IG Gäubahn-Vorsitzender Guido Wolf (Mitte) zeigt sich zufrieden mit den Verbesserungen, die Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne, rechts) jetzt umsetzen will. Horb mit Peter Rosenberger (OB und Vize-Vorsitzender Gäubahn) würde am meisten profitieren. Foto: Jürgen Lück

Landesverkehrsminister Winfried Hermann stellt in Rottweil seinen Elf-Punkte-Plan für die Gäubahn vor. IG-Gäubahn-Vorsitzender Guido Wolf kommentiert: „Jetzt sollten wir Werbung für die Verbesserungen machen.“

Mit einem Elf-Punkte Plan will Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die drohende Kappung der Gäubahn im Jahr 2026 abmildern. Die Kosten werden insgesamt 36 Millionen Euro betragen, davon werden 23 Millionen Euro in mehr Zugverbindungen gesteckt.

 

Landesverkehrsminister Hermann: „Mit den Verbesserungen bringen wir eine Millionen Zugkilometer zusätzlich auf die Gäubahn. Wir werden 50 Prozent mehr Express-Linien wie Metropolexpress oder Regionalexpress haben. Es wäre das schlechteste, wenn wir durch die Kappung der Gäubahn Fahrgäste verlieren – wir wollen sie halten.“

Guido Wolf, Vorsitzender der IG Gäubahn: „Die Kappung der Gäubahn war und ist schwer verdaulich. Sie wird eine offene Wunde für die südlichen Anrainer von Stuttgart bleiben. Doch wir wollen nach vorne schauen – das Paket verspricht deutliche Verbesserungen. Das soll heute der Tag sein, an dem wir alle werben: Die Nutzung des Gäubahn ist attraktiv.“

IG Gäubahn kämpfte für Verbesserungen

Die IG Gäubahn hatte per Faktencheck für Verbesserungen gekämpft. Einzelne Oberbürgermeister wie Stefan Belz (Grüne, Böblingen), OB Peter Rosenberger (CDU, Horb), Christian Ruf (CDU, Rottweil) oder Bernd Häusler (CDU, Singen) sogar ein juristisches Gutachten erstellen lassen. Um zu klären, ob die Gäubahn überhaupt bei der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 gekappt werden darf.

Rottweils OB Christian Ruf, Landesverkehrsminister Winfried Hermann und Peter Rosenberger, Vize-Vorstand IG Gäubahn und OB von Horb. Foto: Jürgen Lück

Jetzt zeigen sich Horbs OB Rosenberger – der auch Vize-Vorstand der IG Gäubahn ist – und Rottweils OB Ruf zufrieden. Rosenberger: „Was das Land uns hier zur Verfügung stellt, ist wirklich vorbildlich. Alle Anrainer werden eine Verbesserung bekommen – aber alle haben die Kappung. Die Stadt Horb wird die Klage nicht fortführen, wir wollen nach vorne schauen.“

Rottweiler OB zeigt sich zufrieden

Rottweils OB Ruf: „Man muss sehen, woher Rottweil von den Bahnverbindungen her kommt. Diese Kompensation kann dazu beitragen, dass die Menschen auf der Schiene bleiben. Im Gegensatz zu vielen anderen Verhandlungen hat das Verkehrsministerium geliefert, was versprochen wurde. So müssen sich die Menschen nicht abgehängt fühlen.“

Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe und Stefan Frey, Vize des Landesnaturschutzverbands im Ratssaal Stuttgart. Beide klagen gegen die Gäubahn-Kappung. Foto: Jürgen Lück

Glaubt man DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch, sympathisieren viele Bürgermeister der Gäubahn-Anrainer mit der Klage, die der Verband gegen die Kappung der Gäubahn führt. Auch der Landesnaturschutzverband will das juristisch verhindern.

IG-Gäubahn-Vize Rosenberger: „Wir schauen neugierig auf die Klagen und warten, was dabei rumkommt.“ Rottweils OB Ruf: „Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen. Rottweil hat 2028 die Gartenschau, und wir wollen, dass uns die Leute auf direktem Weg erreichen. Dass die Klagen Aussicht auf Erfolg haben, ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Wir blicken gespannt auf die Richter. Die DUH hat gezeigt: Sie kann ein Stachel sein, der sticht.“

Woher kommt das Geld für das Paket?

