Das Parken in der Zufahrt zur Marktstraße ist inzwischen verboten, damit der Rettungsweg frei bleibt. Foto: Karina Eyrich

Manchmal wird Oberbürgermeister Roland Tralmer von verwunderten Bürgern darauf angesprochen, dass er sich so oft in der Innenstadt bewegt – meist zu Fuß. Wie er zur Neuregelung des Park- und Fahrverkehrs in Ebingen steht, verrät er im Interview.

Wenn der Winter endet, sind die Löcher in den Straßen größer als davor – auch im Hufeisen; Grund genug, bei Oberbürgermeister Roland Tralmer nachzufragen: Geht es im Hufeisen voran?

 

Für 2024 war vorgesehen, eine Planungsrate für die Sanierung des nördlichen Landgrabens im Haushalt einzustellen. Stimmt es, dass diese gestrichen ist?

Das stimmt – für 2024. In der Albstädter Investitionsstrategie haben wir priorisiert: alles was unbedingt notwendig ist, dann alles, was Einnahmen generiert, und schließlich jene Maßnahmen, die wir nach hinten schieben, was nicht heißt, dass diese nicht umgesetzt würden. Nur eben nicht 2024. Das soll aber nicht heißen, dass wir nicht mit der Haushaltsplanung 2025 solche Dinge nach vorne ziehen.

Futsch: Der Winter und der viele Verkehr im nördlichen Landgraben setzen dem Belag zu. Foto: Karina Eyrich

ZIZ-Maßnahmen wie Weihnachtsdorf und Bobbycar-Rennen sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Hängt nicht die dauerhafte Aufenthaltsqualität in der Innenstadt von mehr Grün ab?

Das kommt. Das Stadtplanungsamt ist an der Konzeption dran. Ich stimme zu, dass solche Events ein Tropfen auf den heißen Stein sind, aber der lässt sich mit vielen Tropfen abkühlen. Der Eimer kommt noch: umfassende bauliche Veränderungen in der Innenstadt.

Welche zum Beispiel?

Die Wegnahme der Bushaltestelle am Bürgerturm halte ich für gesetzt. Der Verkehr muss da unten raus, und dann können wir uns Gedanken machen über Grünflächen, über Spielflächen und andere Attraktionen.

Was wird aus der Bushaltestelle?

Natürlich muss die Innenstadt weiter mit dem ÖPNV erreichbar sein, speziell für Personen, die nicht gut zu Fuß sind. Nur ein Gedankenspiel: Ich kann mir vorstellen, mit der Haltestelle in die Gartenstraße zu gehen, diese verkehrsrechtlich neu regeln, sie vielleicht auch nur für den ÖPNV freigeben, zumindest teilweise. Am Konzept wird, wie gesagt, derzeit gearbeitet.

Seitlich am Landgraben bilden sich reihenweise Pfützen. Foto: Karina Eyrich

Betrifft dieses Konzept auch das Hufeisen?

Baulich und in Bezug auf die Verkehrsregelung muss sich im Hufeisen einiges tun, das ist keine Frage, und da werden wir noch spannende Diskussionen bekommen, bei denen ideologische Welten aufeinanderprallen werden.

Wie wollen Sie diese Knoten aufdröseln?

Wir werden uns mit den Handeltreibenden zusammensetzen, denn es kann ja nicht in deren Interesse sein, dass jeder mit dem Auto in den Laden fährt. Auf der anderen Seite bin ich kein Freund des anderen Extrems: dass niemand außer den Anwohnern dort parken darf. Wir müssen eine versöhnliche Lösung finden, die das Problem entzerrt.

Vor allem an der Einfahrt zum Spitalhof ist der Straßenrand demoliert. Foto: Karina Eyrich

Anwohnerparken ist nach der Sanierung auf dem großen Langwatte-Parkplatz nicht mehr erlaubt, so dass Hufeisen-Bewohner, die abends keinen Parkplatz finden, hinter „Honeywell“ parken müssen. Das Anwohner-Parken im Hufeisen, das geplant war, wurde nie umgesetzt. Bleibt es dabei?

