen.

Boris Pistorius lässt sich das Werksgelände zeigen. Foto: Norman Jankowski

120 000 Sturmgewehre

Rund 120 000 Sturmgewehre des neuen Typs wurden im vergangenen Dezember bestellt. Zum Preis und zum genauen Auslieferungszeitraum wollte ein Sprecher des Unternehmens keine genauen Angaben machen. „Wir werden im vereinbarten Zeitrahmen liefern“, hieß es dazu. Eine Zusage, die vor Ort auch Vorstandschef Jens Bodo Koch gemacht haben soll.

Pistorius traf gegen 16 Uhr bei HK ein. Die Anreise erfolgte mit dem Dienstwagen. Im Gespräch mit Vorstandschef Koch waren die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, Zukunftspläne und die Auslieferung des neuen Sturmgewehrs Thema. Nähere Details wollte der Sprecher auch hierzu nicht verraten.

Waffen eingeschossen

Dem Minister gewährte das sonst so verschlossene Unternehmen einen Blick hinter die Kulissen: Nach einem Rundgang durch die Rohrfertigung ließ sich der Verteidigungsminister zeigen, wie die Waffen eingeschossen werden. Nach eineinhalb Stunden war der Besuch vorbei. Pistorius wurde mit einem Hubschrauber abgeholt.

Für den Waffenhersteller war es ein besonderer Besuch: Mit Franz Josef Jung war zuletzt 2009 ein deutscher Verteidigungsminister auf dem Werksgelände. In den vergangenen Jahren schien das Verhältnis zum Ministerium zerrüttet: 2015 behauptete die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, dass das von HK produzierte G36 Mängel aufweise. Im anschließenden Rechtsstreit musste sie sich geschlagen geben. Die Anschaffung eines Sturmgewehrs blieb dennoch beschlossene Sache.

„Bundeswehr bedeutendster Kunde“

Von diesen Zerwürfnissen ist mittlerweile keine Spur mehr: Schon die Vertragsverhandlungen seien „konstruktiv und von gegenseitigem Respekt geprägt“ gewesen, erklärt der Sprecher. Pistorius’ Besuch unterstreiche dies zusätzlich. „Die Bundeswehr ist unser bedeutendster Kunde“, hieß es abschließend.