Verkehrsminister Winfried Hermann: „Unser Job ist es, möglichst gute Angebote zu machen. Egal, wie das Gericht entscheidet.“

Woher kommt das Geld für das Kompensationspaket für die Gäubahn-Kappung? Landesverkehrsminister Hermann: „Wir nehmen das Geld aus den GVFG und Regionalisierungsmitteln. Teilweise ziehen wir Projekte vor, die ohnehin schon geplant waren.“

Die Einzelposten beziffert er wie folgt: Der Metropolexpress: 12 Millionen Euro. Die Zubringer-Züge: 8 Millionen Euro. Die Verlängerung der S-Bahn bis Horb: 3 Millionen Euro. Den Bodensee-Express: 3 Millionen Euro. Dazu kommen noch zehn Millionen Euro für den weiteren Umbau des Bahnhofs Stuttgart-Vaihingen.

So sieht der -Punkte-Plan für die Gäubahn nach der Kappung aus

Preis.
Egal, ob man den IC zwischen Singen und Stuttgart nimmt, den Regionalexpress oder den Metropolexpress – es gilt immer der Nahverkehrstarif. Landesverkehrsminister Hermann: „Weil sich die Angebote teilweise kannibalisieren, werden wir den Erlösausfall für den Fernverkehr der Bahn übernehmen.“

Verbindungen.
Zwischen Stuttgart und Singen wird es weitere Direktverbindungen geben. Die letzte Fahrt Singen-Stuttgart soll um 20.30 Uhr ankommen. Morgens soll der erste Zug aus Stuttgart um 5.30 Uhr in Singen sein.

Metropolexpress.
Der wird zwischen Rottweil und Stuttgart-Vaihingen eingerichtet – im Halbstundentakt. Auch Freudenstadt bekommt den Metropolexpress nach Stuttgart. Dadurch entfällt das Koppeln in Eutingen. Das verkürzt die Fahrzeit um zwölf Minuten. Gerd Hickmann, Abteilungsleiter im Verkehrsministerium: „Diese Mex-Linien sollen zum Zeitpunkt der Kappung eingerichtet werden.“ Kosten: 12 Millionen Euro im Jahr. Heißt für Fahrgäste ab Oberndorf: Zwischen 7 bis 10 Uhr fünf statt drei Zugabfahrten Richtung Stuttgart. Der Metropolexpress soll morgens ab 5 Uhr fahren bis Mitternacht, so Hickmann.

S-Bahn-Verlängerung bis Horb
Bringt Horb einen 20 Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit im Wechsel zu den anderen Angeboten. Landesverkehrminister Hermann: Ich bin zuversichtlich, dass wie die Verhandlungen mit dem Regionalverband Stuttgart erfolgreich abschließen werden.“ Horbs OB Peter Rosenberger: „Die Kappung schmerzt. Aber Horb bekommt einen Spatz in der Hand, der wohlgefüttert ist.“

Ringzug Rottweil-Tuttlingen
Das Angebot wird ab 22 Uhr und am Sonntag mit Stundentakt ausgebaut.

Tuttingen-Engen-Singen
Hier soll am frühen morgen und späten Abend ein zusätzlicher Zug fahren.

Schwarzwaldbahn
Ab dem Jahr 2027 soll ein zusätzliches Zugpaar zwischen Offenburg und Kontanz fahren. Soll nicht nur die Fahrt beschleunigen, sondern auch frühere und spätere Verbindungen möglich machen.

30 Minuten-Takt am Bodensee
Auf der Seehas (Konstanz-Singen) soll ein durchgängiger 30 Minuten Takt vom Land bestellt werden.

Bodensee-Express
Ab Dezember 2027 beteiligt sich das Land am Hochrhein-Bodensee Express (St. Gallen, Konstanz-Singen-Basel) der SBB mit 3 Mio. Euro. Zunächst neun Züge pro Tag und Richtung, nach der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke ist ein Expressverkehr im Halbstundentakt geplant.

Donaubahn
Zwischen Tuttlingen und Sigmaringen soll ein neues Regionalexpress für einen Stundentakt sorgen (nicht durchgängig, bisher zweistündig). Wenn der Bahnhof Inzigkofen umgebaut ist, kann der Stundentakt durchgängig sein.