Das Thema habe ich auf dem Schirm. Seit der Entscheidung, das Hufeisen ganz für Kurzzeitparker zuzumachen, die ja in letzter Sekunde gekippt wurde, sind wir im Zustand des Stillstands, und ich bin kein Freund von Stillstand. Nur kann ich nicht alle Räder gleichzeitig drehen.

Die Frage nach Parkplätzen für Anwohner und Beschäftigte der Innenstadt müssen wir ganz neu aufdröseln. Für die Anwohner ist klar, dass sie möglichst in der Nähe ihrer Wohnung Parkplätze finden müssen. Deshalb müssen wir auch über den Parkplatz Langwatte nochmals reden.

An der Kreuzung Landgraben und Kapellstraße ist eine Wendeplatte, die nicht so gedacht war: Hier wenden fast im Minutentakt Autofahrer, die einen Parkplatz, möglichst nah zur Innenstadt, suchen oder zu den Bankautomaten in der Marktstraße gehen. Foto: Karina Eyrich

Warum hält sich so hartnäckig der Gedanke bei manchen Händlern, wir brauchten nur mehr Parkplätze, dann werde die Innenstadt florieren, obwohl Experten etwas anderes sagen und es zahlreiche Gegenbeispiele gibt?

Ich glaube gar nicht, dass dieser Gedanke sich so hartnäckig hält. Wir brauchen Parkplätze, aber ob es wirklich alleine an der Zahl liegt, ist die andere Frage. Was ist mit den in der Innenstadt Berufstätigen? Was ist mit den Anwohnern? Und was ist mit den Besuchern? Diese Zahnräder – der ÖPNV gehört auch dazu – greifen aus meiner Sicht nicht hinlänglich ineinander, und zwar nicht alleine vom Angebot, sondern von der Parkplatzbewirtschaftung her. Deshalb müssen wir uns überlegen: Schaffen wir Anreize für jene, die hier arbeiten und alle Stunde ihre Parkuhr umstellen, mal ein paar Meter zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz zu gehen? Wir haben halbleere Parkhäuser, etwa am Bahnhof, und müssen uns überlegen, ob man das durch Preisgestaltung und Kontrollen künftig anderweitig regelt.

Zerbrochen von vielen schweren Autos sind die Gehweg-Pflastersteine hinter der Sparkasse im Landgraben. Foto: Karina Eyrich

Heißt das auch: Parkgebühren in der Innenstadt?

1999 wurden die Parkuhren abgeschafft, und obwohl es nicht jeden freuen wird, kann ich mir vorstellen, dass wir wieder Parkgebühren in der Innenstadt einführen und staffeln. Im Klartext: Wer mit der Motorhaube ins Geschäft will, muss tiefer in die Tasche greifen als derjenige, der bereit ist, auch mal ein paar Meter zu laufen.

Also: Parkhäuser vergünstigen, Innenstadtparken etwas verteuern. Wer direkt vor dem Laden parken will, muss es auch entsprechend finanzieren.

Auch rund um diesen Schacht tun sich Löcher auf. Foto: Karina Eyrich

Heißt das: vergünstigtes Parken für Beschäftigte im Parkhaus am Bahnhof?

Es ist ganz klar, dass dort mehr Parkplätze belegt werden müssen mit jenen, die den ganzen Tag über parken. Das entlastet die Innenstadt im Hinblick auf den fluktuierenden Parkverkehr, der ja umgeschlagen werden soll. Jeder, der den ganzen Tag parkt und die Parkscheibe dreht, nimmt einem, der einkaufen oder zum Arzt will, einen Parkplatz weg.

Mehrfach ausgebessert, geht die Fahrbahn doch immer wieder kaputt. Foto: Karina Eyrich

Also ein ganz neues Parkkonzept für Ebingen?

Das ganze System müssen wir grundsätzlich anpacken. Kürzlich haben wir die Parkgebühren in der Tiefgarage Bürgerturm erhöht, was keine Dauerlösung sein muss, denn die Rolle der Tiefgarage Bürgerturm müssen wir im Rahmen des Gesamtkonzeptes Parken in der Innenstadt Ebingen überdenken. Aber daran wird gearbeitet. Die Wahrheit zwischen zwei weit auseinanderliegenden Positionen liegt in der Mitte, deshalb müssen wir einen tragfähigen Kompromiss finden.